Jan Weiler „Antonio im Wunderland“

41zyUHBcc4L._SL500_AA240_ Verlag: Rowohlt (September 2006)

Seiten: 272

ISBN: 349924263X

Preis: 8,95 €

Inhalt

Der italienische Gastarbeiter Antonio Marcipane hat alles erreicht: Er besitzt ein Reiheneckhaus, ein schönes Auto und vier Dutzend Krawatten. Seine Töchter haben deutsche Männer geheiratet, jetzt wartet ein entspanntes Rentnerdasein auf ihn. Wenn da nicht noch ein unerfüllter Traum wäre: Amerika. Und sein Schwiegersohn muss mit.

Meinung

Der Klappentext lässt erwarten, dass man von Anfang an mit Antonio nach Amerika reist. Dem ist aber nicht so. Zuerst einmal erlebt man Antonios Rentenfeier, man erlebt den typischen Familieurlaub in Campobasso und dem Ferienhaus und erst nach etwas mehr als einem Drittel des Buches reist man nach Amerika, besser gesagt New York. Ist aber nicht schlimm, denn außer, dass sich Jan Weiler so hie und da etwas wiederholt, falls man „Maria, ihm schmeckts nicht“ noch nicht gelesen hat, ist er unterhaltsam wie eh und je.

Da mein erstes Buch von Jan Weiler entgegen der Reihenfolge der Veröffentlichung „Drachensaat“ war ( das ich immernoch vorbehaltlos jedem empfehlen würde, außer man erwartet ein Buch ähnlich den zwei Romanen um Antonio ), wunderte ich mich, über Benno Tiggelkamp zu stolpern. Benno Tiggelkamp ist einer der Patienten in „Drachensaat“, nämlich derjenige, der jahrelang mit seiner toten Mutter zusammengelebt hat. In der Psychiatrie erscheint er sehr teilnahmslos und das einzige, was er einwirft, sind Floskeln im tiefsten Dialekt. Das tut der Benno Tiggelkamp in „Antonio im Wunderland“ zwar auch, erweist sich aber andererseits nicht als teilnahmslos, sondern als extreme Nervensäge, auch wenn er genauso langsam und einfach gestrickt scheint. Er besetzt pausenlos Toiletten und sammelt Porzellanrauchverzehrer. Er erzählt Antonio – der sein bester Freund ist – nur deswegen, dass er englisch kann ( was natürlich gelogen ist ), weil er unbedingt ein amerikanisches Model für seine Sammlung haben möchte.

Mit seinem kindlichen Schwiegervater und dem toilettophilen Benno kämpft sich Jan Weiler mehr schlecht als recht durch New York. Mehr als einmal schaffen die drei es, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, angefangen schon mit der Einreise. Und bestimmt noch öfter wäre möglich gewesen, wenn der pflichtgetreue Schwiegersohn seine Begleiter nicht aus dem Brennpunkt entfernt hätte, den sie selbst gerade verursacht haben.

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