Rezensionen

Pierre Bottero „Meister der Stürme“

Originaltitel:

Reihe: L’Autre

Verlag: Ullstein (Januar 2009)

Seiten: 363

ISBN: 3-548-26775-0

Preis: 8,95

Inhalt

Der 16-jährige Nathan und seine Freundin Shaé müssen den ANDEREN besiegen, ehe er die Menschheit vernichtet. Nun zeigt Onjü, das Herz des Bösen, seine übermächtige Kraft. Als menschliche Gestalt getarnt, überzieht der ANDERE die Welt mit Naturkatastrophen. Doch vor allem vergiftet er die Herzen der Menschen, die sich durch Verrat und Intrigen selbst zerstören sollen. Nathan und Shaé müssen erneut ihre ererbten Fähigkeiten einsetzen.

Meinung

In Band 1 der französischen Reihe „L’Autre“ trafen wir auf Nathan, ein 16jähriger sportlicher und schulischer Überflieger, und auf Shaé, ein Waisenmädchen mit einem dunklen Geheimnis. Nathans Leben gerät außer Fugen, als sein Elternhaus in Kanada explodiert und er dem Anschlag, der seine Eltern tötet, nur durch Glück entkommt. Verfolgt von Werwölfen und matrixähnlichen Gestalten, trifft er durch „Zufall“ auf Shaé. Shaé lebt in Frankreich bei ihren interesselosen Adoptiveltern. Nach außen hin scheint sie normal, doch in ihrem Inneren brodelt ein Monster. Auch hinter ihr scheinen die dunklen Mächte her zu sein, die nach Nathans Leben trachten. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick, auch wenn Nathan Shaé nicht berühren darf, weil sie Körperkontakt nicht erträgt. Ihre gemeinsame Flucht bringt sie zu Nathans Familie und sie erfahren unglaubliches: Jeder von ihnen trägt das Blut dreier verschiedener Familien in sich. Das führt dazu, dass Nathan schnell lernt, sportlich ist und automatisch über Wissen verfügt, dass seine Vorfahren angesammelt haben. Shaé kann sich in Tiere verwandeln, sich selbst heilen und verfügt über die Fähigkeit, Türen im „Haus im Irgendwo“ zu öffnen oder zu schließen. Außerdem existiert noch die Familie der Führer. Die beiden erfahren, dass die 7 Familien die einzigen sind, die von dem ANDEREN wissen, der vor kurzem aus seinem Gefängnis befreit wurde, und jetzt Jagd auf Shaé und Nathan macht, weil sie mit ihren vereinten Kräften gefährlich für ihn werden können. Also gehen die beiden den Kampf an, siegen auch, enden aber eingesperrt im „Haus im Irgendwo“.

Genau dort beginnt „Meister der Stürme“. Shaé und Nathan können nicht zurück ins Haus seines Onkels, denn die Tür dorthin ist überflutet. Über das Pratum Vorax gelangen sie auch nicht, denn es reicht zu weit. Nach einigen Tagen findet Shaé hinter einer der Türen Rafi – den Führer – und er öffnet diese für sie. Nathan und Shaé erfahren, dass die Welt Kopf steht. Zwar haben sie Jalaab, die Kraft des ANDEREN, getötet, doch Onjü, das Herz, wütet immer noch. Auf der Erde toben Stürme, eine Seuche grassiert, die ihre Opfer erst aggressiv macht, um sie dann zu töten, und Paris wird mehr und mehr eingeschneit. Doch genau dorthin schickt Rafi die beiden, damit sie mit Nathans Großvater reden. Sofort bei ihrer Ankunft in Paris retten sie den blinden Führer Emiliano vor einer Horde Höllenhunde und er lädt sie in sein Haus ein. Für Nathan und Shaé beginnt ein Kampf um ihre Liebe, um das Vertrauen Nathans Familie und um eine große Zukunft. Doch Onjü weiß, wie er Herzen vergiften kann und Misstrauen säht…

Die Kritikpunkte, die ich bei „Das achte Tor“ schon anbringen konnte, gelten hier immer noch. Nathan ist einfach zu aalglatt. Zu schön, zu sportlich, zu übermenschlich und noch schrecklicher: zu weichherzig. Angesichts der Nacht, die Shaé mit Emiliano verbringt, und die ihm so lange entsagt blieb, ist eigentlich kein Funke Wut in ihm. Nathan ist mittlerweile nicht nur Superman, der die Welt rettet, sondern Shaés Schosshündchen, der ihr alles verzeiht. Shaé bleibt die einzige interessante Person in der großen Anzahl von Protagonisten.

Auch bleibt das mystische größtenteils wieder auf der Strecke und macht dafür einer schriftlichen Version von „James Bond trifft Kill Bill“ Platz. Da steigt Nathan in tiefschwarzem Wärmeschutzanzug mit Bergsteigerausrüstung eine Hauswand hoch, schneidet Löcher in Fensterscheiben, balanciert auf Drahtseilen, sprüht Frostschutzmittel auf Laserstrahlen und klettert waagrecht zum Boden an Eisenspitzen entlang. Ganz zu schweigen von seiner Fähigkeit, ein Schwert so schnell um seinen Körper zu wirbeln, dass er „eine Wand aus Stahl“ um sich bildet. Reichlich zuviel Können, selbst für ihn.

Bottero hat dabei zwar schöne Ideen, die interessante Entwicklungen versprechen, erkennt sein eigenes Potential dabei aber nicht. So hätte man aus Shaés Betrug Nathan gegenüber viel mehr machen können. Schließlich ist ihr Herz vergiftet worden. Dafür ist Shae aber doch zu ehrlich und gesteht Nathan sofort, dass sie mit Emiliano intim geworden ist. Auch ihr Kampf gegen das Gift vor ihrer Verwandlung hätte man viel mehr ausschmücken können.

Schön hingegen waren die Passagen, die Shae als Delfin verbringt. Doch sobald Shae wieder sie selbst ist, verliert das Buch auch wieder an Qualität und mit dem Schluss macht es sich Bottero fast schon zu einfach. Der Epilog lässt auf eine – wenn auch nicht unerwartete – ganz neue Geschichte schließen.

Fazit

„Meister der Stürme“ von Pierre Bottero setzt die Geschichte von „Das achte Tor“ nicht nur logisch fort, sondern leider auch in all ihren Schwächen. Vielmehr steigert er sie noch, und so wirkt das Buch ein wenig james-bond-mäßig. Zwar hat der Autor einige gute Ideen, erkennt deren Potential aber selbst nicht. Positiv an dem „Roman“ sind die Passagen, die aus Shaés Sicht als Delfin erzählt werden und der Epilog, der verspricht, die Geschichte völlig neu anzupacken.

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