Rezensionen

Joachim Massanek „Wildernacht Kladde 2“

191Reihe: Wildernacht

Band: 2

Verlag: VGS (Juni 2009)

Seiten: 224

ISBN: 3505126640

Preis: 9,95 €

Inhalt

Michael Klondeik brennt der Boden unter den Füssen. Er wohnt in einem irischen Cottage und jeden Tag berichtet er einem Dutzend mutiger Kinder von Galahads Kampf in der letzten Halle der Kurzen. Dort, im Land im Westen, in Drachenherz, steht der uralte und verwundete Tafelmann zusammen mit Sean Dark, der Dame aus Wildernacht, Ko-Kahla-Bold, dem Schlawinermädchen und den letzen Kurzen einer Übermacht aus Reps und Sekten entgegen, die er nur besiegen kann, wenn Michael Klondeik diese Geschichte zu Ende erzählt. Doch auch Michael wird gejagt. 9 schwarze Hexen versammeln sich um sein Cottage und warten nur noch darauf, dass Sally zu ihm kommt. Sally Wild Blanche, die Stimme der Lichten, die Frau, die zu der Stimme gehört, die ihm alles erzählt. Dann schlagen sie zu.

Meinung

Michael Klondeik ist nach seiner Flucht aus Berlin endlich in Irland angekommen und wohnt dort in einem kleinen Cottage. Jeden Tag besuchen ihn die Kinder des Dorfes, um sich seine Geschichten über Galahad und seine Begleiter anzuhören. Michael wartet auf Sally, seine Freundin. Doch dann muss er feststellen, dass eines seiner Kinder – Art – ihn an die Hexen verraten hat, die ebenso auf Sally warten, um sie umzubringen. Und gerade als Michael überlegt, zu verschwinden, um Sally zu schützen, taucht sie in seinem Dorf auf.

Galahad und seine Begleiter befinden sich derweil immernoch in den unterirdischen Hallen der Kurzen. Nach dem Frieden, der während der Geburtstagsfeier geherrscht hat, muss Galahad wieder fürchten, umgebracht zu werden, denn immernoch steht ein hohes Kopfgeld auf ihn aus. Niemandem außer ihm ist bewusst, dass die Kurzen einer viel größeren Gefahr ausgesetzt sind: Denn eine zehnbeinige Spinne hat eine Lücke zwischen den Welten gefunden und eine Armee von Sekten schaffen können, die nicht sonnenempfindlich sind. Ihr erstes Ziel sind die Hallen der Zwerge.

„Kladde 2“ weckt im Leser mehr den Verdacht, dass sich Michael die Geschichte um Galahad und die verbundenen Welten nur ausdenkt, als „Kladde 1“. Nachts, wenn Michael allein ist, hat er Albträume und hört Stimmen, er fühlt sich ständig verfolgt und erkennt sogar in der Kassierein im Supermarkt eine Hexe, die ihn bedroht. Man bekommt immer mehr den Eindruck, dass er an einer ausgewachsenen Paranoia leidet und dass vieles, was er erlebt, vielleicht ganz einfach zu erklären wäre und sein Kopf ihm eher Streiche spielt, wenn er Ungewöhnliches beobachtet. Außerdem behauptet Michael, dass die Zeiten in den beiden Welten parallel laufen. Dafür kann er aber den Kindern meist sofort erzählen, was Galahad gerade tut.

Auch wir deutlich, dass die Wildernacht-Reihe für sehr junge Kinder wenig geeignet ist. Es wird auf Dauer sehr anstrengend, die Sagen von Arthur und der Tafelrunde mit Michaels Geschichten zu verbinden und gleichzeitig seine Bezeichnungen für die Zwerge, Trolle, etc zu entschlüsseln, um sich ein deutliches Bild der Protagonisten machen zu können. Auch ist Vorwissen über Arthur und über Tolkiens Herr der Ringe fast unumgänglich. Die Geschichte an sich wird stellenweise sehr brutal, zum Beispiel, als Kurz Null Null Zero davon erzählt, dass er seinen eigenen Vater umgebracht hat und dass er ähnliches von seinen Söhnen erwartet oder als Galahad ohne mit der Wimper zu zucken 6 Zwerge niederstreckt.

Beide Kritikpunkte – also die Unglaubwürdigkeit und die Brutalität – sprechen die Kinder, die sich ständig bei Michael aufhalten, auch selbst an, doch Michael windet sich immer wieder aus den Vorwürfen.

Die optische Aufmachung steht der des ersten Bandes nicht nach. Äußerlich ist es natürlich genauso gestaltet, nur die Zeichnung ist in Pink statt Gelb gehalten. Auch das Prinzip, dass Schreimaschinenschrift auf liniertem Notizpapier prangt, wurde beibehalten. Michaels Welt wird immernoch in schwarz, das Land im Westen mit rot geschrieben. Was sich geändert hat, sind die Illustrationen. „Kladde 2“ beinhaltet mehr Bilder, die ganze Tagebuchseiten einnehmen, zum Beispiel große Skizzen von Michael selbst und Sally, aber auch von den Kindern. Auch presst Michael Blumen in seinen Büchern, was den Leser hie und da dazu bringt, über eine besonders lebensechte Blüte zu streichen, um sicherzugehen, dass sie nur aufgedruckt ist.

Fazit

„Wildernacht Kladde 2“ von Joachim Massanek ist in seiner Gestaltung Band 1 sogar noch ein Stück voraus. Der Leser findet sich auf den liebevoll gestalteten Seiten wieder in der Welt von Michael Klondeik und Galahad, dem Tafelmann wieder, deren Leben miteinander verwoben sind. Immernoch wird nicht deutlich, ob Klondeik sich die Geschichten nur ausdenkt, oder ob das Land im Westen wirklich existiert. Ein wenig schade ist, dass man das Buch ohne ein wenig Vorwissen über die Artus-Sage nicht versteht und dass Klondeiks Umbenennungen der mystischen Wesen auf Dauer sehr anstrengend zu entschlüsseln sind.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s