Rezensionen

|Rezension| David Lozano Garbala „Puerta Obscura“

OT: Puerta Obscura

Reihe: ?

Verlag: Loewe (Juni 2010)

Seiten: 607

ISBN: 3785568630

Preis: 19,95 €

Inhalt

Eigentlich ist Pascal nur wegen Michelle zu der Gothic-Party in die Pariser Wohnung der Familie Marceaux gekommen. Doch bei der Suche nach passenden Klamotten für seine Kostümierung findet er in einer alten Truhe die Puerta Oscura, den geheimen Zugang zum Reich der Toten. Nur alle 100 Jahre, in der Nacht zu Allerheiligen, wird die Pforte geöffnet und gestattet einem einzelnen Wanderer den Eintritt in die Unterwelt. Aber das Gleichgewicht zwischen dem Totenreich und unserer Welt ist fragil. Wann immer ein Lebender in das Totenreich geht, gelangt ein Wesen aus der Unterwelt in die Wirklichkeit. Pascal hat einen Vampir befreit, der nun Michelle entführt, und sie in den tiefsten Winkeln der Hölle verstecken lässt. Zögernd, und nur mit einem magischen Medaillon bewaffnet, begibt sich Pascal erneut in das Reich der Toten. Er hat nur sieben Tage Zeit. Und die vergehen schnell – in der Ewigkeit!

Meinung

Pascal liebt Michelle. Und Michelle? Die weiß nicht so recht was sie will. Aus Spaß schlägt Pascals Freund Dominique vor, zu einer Wahrsagerin zu gehen, um zu erfahren, was Michelle für Pascal empfindet. Doch stattdessen prophezeit ihm die alte Frau eine weite Reise. Als Pascal Michelle zuliebe mit auf eine Halloweenparty geht und dort am Dachboden ein Kostüm in einer alten Truhe suchen soll, passiert das Unmögliche: Er landet im Reich der Toten und zum Ausgleich gelangt ein finsteres Wesen von dort aus nach Paris: ein Vampir. Ab jetzt ist Pascal der Wanderer – er kann das Totenreich betreten, wann immer es ihm beliebt. Als der Vampir Michelle ins Totenreich entführt, macht sich Pascal auf den Weg, sie zurückzuholen.

Jedoch konzentriert sich der Erzähler nicht nur auf Pascal. Oft wird auf dessen Freund Dominique zurückgegriffen, auf die Wahrsagerin Daphne oder auf die Sicht der ermittelnden Kommissarin Marguerite und den Forensiker Marcel. Zudem werden ab und zu die Beschreibungen der Angriffe des Vampirs oder seiner Handlanger eingefügt oder kurze Episoden von den Friedhöfe in der Totenwelt. Mir waren das zeitweise zu viele wechselnde Perspektiven, vor allem, da ich mich gefragt habe, wozu man Marguerite und Marcel eigentlich eingeführt hat. Ein wenig wirken die beiden wie Lückenfüller, um solche Aktionen wie Vampirverbrennungen im Leichenschauhaus zu vereinfachen, die nur deswegen möglich waren, weil Marcel an die Existenz von Blutsaugern glaubt. Die Zeit wäre besser dafür geeignet gewesen, die wichtigen Protagonisten wie Pascal, Dominique und Michelle einzuführen, denn alle drei wirken ein wenig flach. Außer von Dominique, der seine Querschnittlähmung durch ein Übermaß an Selbstbewusstsein zu kompensieren versucht, erfährt man recht wenig über deren Gefühlswelt und Macken, die die Figuren plastischer und deren emotionale Bindungen nachvollziehbar gemacht hätten.

Schön fand ich die Beschreibungen der Zwischenwelt und ihrer Friedhöfe. Dadurch, dass die Toten, die dort auf den Friedhöfen leben, so freundlich und hilfsbereit waren, haben sie mich an Tim Burtons „Corpse Bride“ erinnert. Auch die optischen Beschreibungen der Landschaft waren interessant, vor allem der helle Lichtweg, der nur von Dunkelheit umgeben ist und die Heiligen Orte verbindet. Jedoch hätte ich erwartet, dass man noch viel mehr von dieser Welt erlebt, als man dann am Ende bekommen hat. Denn dadurch, dass man nicht nur Pascal begleitet, sondern auch erzählt bekommt, was seinen Freunden zustößt, die in seiner Abwesenheit seine Aufträge ausführen müssen oder auf die Kiste achten sollen, ist der Reisepart der Handlung gar nicht so lang.

Dazu kommt, dass sich Pascal sehr spät auf den Weg macht. So schnell, wie die Inhaltsangabe es scheinen lässt, kommt die Handlung gar nicht zu diesem Punkt. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich eher damit, wie Pascal zu der Pforte kommt, seine erste Reise antritt und zum Wanderer wird. Außerdem wütet der Vampir zuerst in Paris und bringt Menschen um, bevor er sich Michelle überhaupt nähert. Auch dauert es seine Zeit, bis Pascal versteht, was seine Aufgabe als Wanderer ist, und lernt, mit guten sowieso bösen Geistern umzugehen. Erst in der zweiten Hälfte des Buches beschließt er, Michelle zurückzuholen, kann aber auch nicht sofort losziehen, weil er vorher noch eingewiesen werden muss.

Optisch ist das Buch ein richtiger Hinkucker. Die verschiedenen Skelette, die den Schutzumschlag zieren, finden sich vor jeder neuen Überschrift wieder. Das Buch an sich ist schwarz und ebenfalls mit einem weißen Skelett bedruckt.

Trotz der Längen, die das Buch hie und da hat, ist „Puerta Obscura“ genau richtig für Kinder, die sich ein wenig gruseln wollen.

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4 Kommentare zu „|Rezension| David Lozano Garbala „Puerta Obscura“

    1. Ich kann nur von mir selbst sprechen und ich fand es so lala, weil mir die Charaktere einfach zu flach waren. Zum Beispiel ist es so, dass man nicht viel mitkriegt von Pascals und Michelles Beziehung, aber plötzlich ist da von „tiefen Gefühlen“ die Rede, die der Vampir gespürt hat und deswegen wusste, dass Michelle zu Pascal gehört. Für mich war das immer so: Ich erzähl das jetzt mal, weil merken tut mans nicht. Auch war ich mit manchen Handlungsteilen total unzufrieden, weil die Leute irgendwie machen, aber danach nie nachdenken, was sie denn jetzt gemacht haben. Die bringen zB diese Vampire um, die die Schulkameraden des einen waren, und der macht sich da gar nicht groß Gedanken drüber. Das mag 12jähige nicht so stören, mich aber leider schon. Ich bewerte halt auch immer mit Rücksicht auf die Zielgruppe.

      1. Ah danke, dann verzichte ich auf das Buch. Ich kann solche Sachen nämlich auch nicht leiden, wo einen gesagt wird, was los sein soll und es durch die Geschichte nicht rüber kommt.

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