|Rezension| Kelly Creagh „Nevermore“

Nevermore Trilogy Book #1

Kelly Creagh @ KellyCreagh.com

Atheneum (31. August 2010)

560 Seiten, 12,95 € HC

1442402008

 

Inhalt

Für ein Englischprojekt über amerikanische Autoren werden die Cheerleaderin Isobel und der Goth Varen in eine Gruppe gesteckt. Doch was für Isobel anfangs nur unangenehm ist, wird ihr Leben auf den Kopf stellen. Nie hätte sie gedacht, dass ihre Freunde ihr den Rücken kehren, ihr Freund sich zu einem rücksichtslosen Macho und völlig Fremde zu ihrem Auffangnetz werden könnten. Über ihrem Projekt über Poe kommen sich Isobel und Varen näher. Wenn da nicht die seltsamen Albträume wären, die Isobel seitdem verfolgen, und diese unerklärlichen Vorkommnisse mit Varen.

 

Meinung

And the raven, never flitting, still is sitting, still is sitting
On the pallid bust of Pallas just above my chamber door;
And his eyes have all the seeming of a demon’s that is dreaming,
And the lamp-light o’er him streaming throws his shadow on the floor;
And my soul from out that shadow that lies floating on the floor
Shall be lifted – nevermore!

[aus Edgar Allan Poe “The Raven”]

 

Was passiert, wenn man zwei Menschen zusammenwirft, die nicht unterschiedlicher sein könnten? Isobel ist ein typischer Cheerleader, wie er im Buche steht – ihre besten Freunde sind ebenfalls Cheerleader und Footballspieler, der Quarterback ist ihr fester Freund und das einzige, was sie im Kopf hat, sind die Meisterschaften, zu denen sie in ein paar Wochen fahren wird. Varen trägt nur schwarz, Metall und Nieten, redet mit niemandem wirklich und kritzelt Gedichte in ein schwarzes Büchlein. Zumindest ist das das, was jeder von außen sieht. Und zuerst ist auch keiner von beiden erfreut, dass er den anderen als Projektpartner abbekommen hat. Doch mit der Zeit zeigt sich, dass der erste Eindruck oft täuschen kann.

Isobel wird nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem wirklich sympathischen Charakter. Sie weiß nicht recht, wie sie mit Varen umgehen soll, der kühl und abweisend auf sie reagiert. Da sie zwischen sich und ihm keine Berührungspunkte sieht, findet sie schwer Zugang zu ihm. Erst, als die beiden mehr Zeit miteinander verbringen, nähern sie sich einander an und Isobel zeigt Interesse an seinem Leben. Jedoch ist Isobel von Anfang an nicht so voreingenommen wie der Rest ihrer Freunde. Die Verschwörungstheorien ihrer Kameraden schmettert sie ab, später stellt sie sich sogar komplett auf Varens Seite. Und auch Varen merkt, dass hinter Isobel mehr steckt als nur ein Anfeuerungsrufe schmetternder Cheerleader, als sie ihm beweist, dass sie sich aus dem Gerede um ihn gar nichts macht.

Meine persönlichen Lieblingscharaktere in Nevermore sind eindeutig Gwen und Varen. Varen erinnert mich ein wenig an mich in seinem Alter. Er hat eine Mauer um sich herum aufgebaut und lässt keinen so schnell an sich heran, ist lieber alleine mit sich und seinen Büchern. Als er Isobel erzählt, dass „Alone“ sein Lieblingsgedicht von Poe ist, wusste ich genau, wieso. Gwen hingegen ist ein Charakter, der für pausenlose Lachkrämpfe sorgt. Obwohl sie auch nicht zu den In-Cliquen der Schule gehört, stört es sie rein gar nicht, jede Person so zuzuquatschen, wie es ihr in den Kram passt. Als Isobel völlig allein dasteht, ist Gwen die einzige, die Kontakt zu ihr aufbaut, auch wenn Isobel mehr als verquer auf sie wirken muss. Gwen nimmt kein Blatt vor den Mund, außer sie isst gerade, was sie mit voller Leidenschaft tut. Hinter ihrer großen Klappe verbirgt sich aber ein noch größeres Herz und eine loyale Freundin, wie sie Isobel vorher nie hatte.

Was einmal ein Schulprojekt war, stellt beider Leben auf den Kopf, vor allem aber Isobels. Ab dem Moment an, in dem ihr Freund Brad erfährt, mit wem sie das Englischprojekt bearbeiten soll, tickt er komplett aus und bedroht Varen mehrmals, dass er kein Wort mit Isobel reden soll. Je unbeeindruckter sich Isobel von Brads Verboten zeigt und je mehr sie hinter Varen steht, desto schlimmer wird die Situation. Es kommt so weit, dass sie sich von ihrem kompletten Freundeskreis abwendet und sogar den Rausschmiss aus dem Team riskiert. Ihre sogenannten Freunde, die so gegen ihre Verbindung mit Varen sind, treiben sie ironischerweise immer mehr in seine Arme.

Nicht, dass sich die Beziehung zwischen Varen und Isobel hopplahopp entwickelt. Als Leser wartet man sehr sehr lange darauf, dass sich die beiden näher kommen und freut sich über jede Annäherung, die sie unternehmen. Die kleinen intimen Momente zwischen den beiden sind wesentlich wertvoller als Liebesbekundungen und Kussorgien, wie sie in anderen YA-Büchern sehr gerne von Jetzt auf Hier stattfinden.

Natürlich dreht sich das Buch nicht nur darum, dass sich zwei völlig unterschiedliche Menschen ineinander verlieben. Je näher Isobel Varen kommt, desto mehr bekommt sie das Gefühl, verrückt zu werden. Ihr erscheint zum Beispiel ein seltsamer Mann mit Mantel, Hut und tiefdunklen Augen, der sich als Reynolds vorstellt und ihr kryptische Anweisungen gibt, wie sie in Zwischenwelten gelangen und daraus wieder flüchten kann. Sie hat Albträume von einem Wald, von Varen und von einer Lichtgestalt und wird im Dunkeln von Schatten verfolgt. Doch die Schatten sind nicht die schlimmsten Wesen, denen sie noch begegnen wird – und alles hängt mit Varen zusammen, und dessen Lieblingsschriftsteller Poe. Den selbigen trifft man im Prolog, was ich persönlich für sehr interessant halte, weil eine völlig neue Geschichte um sein Leben aufgebaut wird, basierend auf dem, was man über ihn weiß und was im Dunkeln liegt. Und auch als Leser steht man bis fast zum Ende ohne Ahnung da, was geschieht. Manche mag das stören, ich finde es jedoch gut, wenn einem die Lösung nicht schon zur Hälfte des Buches auf dem Silbertablett serviert wird.

 

From childhood’s hour I have not been
As others were; I have not seen
As others saw; I could not bring
My passions from a common spring.
From the same source I have not taken
My sorrow; I could not awaken
My heart to joy at the same tone;
And all I loved, I loved alone.
Then- in my childhood, in the dawn
Of a most stormy life- was drawn
From every depth of good and ill
The mystery which binds me still:
From the torrent, or the fountain,
From the red cliff of the mountain,
From the sun that round me rolled
In its autumn tint of gold,
From the lightning in the sky
As it passed me flying by,
From the thunder and the storm,
And the cloud that took the form
(When the rest of Heaven was blue)
Of a demon in my view.

 

[Edgar Allan Poe “Alone”]

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3 Gedanken zu “|Rezension| Kelly Creagh „Nevermore“

  1. animasoul schreibt:

    Und wieder ringe ich mit der Entscheidung, mir dieses Buch zuzulegen. Ich zauder schon sooo lange mit mir und bin noch kein Stück weiter. Da ich kein sehr begeisteter Anhänger von Edgar Allen Poe bin, bin ich ziemlich skeptisch, was dieses Werk angeht… *argh*

  2. irina schreibt:

    Erinnert mich irgendwie ein kleines bisschen an „The Breakfast Club“, den Film aus den 80er-Jahren. ;)

    Wäre da nicht dieser mystische Faktor, ich würde sofort zuschlagen. Kann’s denn nicht mal wieder ne schöne Liebesgeschichte ohne paranormalen Aspekt geben?! *seufz*

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