Rezensionen

|Rezension| Maggie Stiefvater „Nach dem Sommer“

OT: Shiver

Reihe: Die Wölfe von Mercy Falls

Band: 1

Verlag: Script 5 (September 2010)

Seiten: 424

ISBN: 3839001080

Preis: 18,90 €

Inhalt

Jeden Winter wartet Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf. Ganz in der Nähe und doch unerreichbar für sie, lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Wolfsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenen Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher – und mit ihm den endgültigen Abschied.

Meinung

Mit 11 Jahren wurde Grace von einem Rudel Wölfe angegriffen, doch im letzten Moment von einem der Wölfe gerettet. Seitdem beobachtet sie, wir „ihr“ Wolf im Winter durch den Wald schleicht und wartet im Sommer darauf, dass er aus der Versenkung wieder auftaucht. Als ein Junge aus ihrer Schule von wilden Wölfen getötet wird, nehmen die Bewohner von Mercy Falls die Justiz selbst in die Hand und ziehen mit Gewehren in den Wald. Kurz darauf findet die aufgebrachte Grace einen nackten Jungen auf ihrer Veranda – Sam. Und er hat dieselben Augen wie ihr Wolf. Grace und Sam verbringen ihre gemeinsame zeit immer in Angst, dass die Kälte Sam zurückverwandelt.

Da „Shiver“ mein Herz im Sturm erobert hat, war ich ein wenig besorgt, wie die deutsche Version auf mich wirken könnte. So gut wie immer bin ich unzufrieden mit den Übersetzungen. An dieser Stelle muss ich aber Script 5 mal ein Lob aussprechen. Sie machen ihre Arbeit wirklich super. Nicht nur das Cover ist wunderschön und die Idee, aus den drei Titeln am Ende einen Satz entstehen zu lassen, finde ich super (So wie Maggie, die gern mit der deutschen Ausgabe angibt (; ). Auch die Wahl der Übersetzerin war perfekt. Vom Zauber des Originals ist nichts verloren gegangen.

Die Charaktere von „Nach dem Sommer“ sind wirklich liebevoll ausgedacht. Dabei scheint es ein bisschen, als ob Grace und Sam die Rollen tauschen würden, die das Klischee ihnen zuschreiben würde. Grace ist eher pragmatisch und ruhig. Bevor sie ihre Gefühle ausdrückt, zeigt sie sie eher. Weder mag sie shoppen zu gehen noch anderes typisches Mädchenzeug. Ihre Leidenschaft gehört den Wölfen und dem Wald. Sie kann ich ihre Sehnsucht nach dem Rudel nie richtig erklären. Grace mochte ich deswegen so, weil mich ihre Liebe für den Wald und die Wölfe ein wenig an mich erinnert hat. Sam hingegen ist total gefühlvoll, er zeigt Grace so viel von seinem Leben wie nur möglich, spielt Gitarre und liest deutsche Poesie. Also mehr der Typ Wunschmann, den es in Echt leider viel zu selten gibt. Wer mir von Lesen zu Lesen mehr ans Herz wächst, ist Isabel. Eigentlich ist sie so angelegt, dass man sie nicht leiden kann – Typ Paris Hilton in der Provinz. Dabei stellt sich heraus, dass Isabel weder blöd ist noch wirklich unsympathisch. Vielmehr erhascht man hie und da den Blick auf ein Mädchen, das eine Sehnsucht in sich trägt, die sie krampfhaft zu verstecken sucht. Vor allem am Ende mochte ich sie wirklich sehr.

Die Geschichte um die Wölfe finde ich wunderschön. Wenn ein Mensch von einem Wolf gebissen wird, verwandelt er sich auch. Zuerst sind die Verwandlungen unkontrolliert und man springt von Mensch zu Wolf und zurück. Man behält seinen grundlegenden Charakter bei (das heißt, ist man als Mensch aufbrausend, dann auch als Wolf), erinnert sich aber sonst aber kaum an sein menschliches Leben. Säer verwandeln sich die Wölfe zurück, wenn es warm wird und wieder in einen Wolf, sobald es kalt wird. Je länger der Biss her ist, desto kürzer werden die Perioden, in denen man Mensch wird. Für Sam soll es zum Beispiel sein letztes Jahr als Mensch sein, was die Geschichte um ihn und Grace sehr tragisch macht, da er sich im September nur durch seine Schussverletzung verwandelt hat und der Winter schon wieder vor der Tür steht. Kommuniziert wird untereinander nur durch Bilder. Auch in Grace steckt ein Wolf, ist Sam überzeugt, sie hat sich aus irgendeinem Grund nur nie verwandelt.

In die zarte Liebesgeschichte zwischen Grace und Sam, deren endlich gefundenes Glück am seidenen Faden hängt, drängt sich ein Problem – Jack. Denn entgegen der Erwartungen ist der Junge nach dem Angriff nicht gestorben, sondern hat sich verwandelt. Da kein anderer Wolf da ist, streift Jack planlos durch die Gegend und ringt mit seinem Schicksal. Er taucht vor der Schule auf und auf der Türschwelle einer von Grace Freundinnen, sucht seine Schwester auf und ist auf der krampfhaften Suche nach einer Heilung. Sam muss sich darum kümmern, dass Jack nichts Blödes anstellt, denn er war schon als Mensch gewalttätig und jähzornig. Auch Shelby, eine weitere Wölfin, bringt Spannung in die Geschichte, da sie davon besessen ist, Sams Partnerin zu werden, sobald er Rudelführer ist.

„Nach dem Sommer“ ist ein stilles Buch mit Charakteren, die sogar mit all ihren Fehlern liebenswert sind und mit einem der traurigsten Enden, das ich seit langem hatte. Sogar, wenn man es zum dritten Mal liest (so wie ich), kann man gar nicht anders, als Massen an Tränen zu vergießen.

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2 Kommentare zu „|Rezension| Maggie Stiefvater „Nach dem Sommer“

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