Karlijn Stoffels „1:0 für die Idioten“

Verlag: Beltz (Juli 2009)

Seiten: 164

ISBN: 3407810571

Preis: 12,95 €

Inhalt

Luisa kommt für ein Jahr in die »Villa Strandlust« der Jugendpsychatrie. Sie ist eine scharfe, unerbittliche Beobachterin ihrer selbst. Ein Roman von großer Dichte, in dem es Stoffels meisterhaft versteht, die tiefgreifenden Veränderungen, die in Luisa stattfinden, unverstellt und authentisch – und mit viel Sinn für Humor und Ironie aufzuzeigen.»Die Welt und ich haben schon immer im Streit miteinander gelegen«, erinnert sich Luisa an ihrem 15. Geburtstag. »Freundschaft« bedeutet für sie nur, dass man gemeinsam dieselben Leute nicht ausstehen kann. Sie weiß nicht, wem sie trauen kann und wohin sie mit ihren Aggressionen soll, und weshalb man nicht immer zurückgeliebt wird, wenn man verliebt ist. Luisa rastet aus und zwar richtig. Sie ist ins Meer gegangen. Aber ein Hund hat sie wieder rausgefischt.
In der Klinik soll sie sich und ihr Leben wiederfinden. Sie vertraut sich dem Therapeuten Hans an, sie beobachtet die anderen Patienten mit all ihren Zwangsneurosen. Als sie nach vielen Auf und Ab s stark genug ist, die Villa zu verlassen, weiß Luisa, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hat. Aber eines hat sie gewonnen: Vertrauen in die Menschen und in sich selbst.

Meinung

Luisa kommt in die Klinik Strandlust, weil sie betrunken ins Wasser gelaufen ist und sich ertränken wollte. Jetzt in der Klinik wird ihr erst bewusst, dass nicht mit der Welt um sie herum, sondern mit ihr selbst etwas nicht stimmt. Langsam freundet sie sich mit Mitgliedern der Gruppe 1 an: Mit Hassan, dem Jungen mit Geburtstrauma, mit Zebbie, deren streng christliche Erziehung sie überfordert hat, mit Cor, der seine Aggressionen nicht zügeln kann und mit Carmen, die Angst vor Dreck hat. Nur ihre Therapeuten nimmt Luisa nicht besonders ernst und fängt sogar an, an ihren Mitinsassen herumzutherapieren.

Der Leser trifft auf Luisa, als sie in die Klinik „Strandlust“ eingeliefert wurde und weiß nicht mehr über sie, als dass sie versucht hat, sich zu ertränken. Im Laufe des Buches erfährt er mehr über Luisas Vorgeschichte: Ihr Vater starb, als sie 3 Jahre alt war, ihre Mutter hat neu geheiratet und sie mag den neuen Mann ihrer Mutter nicht. Sie lief von zu Hause weg und kam bei ihrem Kunstlehrer unter, der zu nett war, sie wieder wegzuschicken, flippt aber aus, als sie erfährt, dass er eine Freundin hat.

Man erfährt nicht, welche Diagnose Luisa wirklich erhält, doch alles deutet zumindest auf eine narzisstische Persönlichkeit hin. Sie hält sich für überlegen, vor allem den Therapeuten gegenüber, denn sie ist der Meinung, dass sie besser in der Lage ist, ihre Freunde zu heilen. Jeden kleinen Erfolg reibt sie den „Sozios“ unter die Nase. Sie baut extrem schnell Verbindungen auf, reagiert auf Ablehnung aber auch extrem. Nachdem sie die Freundin ihres Lehrers entdeckt, verbringt sie 3 Tage in seinem Wandschrank, als die Frau ihres Betreuers – zu dem sie eine starke Bindung aufgebaut hat – in der Klinik auftaucht, zerhackt sie mit einer Axt dessen Schreibtisch, während er noch dahinter sitzt.

Luisa nimmt ihre Therapie genauso wenig ernst. So wie sie der Meinung ist, dass sie ihre Mitinsassen heilen kann, nimmt sie auch nur Hilfe aus deren Reihen an. Sie klammert sich an die Verantwortung, die sie für Zebbie und Hassan übernimmt. Auch weigert sie sich, gesünder zu werden, weil das gleichbedeutend wäre mit Entlassung und Luisa weiß nicht, wo sie hin soll.

Die Bewohner der Klinik „Strandlust“ nehmen sich selbst nicht ernst, sie nennen sich selbst „Idioten“ und reißen Witze über ihre Krankheiten. Die Betreuer wirken fast alle stümperhaft und unfähig, mit den Jugendlichen anständig umzugehen.

Man darf nicht erwarten, dass „1:0 für die Idioten“ die Abbildung wirklichem Klinikalltags darstellt. Die Krankheitsbilder sind überzeugend umgesetzt und auch die meisten Abläufe finden in der einen oder anderen Klinik statt. Doch die Bündelung extremer Fälle, die auf das Fehlen fähiger Therapeuten stoßen und sich dann gegenseitig selbst helfen, ist weniger realistisch. Auch, dass Patienten mit so ausgeprägten Krankheitsbildern freien Ausgang haben, wann sie wollen, ist sehr unrealistisch.

Fazit

„1:0 für die Idioten“ ist ein Buch, das weder auf großen Realismus noch auf eine spannende Geschichte setzt. Der Leser begleitet die 15-Jährige Luisa auf ihrem Weg durch ihre Therapie und lernt nach und nach, was das junge Mädchen dazu gebracht hat, einen Selbstmordversuch zu begehen. Luisa ist an sich kein sympathisches Mädchen, trotzdem schafft die Autorin es, dass der Leser ihre Fortschritte mitverfolgen möchte. Auch ihre Mitinsassen sind sehr interessante Persönlichkeiten.

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