|Rezension| Suzanne Collins „Mockingjay“ *SPOILER*

Achtung! Das hier ist eine spoilerreiche Rezension. Anders krieg ichs einfach nicht hin. Also nur lesen, wenn man a) das Buch schon kennt oder b) sich nicht überraschen lassen will (;

Reihe: Hunger Games

Band: 3

Verlag: Scholastic (August 2010)

Seiten: 448

ISBN: 1407109375

Preis: 8,85 €

Inhalt

Katniss erholt sich von ihren zweiten Hunger Games in Distrikt 13. Lange ringt sie mit sich, ob sie wirklich das Symbol für die Rebellion sein möchte – der Mockingjay. Doch als sie erfährt, dass Peeta entgegen ihrer Erwartungen noch am Leben ist, willigt sie ein, um sein Leben zu retten. Katniss reist in einem Kostüm durch die Distrikte, doch es reicht ihr bald nicht mehr, nur als Vorzeigeobjekt zu dienen. Sie möchte kämpfen.

Meinung

Es ist wirklich schwierig, etwas über „Mockingjay“ zu sagen. Es ist ganz anders als seine Vorgänger, aber nicht unbedingt schlechter.

Katniss gilt in Distrikt 13 nach ihrer Rettung als „desorientiert“ und muss sich deswegen nicht an die strengen Regeln halten, die dort herrschen. Die meiste Zeit verbringt sie allein mit sich selbst und grübelt darüber, ob Peeta nun tot ist oder nicht. Die Bürgermeisterin des Distrikts drängt sie, eine Entscheidung zu treffen und endlich ihre Rolle als Entfacherin der Rebellion anzunehmen. Als Katniss Peeta bei einem Bericht aus dem Kapitol sieht, wie er um einen Waffenstillstand bittet, erklärt sie sich bereit, der Mockingjay zu werden – im Austausch gegen Peetas Immunität nach dem Sieg. Zuerst wird versucht, Katniss als Marionette zu benutzen, die in einem von Cinna designten Kostüm auswendig gelernte Slogans hervorschmettern soll. Hier zeigt sich aber wieder Katniss Unfähgkeit, sich bewusst zu verkaufen. Haymitch beruft eine Versammlung ein und fragt die Anwesenden, wann sie Katniss am meisten mochten. Das gibt auch dem Leser die Möglichkeit, noch einmal einen Blick zurück auf die ersten beiden Bände zu werfen: wie Katniss sich für Prim freiwillig gemeldet hat, wie sie bei Rue blieb, als das Mädchen starb. Katniss selbst sieht in sich nichts Gutes, sondern nur die Ursache tausender Tode. Immer und immer wieder ruft sie sich jeden ins Gedächtnis, der ihretwegen sterben musste. Dabei wirkt es aber oft nicht besonders ehrlich trauernd, sondern eher selbstmitleidig, was auf Dauer gesehen störend war. Auch ein Sympathieproblem entsteht dadurch, dass Katniss sich nicht entscheiden kann, wen sie lieben möchte und man das Gefühl bekommt, dass sie eben den nimmt, der da ist: Zuerst Gale, dann Peeta, dann wieder Gale, … Trotz allem kämpft und leidet man mit Katniss.

Mit Peetas Entwicklung schafft es die Autorin wohl am meisten, zu schocken. Der Leser kannte Peeta immer als den sanftmütigen Jungen, der Katniss bedingungslos liebt. Durch die Berichte aus dem Kapitol erleben die Bewohner des 13. Distrikts mit, wie Peeta immer kränker wirkt und als er sie öffentlich warnt, dass ein Anschlag auf sie verübt werden soll, und damit hunderte Leben rettet, beschließen sie, ihn aus dem Kapitol zu retten. Doch anstatt glücklichem Wiedersehen erwartet Katniss ein riesiger Schock. Peeta versucht sie umzubringen, da er fest davon überzeugt ist, dass sie eine Gefahr für ihn darstellt. Auch Gale erweist sich nicht als der liebenswerte Jugendfreund, als der er anfangs auftauchte. Katniss merkt schnell, dass er für einen Sieg der Rebellen über Leichen gehen würde, solange die Leiche nicht sie wäre.

Von der Handlung hätten sich sicher viele etwas anderes versprochen. Ursprünglich hätte ich auch mehr Action von Anfang an erwartet. Aber im Nachhinein war ich sehr glücklich darüber, dass aus „Mockingjay“ kein hirnloses Actionbuch gemacht wurde. Es geht den Anführern von Distrikt 13 eigentlich gar nicht um Katniss, sondern nur darum, dass sie ein Symbol haben, damit die Rebellen zum Kämpfen aufgeordert werden. Nachdem Katniss lange für tot gehalten wurde, ist es vorerst nötiger, zu zeigen, dass der Mockingjay die Spiele überlebt hat und hinter seinen Leuten zu stehen. Dafür wäre vor allem Coin Peeta viel lieber gewesen, denn sie erkennt Katnissals das, was sie ist: nicht manipulier- und berechenbar. Dadurch, dass Katniss eigentlich nur Peeta schützen will, fügt sie sich den Anforderungen gegen ihren Willen und wird zum Werkzeug für den 13. Distrikt. Dabei ist es auch wichtig zu zeigen, dass auch die Rebellen nicht durchweg gut sind und dass auch deren Prinzipien ausgenutzt werden und über die kleinen Leute entschieden wird, genau wie das Kapitol über die Menschen in den Distrikten entschieden hat. Ginge es nur um den Kampf, wären die Parteien zu sehr in Gut und Böse geteilt. Trotzdem kommt Katniss manchmal zu glimpflich davon, und es wirkt, als hätte Suzanne Collins im letzten Moment einen Rückzieher gemacht, um nicht zu extrem zu werden. Katniss wird zwar oft verletzt, hat aber jedesmal mehr Glück als ein einzelner Mensch haben kann.

Mit dem Ende bin ich sehr zufrieden, auch wenn ab einem bestimmten Punkt klar war, was passieren würde. Obwohl ich einen Moment hatte, in dem ich dachte: Nun war alles umsonst, von Anfang an, und manchmal nicht glauben konnte, dass sie manche Tode wirklich durchgezogen hat (Oft habe ich drauf gewartet, dass die Person überraschend wieder auftaucht), fand ich letztendlich alles stimmig. Für mich hätte es den Epilog nicht gebraucht, mir war das ein wenig zu Friede Freude Eierkuchen, nichtsdestotrotz habe ich wohl die letzten 20 Seiten durchgeheult.

Die Hunger Games-Reihe zählt mittlerweile wirklich zu meinen Lieblingsreihen und daran hat „Mockingjay“ nichts geändert. Von vorne bis hinten stimmt einfach alles im Gesamtbild, auch wenn der letzte Band hie und da seine Schwächen besitzt.

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15 Gedanken zu “|Rezension| Suzanne Collins „Mockingjay“ *SPOILER*

    • umblaettern schreibt:

      Ja, genau, so gings mir auch… Mir hätte das offene Ende mehr gefallen. Hab schon überlegt, ob ich ihn überhaupt lese. Aber ich kann dann doch nie anders…

  1. Katha schreibt:

    Das geht mir anders. Den Epilog fand ich super – wie auch bei HP, denn dadurch wirkt die Geschichte auf mich abgeschlossen und Collins kommt nicht auf die Idee, hinterher noch ein Buch zu schreiben, etc. Außerdem irgendwie habe ich nach der ganzen Reihe eh lieber etwas ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘ als Ende gebraucht, auch wenn es eher ‚unrealistisch‘ scheinen sollte.

    Katniss hatte mich teilweise auch etwas genervt, vorallem die Sache mit Gale und Peeta. Aber ich bin eh kein Freund von solchen Dreiecksbeziehungen.

    • umblaettern schreibt:

      Ich liebe Dreiecksbeziehungen in Büchern, aber irgendwie denkt mir Katniss dafür zu praktisch. ^^ Das war so „Oh, der ist nicht da, dann nehm ich eben den anderen.“ „Oh, jetzt ist der andere wieder da, jetzt will ich den.“ „Oh, der mag mich nicht mehr, also doch wieder den alten.“

  2. Kari schreibt:

    Ach ja diese Dreiecksbeziehung war schon nicht ohne. Mir wäre auch lieber gewesen, wenn sie sich schon in Band 2 mal richtig entschieden hätte.. aber andererseits war es deshalb in Mockingjay ja umso spannender.
    Den Epilog fand ich jetzt auch nicht so prickelnd. Sie hätte da lieber die letzten Seiten noch etwas mehr ausgestalten sollen. Aber andererseits kommt sie so wirklich nicht auf die Idee noch einen weiteren Band zu schreiben (den würde ich auch nicht überstehen, langsam näher sich mein Gemüt wieder der Normalität an und die Tränen kommen mir nicht mehr bei jedem Gedanken :D)

  3. Miss Bookiverse schreibt:

    Ich fand den Epilog auch etwas zu harmonisch, aber irgendwie war er auch schön ;) Der Rest des Buches war mir irgendwie zu politisch und viel zu oft zusammengefasst… na ja, ich muss mir das alles bald auch noch mal von der Seele schreiben.
    Auf jeden Fall fand ich einige Tode auch richtig doof ausgeführt, viel zu abrupt und nicht mit genügend Bühne.

    Und Katniss wirkte auf mich die meiste Zeit so, als wenn weder Gale noch Peeta der richtige für sie wären.

    • umblaettern schreibt:

      JA! Genau. Als würd sie die eben nur nehmen, weil sie gerade da sind, aber nicht, weil sie denkt, DAS ist jetzt der, den ich liebe.

      • Kari schreibt:

        Also ja, das Gefühl hatte ich auch, aber ich hab das nicht so gedeutet, sondern Katniss‘ Verhalten resultiert daraus, weil sie sich für so viel verantwortlich ist und die Schuld gibt. Vielleicht auch, weil …. (ihr wisst schon wer) dann ganz anders war (*wein*) und sich das alles so zugespitzt hat.
        Aber ich fand die Erklärung am Ende von Kat doch irgendwie schön (S.453), warum sie sich so und nicht anders entschieden hat. (ok, ich hätt noch ein paar andere Argumente, aber da würde ich viel zu sehr spoilern -.- wobei man die Rezi ja eh nur lesen soll wenn man keine Überraschungsmomente mag*gg*)

  4. Miss Bookiverse schreibt:

    @Kari: Gerade weil x dann plötzlich so anders war, fand ich das Ende total seltsam. Auf einmal war er dann nämlich doch wieder der Alte und diese Entwicklung konnte man nur ein ganz klein wenig beobachten :/

    • Kari schreibt:

      Das stimmt! Das hätte ich auch gerne näher beschrieben gehabt. Andererseits lag ja genau darin der Clue, ob x wirklich wieder wie vorher werden kann oder ob alles zerstört ist. Ingesamt hätte ich auch wirklich gern einige Sachen noch detailliert gehabt (da hätt ich’s nicht schlimm gefunden noch 100 seiten mehr lesen zu müssen ^^)

  5. Elena schreibt:

    Für mich schwächelt das Buch eigentlich nur am Ende, wo Peeta tatsächlich etwas zu plötzlich fast der Alte ist. Da hätte man ruhig noch einmal 10-20 Seiten zu schreiben können. Alles andere fand ich aber eigentlich sehr gut. Klar, manchmal passiert etwas wenig, grad am Anfang. Aber ich glaube, der Anfang war so richtig, weil man nur so dann hinterher alles versteht. Ansonsten habe ich die ganze Zeit geglaubt, dass Cinna nicht tot sein kann… *seufz* Und noch einmal Peeta-Gale-Katniss: Für mich war eigentlich immer klar, dass es Peeta sein wird. Gale war nur überhaupt eine Option durch die ganzen gemeinsamen Jahre und man merkt auch in Mockingjay, dass sie sich um Peeta ganz anders als um Gale sorgt.

    • umblaettern schreibt:

      Ich hab auch immer drauf gewartet, dass alle, die gestorben sind, wieder auftauchen, vor allem bei Cinna. Aber ich fand an dem Anzug dann nochmal so toll, dass sie auch in Mockingjay etwas hatte, was Cinna für sie gemacht hat.

  6. Svü schreibt:

    Ach Mist… ;)

    Ich habe 1-3 in einem Rutsch durchgelesen es bisher aber nicht geschafft über 3 zu schreiben und hab jetzt gehofft hier irgendwie eine Idee dafür zu bekommen… Wüsste genauso wie du nicht wie das Spoilerfrei klappen sollte… versuche aber eigentlich in allen Rezensionen auf Spoiler zu verzichten… was ein Dilemma…
    Zu mal ich auch dazu neige den Inhalt immer mehr zu vergessen, wenn ich zu lange warte… *seufz*

    Peeta wurde mir zu keiner Zeit wirklich sympathisch. Weshalb ich mit dem Ende jetzt auch nicht ganz glücklich bin. Obwohl es natürlich stimmig ist und passt…. und ja… manche Tode konnte ich auch einfach nicht ertragen und habe so sehr gehofft, dass sie wieder kommen… :/

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