Kirsten Marohn „Lappalie“

w-lappalie Verlag: Books on Demand (September 2008)

Seiten: 204

ISBN: 3837066827

Preis: 19,90 €

Inhalt

Jasmin ist zu beneiden. Sie liebt ihren Halbtagsjob als Regalauffüllerin im Superbiomarkt, ihre Chefin ist ihre beste Freundin, und privat ist sie mit Henrik, einem erfolgreichen Schriftsteller, verheiratet. Doch der schöne Schein trügt.

Seit jener Silvesternacht, als Jasmin einen Moment nicht aufpasste und ihr Schwiegervater die Situation ausnutzte, ist ihr Liebesleben ein Spießrutenlauf. Wie gerne würde sie Henrik erzählen, was damals in der Küche seines Vaters geschah, doch während Jasmin noch über die richtigen Worte grübelt, muss sie entdecken, dass ihr Ehemann den Studentinnen seines Schreibkurses längst mehr beibringt, als nur die korrekte Grammatik.

Und dann ist da noch Sven, ihr Schwager, der seit der Hochzeit in sie verliebt ist …

Meinung

Seit 12 Jahren ist Jasmin schon mit dem Schriftsteller Henrik verheiratet. Doch anstatt der erwarteten Romantik warten in ihrer Hochzeitsnacht alle Varianten von Dessous auf sie und als sie schon etwas verstört von der Hochzeitsreise auf einer Silvesterfeier von ihrem Schwiegervater vergewaltigt wird, ist von harmonischer Ehe weit und breit keine Sicht mehr. Denn Jasmin schweigt. Jetzt scheint ihre Ehe völlig in den Brüchen zu liegen, Jasmin fühlt sich nur noch bei ihrem Schwager Sven geborgen und Henrik hat nach Beobachtungen ihrer Arbeitskollegin eine Affäre.

„Lappalie“ besteht fast nur aus Charakteren, die man aus diversen Gründen schütteln möchte und sie fragen will, was sie sich bei dem Denken, was sie sagen und wie sie handeln. Zum einen ist da Henrik, der nicht der romantisch brütende Typ von Schriftsteller ist, sondern sich von Papa aushalten lässt, während er Kurzliebesschnulzen für Frauenzeitschriften schreibt, von denen sie aber nicht leben können. Henriks Welt dreht sich nur um eines: Henrik. Wieso seine Frau so niedergeschlagen ist, seine Ehe so angeknackst und sein Verhältnis zu seinem Bruder angespannt, interessiert ihn dagegen gar nicht. Sein Vater ist reicher Gynäkologe und ebenfalls kein Kostverächter, vor allem, wenn es sich um junge Frauen handelt. Wie ein … für Arme schwängert er seine 20 Jahre jüngere Frau Jill und eine Woche vor der Geburt vergewaltigt er seine frischgebackene Schwiegertochter, setzt sie dann in ein Taxi und lässt sie nach hause bringen. Für ihn ist hinterher klar, dass Jasmin kein Wort über das Ereignis verlieren wird. Jasmin selbst möchte man auch anstoßen, aber nicht in der Art wie die beiden unsympathischen Herren Bolger. Wie viele andere Vergewaltigungsopfer schweigt Jasmin. Zuerst ist sie zu geschockt, um sich gegen den rüden Abtransport zu wehren, den ihr Schwiegervater vornimmt, später ist sie sich nicht mehr sicher, ob sie nicht selbst Schuld hat und ihren Schwiegervater zu sehr provoziert hat, und mit jedem Jahr, das vergeht, scheint e ihr immer unmöglicher, überhaupt ein Wort darüber zu verlieren. Dabei möchte der Leser Jasmin immer mehr zwingen, den Mund zu öffnen, je weiter er in die Geschichte dringt und erfährt, wie mies sie von ihrem Mann und dessen Vater behandelt wird und erkennt, wie viele Menschen ihr helfen würden. Dabei hat Jasmin scheinbar das Glück genau vor der Nase in Form ihres Schwagers Sven, der alles ist, was ihr Ehemann vermissen lässt.

Als Lappalie tut Jasmin das ab, was mit ihr passiert ist, um unangenehmen Gesprächen aus dem Weg zu gehen, die zu sehr an der Wahrheit kratzen. Doch was Jasmin passiert ist, ist keine Lappalie. Das gleichnamige Buch von Kirsten Marohn sollte viel mehr Frauen Mut machen, sich zu öffnen und Hilfe zu holen.

Zwar sind manche Dialoge etwas zu langwierig geraten, dennoch lässt sich „Lappalie“ flüssig lesen, vor allem deswegen, weil man darauf hinfiebert, wann Jasmin mit der Wahrheit herausrückt.

Fazit

„Lappalie“ von Kirsten Marohn beschäftigt sich mit einem schon viel bearbeiteten Thema: Vergewaltigung. Dabei wecken die Charaktere im Leser den Drang, sie wütend zur Rede zu stellen oder sie ungeduldig in die richtige Richtung zu schubsen. Doch gerade die zaudernde Protagonistin ist in ihrer Rolle sehr überzeugend, denn quälen Gedanken, die fast jedes Vergewaltigungsopfer befallen. Die Fragen nach Schuld und Glaubhaftigkeit sowie Verjährung kommen auf den Tisch.

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2 Gedanken zu “Kirsten Marohn „Lappalie“

  1. Kirsten schreibt:

    Hallo Holly!

    Danke für die zauberhafte Kritik!

    Ich hab deine Rezension durch Zufall gefunden, warum hast Du denn nichts gesagt, dann hätte ich Dir schon vor einer Woche einen ganzen Sack voller Smileys :O) geschickt!

    Danke, Holly!

    P.S. Wenn Du magst, meld dich doch bei mir wegen einem Rezensionsexemplar für BUNTE FISCHE!

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