Rezensionen

|Rezension| Gesa Schwartz „Grim – Siegel des Feuers“

Verlag: Egmont Lyx (März 2010)

Seiten: 688

ISBN: 3802583035

Preis: 19,90 €

Inhalt

Der Pariser Gargoyle Grim ist ein Schattenflügler, seine Aufgabe ist es, das steinerne Gesetz zu wahren, dass niemals ein Mensch von der Existenz seines Volkes erfahren darf. Eines Tages begegnet ihm die junge Sterbliche Mia, die über eine besondere Gabe verfügt: Sie ist eine Seherin des Möglichen. Mia gerät in den Besitz eines rätselhaften Pergaments, das mit merkwürdigen Schriftzeichen bedeckt ist, die sie nicht entziffern kann. Gemeinsam mit Grim beschließt sie, dem Geheimnis des Pergaments auf die Spur zu kommen. Da erreicht sie die Nachricht, dass der Gargoylekönig in Paris gestürzt wurde. Das Gleichgewicht der Mächte verschiebt sich auf gefährliche Weise. Um die Gargoyles vor einer Schreckensherrschaft zu bewahren, muss Mia ihre schlummernden Kräfte erwecken.

Meinung

Grim ist ein Schattenflügler, ein Gargoyle und überzeugter Vertreter des Gesetzes. Kontakt zwischen Gargoyles und Menschen ist ein absolutes No o für ihn – gebranntes Kind scheut das Feuer. Doch dann sieht er sich in der Schuld einer alten Freundin und muss auf einen Hartiden aufpassen – einen Menschen, der die Welt, in der Grim lebt, sehen kann, mit allen ihren seltsamen Kreaturen wie Kobolden, Vampiren und Gargoyles. Und in Verbindung mit dem Jungen trifft er Mia, die gerade erst in das Leben als Hartidin gestolpert ist und sich schon Gefahren gegenüber sieht, mit denen auch erfahrene Hartide nicht klar kommen würden. Denn ihr Bruder hat ihr ein Pergament überlassen, hinter dem die ganze andere Welt her zu sein scheint.

„Grim“ ist ein Buch, das mich in meiner Meinung irgendwie spaltet. Auf der einen Seite ist die Idee wirklich toll gestaltet und ausgearbeitet. Die Gargoyles an sich sind detailliert ausgedacht – sie bestehen aus verschiedenen Steinarten, je nach Herkunft, haben verschiedene Farben und sehen alle anders aus – manche wie Tiere, manche – wie Grim – wie geflügelte Menschen. Sie müssen tagsüber schlafen, geschützt vor der Sonne, denn ein Sonnenstrahl versteinert sie für immer. Außerdem leben sie von den Träumen der Menschen, da sie selbst nicht träumen können. Leider mochte ich den wichtigsten Gargoyle der Geschichte gar nicht: Grim. Grim ist ein echt harter Macker, der mit lässigen Sprüchen nur so um sich wirft, redet, ohne nachzudenken, protzt wie ein kleines Kind und hat Mia gegenüber Phasen wie das Biest gegenüber der Schönen. Grim durchläuft im Laufe des Buches dann die typische Wandlung vom menschenmeidenden Korinthenkacker zum alternativen Helden mit Schwäche für Teenager. Das war ein bisschen zuviel für meinen Geschmack, auch weil Grim bis zum Ende hin immer zu dick aufträgt, sobald er den Mund öffnet. Dabei ist Grim nicht der einzige Gargoyle, der diese Eigenschaften hat – nur sind die anderen Gargoyles wie sein Chef Mourier eher als Parodien gedacht, Grim sollte aber eigentlich ernst genommen werden. An manchen Punkten aber erinnerte mich Grim stark an Bartimäus aus der gleichnamigen Trilogie von Jonathan Stroud und an diesen Stellen mochte ich ihn plötzlich doch ein bisschen. Denn wenn seine Sprüche den ernsthaften Charakter vermissen ließen, schien er beinahe schon ein wenig über sich selbst lachen zu können.

Die Welt, in der Grim lebt, ist dagegen wieder unheimlich gut gelungen. Groghonia und alle anderen Schauplätze des Buches haben ihren ganz eigenen Charme. Sie werden ausführlich beschrieben, haben ihre speziellen Ecken und Kanten und werden beinahe fassbar beim Lesen. Vor allem das Schloss, das mit Träumen gefüllt war, hat es mir angetan. Auch, dass in das reale Paris die fantastischen Elemente des Buches eingebaut wurden, ist eine Idee, die bei mir immer auf Anklang stößt. Auch die sich langsam entwickelnde Geschichte um die Gargoyles, Hybriden und die Gruppe der Freien war gut durchdacht und Grims Rolle dabei hat mich überrascht.

Insgesamt hat mich Grim aber ein wenig zu oft an andere Bücher erinnert. Hier ein wenig Bartimäus, dort ein wenig Uralte Metropole – etwas mehr Originalität wäre schön gewesen. Das macht Grim zu keinem Renner unter den Fantasybüchern, aber doch zu einem netten Buch, das trotz einiger Macken schön zu lesen ist. Das Buch an sich ist zwar abgeschlossen, aber nicht so, das man nicht auf einen Nachfolger hoffen könnte.

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