Rezensionen

|Rezension| Rhiannon Lassiter „Böses Blut“

OT: Bad Blood

Verlag: Fischer Schatzinsel (Mai 2010)

Seiten: 400

ISBN: 3596808030

Preis: 8,95 €

Inhalt

Eine verborgene Tür führt in ein geheimes Spielzimmer. Dort liegt ein Stapel alter Kinderbücher, aus denen die Namen einzelner Charaktere herausgestrichen sind. Vor vielen Jahren haben sich hier drei Mädchen ein düsteres Spiel ausgedacht. Was sie spielten, wurde real, doch dann geriet das Spiel außer Kontrolle. Die Mädchen verließen den Ort ihrer Kindheit und versuchten, das Spiel zu vergessen.
Doch die aus der Phantasie befreiten Kreaturen blieben am Leben. Tief im Wald warten sie noch immer auf längst fällige Opfergaben, und sie rasen vor Wut. John, Katherine, Catriona und Roland sind die Einzigen, die das Spiel beenden können, und treten das gefährliche Erbe der Mädchen an. Doch sie werden zu hilflosen Spielfiguren …

Meinung

Nach dem Klappentext habe ich etwas anderes erwartet, als ich am Ende bekommen habe. Doch was ich bekommen habe, war nicht schlecht. „Böses Blut“ wirkt am Anfang wirklich wie ein Buch ausschließlich für Kinder. Die beiden alleinerziehenden Eltern Harriet und Peter lernen sich kennen und lieben, weil ihre beiden Töchter ähnlich heißen: Catriona und Katherine. Dummerweise ist aber genau dieser Umstand, der die beiden zusammengebracht hat, auch der, der an der Familienidylle rüttelt. Denn die beiden Mädchen streiten sich krampfhaft um ihren Spitznamen Kat/Cat und sind von Anfang an nicht miteinander zu vereinen. Unter diesem Kleinkrieg leiden auch ihre Brüder Roley und John, da sich die gesamte familiäre Aufmerksamkeit nur auf die Töchter richtet.

In der Hoffnung, ein Familienurlaub würde etwas ändern, nutzt die Patchworkfamilie die Gelegenheit, Urlaub im alten Elternhaus von Peters verstorbener Frau zu verbringen, bevor es verkauft werden soll. Ein hoffnungsloses Unterfangen, natürlich. Als die Familie im zweifellos auf den ersten Blick gruseligen Haus ankommen, nimmt das Unheil ihren Lauf. Catriona kommt schnell dahinter, dass die Mutter von John und Katherine den Verstand verloren hatte, und reibt das den beiden Kindern pausenlos unter die Nase. Ihr Charakter ist von Anfang an sehr unsympathisch angelegt: zickig, selbstmitleidig, sie trägt so ziemlich jede negative Eigenschaft mit sich herum, die man einer 15jährigen andichten kann. Auch ihr Bruder Roley ist ein wenig zu klischeehaft geraten: er ist ein molliger Junge, der zwar der älteste aller Geschwister ist, aber von niemandem außer dem zehnjährigen John ernst genommen wird. Vor allem nicht von seinen Eltern, die ignorieren, dass er eine Lust mehr auf den dicklichen Roley hat und lieber der sportliche Roland wäre. Katherine ist ein blasses Wesen, redet kaum – außer wenn sie ihre Stiefschwester anbrüllt – und steckt ihren Kopf nur in Bücher. Sie wirkt ein wenig blass, im Gegenzug zu ihrem Bruder John, der viel zu erwachsen ist für sein Alter.

So sind die „menschlichen“ Protagonisten ein wenig öde, die „nichtmenschlichen“ dafür umso besser. Allen voran ist da Mr. Fox, ein Sechzehnjähriger mit Motorrad und Pelzmantel und unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Er nutzt seinen Schlag bei Mädchen, um sein hinterlistiges Spiel mit ihnen zu spielen. Aber vor allem sein Verhältnis zu Alice gibt dem Leser Rätsel auf. Alice an sich ist zwar ein Mensch, ich zähle sie aber nicht vollständig dazu, weil sie etwas sehr seltsames an sich hat, das den Leser unsicher macht, ob sie nicht doch zu den Bösen gehört, ohne es selbst zu wissen. Zusätzlich dazu gibt es noch Delilah, eine Puppe mit Strähnen menschlichen Haars und einer Armee augenloser Mitpuppen, die Catriona überall hin folgen. Auch Spiegel und Glas, zwei Pantomimen, sind gleichzeitig lustige und gruselige Gesellen. Schade fand ich, dass man sehr wenig über die Geschichte der Figuren erfährt. Da jedes Wesen von Katherines Mutter und deren Freundinnen erschaffen wurde, hätte ich gerne gewusst, wieso gerade diese Figuren von ihnen erfunden wurden. Bis auf Mr. Fox – der wohl den Idealvorstellungen pubertierender Mädchen entsprang – machen die anderen Figuren wenig Sinn.

Man könnte sagen, dass alles, was man in diesem Buch findet, schon mal da war: gruselige Puppen, die sich selbst bewegen können, Pantomimen, die ja bei so manchem ähnlich wie Clowns Angst hervorrufen, die Charaktere der Protagonisten. Insgesamt wurde es aber zu einem sehr spannenden und schön zu lesendem Buch für junge Jugendliche zusammengemischt, die sich ein wenig gruseln möchten und nicht großartig nach Hintergründen forschen wollen. Auch den älteren Leser kann „Böses Blut“ durchaus unterhalten, wenn er über die kleinen Mankos hinwegsieht. Viele Szenen sind wunderbar detailliert beschrieben und die Geschichte an sich ist nur sehr selten vorhersehbar und fesselt den Leser an das Buch. Die Idee, dass der eigene Name wichtig ist, zieht sich von Anfang an durch das Buch, schon von dem Zeitpunkt an, als der Name ihrer Kinder die beiden Elternteile zusammenbringt über das Spiel, bei dem Namen und damit deren Besitzer gelöscht werden, bis zum Finale des Buches.

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4 Kommentare zu „|Rezension| Rhiannon Lassiter „Böses Blut“

  1. Ich habe das Buch als Hörbuch und habe schonmal angefangen…ich liege also im Bett und höre…ich schlafe ein…wache um 5 uhr auf und dann reden die von Mörderpuppen…Ich hab mich zu Tode erschreckt, konnte nicht wieder einschlafen und weiß nicht, ob ich es weiter hören kann… Traumatisches Erlebnis…

  2. Hallo Leute,
    Ich habe das Buch gelesen und ich kann es nur weiterentpfelen!
    Ich habe es meinen Freunden ausgeburgt und auch sie waren sehr angetan von diesem Buch.
    Nur das Ende kam etwas schnell…
    aber sonst ein sehr schönes Buch!

    Liebe Grüße eure Rosalie!

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