Rezensionen

Bettina Belitz „Splitterherz“

Verlag: Script5 (Januar 2010)

Seiten: 630

ISBN: 3839001056

Preis: 19,90 €

Inhalt

Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Meinung

Zugegeben, ich hatte anfangs wirklich Angst, dass ich meinen „Leipziger Buchmesse Superspontankauf“ irgendwie bereuen würde, denn anfangs hatte ich immense Schwierigkeiten mit „Splitterherz“. Ich bin ein Dorfkind. War es, bin es und werde es hoffentlich immer sein. Städte finde ich gruselig, Bayreuth ist das Höchste der Gefühle und ich bete wirklich, dass mich die bayrische Regierung niemals im Leben nach München steckt. ( Tut mir leid, liebe Münchner, bitte hasst mich jetzt nicht. ). Als gerne „in der Pampa“ lebende Dame konnte ich vieles nicht nachvollziehen, was Ellie gefühlt hat. Das heißt nicht, dass ich nicht ihre Situation verstanden hätte – als Jugendliche aus der Stadt aufs triste Land zu ziehen ist wahrscheinlich wirklich scheisse. Das war nicht mein Problem. Vielmehr waren es Szenen wie die im Wald, als sie spazieren geht und das Gewitter aufzieht. Das sind für mich Momente, bei denen ich in den Himmel kucke und mir das Herz aufgeht, wenn der Donner von allen Seiten zu kommen scheint und der Wind durch die Baumwipfel pfeift. Ich liebe Gewitter am Land. Ellie hingegen findet das gar nicht toll und da widersprechen sich einfach meine persönlichen Gefühle dermaßen mit denen der Hauptfigur, dass mich das total aus der Bahn wirft. Solche Situationen gab es en masse. Erst, als Ellie und Colin mehr miteinander zu tun hatten und das ganze „Igitt, ich wohne am Land“-Thema langsam gegessen war, legte sich auch mein Problem mit dem Buch.

Elisabeth kann ich bis jetzt nicht leiden. Dafür hat sie es sich anfangs schon versaut mit ihrer Einstellung und ganz ehrlich wirkte sie nicht nur, als halte sie sich für etwas besseres, sondern hat das auch. Aber da ich oft Probleme mit den Protagonistinnen habe ( siehe Hush,Hush ) und die Bücher trotzdem mag, hat das nichts zu sagen. Denn Colin rettet alles. Ich finde es ja gut, dass Bettina Belitz es geschafft hat, klar zu machen, wie schön er ist ohne es tausendmal zu wiederholen, bis man es nicht mehr hören kann. Trotzdem hat er Eindruck hinterlassen und das nicht zu knapp.

Besonders toll fand ich es aber, dass Frau Belitz es geschafft hat, einen Mythos aufzugreifen, der in letzter Zeit nicht bis zum Erbrechen ausgelutscht wurde wie Vampire oder Engel. Das gab dem Buch etwas Besonderes und man musste gemeinsam mit der Protagonistin auf Aufklärung warten, anstatt schon im Voraus ein vages Wissen zu besitzen, was passieren wird. Und je weiter das Buch fortschritt und die zähen ersten 200 Seiten hinter mir lagen, desto weniger konnte ich das Buch zur Seite legen. Ich hatte Ooooh und Aaaaaah Momente und mir die eine oder andere Träne verdrückt.

Nimmt man dazu das absolut passende Ende, hat sich „Splitterherz“ für mich doch noch als ein guter Griff herausgestellt.

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6 Kommentare zu „Bettina Belitz „Splitterherz“

  1. Also ich hab Ellie von Anfang an zu 100% verstanden. Und dass sie sich für was besseres hielt als die anderen „Dorftrottel“ fand ich jetzt auch nicht unbedingt. Sagen wirs so, sie kannte es einfach nicht anders. Sie hat sich einfach so verstellt, um zu ihren Stadt-Freunden zu passen, und wusste dabei gar nicht wer sie wirklich ist. Sie hatte einfach Vorurteile gegenüber dem Landleben, die sich ja im Nachhinein widerlegt haben. Ellie hat zum Ende hin ganz klar eine Wandlung durchgemacht. Und für ihre vorherige Einstellung verurteile ich sie auch nicht, weil ich sie gut nachvollziehen kann. Und das sag ich, obwohl ich auch vom Land komme. ^^

    Sorry für den langen Monolog, aber mir ist das Buch einfach sehr nahe gegangen, weil ich Ellie auf jeder einzelnen Seite verstehen konnte.

  2. Naja, ich fand ja schon, dass sie exrem herablassend war. Zu allem, was sie so vor sich hingedacht hat, kam immer so ein Kommentar wie: „Aber ob Maike überhaupt wusste, was das war/hieß/blablabla“, als wäre man automatisch ne Runde dümmer, wenn man vom Land kommt. Ich frag mich halt, woher das komm, wenn sie VORHER ja auch schon am Land gewohnt hat… Und ihre Stadtfreunde waren ja auch keine Ausgeburt an Intelligenz.

  3. Ich fand sie anfänglich auch unsympathisch … weil sie einfach respektlos war (vor allem den Älteren gegenüber) und den Leuten in der Schule nicht einmal eine Chance gegeben hat.
    Ich habe etwas gegen diese Mentalität … wenn Leute aus der Stadt (oder besser aus Großstädten) immer meinen, dass einem auf dem Land irgendwas abgeht. Als hätte man da keinen Fernseher, kein Internet und keine Tageszeitungen.

    Ich mag es auch nicht, wenn jemand nicht in der Lage ist, sich richtige Freunde zu suchen bzw. sich immer den stärkeren in beliebteren Leutchen zuwendet, egal ob oberflächlich oder nicht. Das ist eine meschliche Schwäche, die ich ihr nicht so schnell verzeihen konnte.

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