Jean-Louis Fournier „Wo fahren wir hin, Papa?“

41b-X0hviEL._SL500_AA240_Verlag: dtv (November 2009)

Seiten: 160

ISBN: 3423247452

Preis: 12,90 €

Inhalt

Wie gerne hätte der Vater seinen Söhnen ›Tim und Struppi‹ geschenkt – aber leider können sie nicht lesen. Wie gerne wäre er mit ihnen auf Berge gestiegen, hätte mit ihnen Musik gemacht, hätte mit ihnen Volleyball gespielt – aber leider können sie immer nur mit Holzklötzchen spielen. Thomas und Mathieu sind behindert und waren nie das, was sich der Vater gewünscht hätte: normale Kinder. Pointiert und mit überraschendem Witz schildert Fournier das Leben mit seinen Söhnen, die zu lieben nicht leicht war. Für die beiden wäre eine Engelsgeduld nötig gewesen, doch Fournier, so bekennt er offen, war kein Engel.

Meinung

Über Behinderte redet man nicht schlecht. Man lächelt höflich und versucht sich, um jedweden Kommentar zu winden. Oder nicht? Zumindest herrscht viel Unsicherheit, wenn es darum geht, mit dem Thema Behinderung umzugehen. Wenn dann jemand etwas Negatives oder Spaßiges sagt, ist man empört,weil man denkt, das gehört sich eben nicht. Aber gilt das auch, wenn derjenige der Vater ist?

Fournier ist schonungslos ehrlich. Er hat zwei behinderte Söhne und erzählt auf streckenweise sogar brutale Art und Weise, wie das Leben mit ihnen aussieht. Dabei gibt er auch zu, dass er enttäuscht ist, dass er nie mit seinen Söhnen das Leben teilen kann, das er wollte: Museumsbesuche, Diskussionen über Musik, Schwiegertöchter und Enkel. Nie konnte er stolz von ihren Fortschritten erzählen, denn sie machen kaum welche, nicht einmal normale Gespräche sind möglich. Was Fournier bleibt, ist sein tiefschwarzer Humor, durch den aber immer wieder fast pure Verzweiflung durchschimmert. Er denkt sich Gespräche aus, die er mit seinen Kindern führt und verunsichert die neu eingestellte Kinderfrau erst einmal durch seine derben Witze.

„Wo fahren wir hin, Papa?“ ist auf der einen Seite wirklich lustig. Fournier erzählt Anekdoten seiner Kinder, über die man gerne mal lachen darf. Dies ist auch eine Tatsache, die Furnier betont: Man darf auch mal lachen. Auf der anderen Seite ist das Buch auch sehr traurig. Man bekommt wirklich das Gefühl, dass Fournier sich sämtliche Wut, Selbstvorwürfe und schlchtes Gewissen von der Seele schrieben wollte. Doch dabei bekommt der Leser auch das Gefühl, er könne in Gegenwart von Eltern mit behinderten Kindern nichts richtig machen. Weder gefällt es ihm, wenn man ihn auf seine Kinder anspricht, noch mag er es, wenn man  es nicht tut. Er will nicht mit Samthandschuhen angefasst werden, ist aber auch sauer, wenn sein Gegenüber es auch wirklich nicht tut.

„Wo fahren wir hin, Papa?“ ist ein lesenswertes Buch, wenn man den erhobenen Zeigefinger einfach mal stecken lässt. Falls man das kann…

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