|Rezension| Rick Yancey „Der Monstrumologe“

Der Monstrumologe #1

OT: The Monstrumologist

Rick Yancey @ RickYancey.com

Bastei Lübbe (25. September 2010)

411 Seiten, 14,99 € HC

978-3-7857-6040-6

Klappentext

1888: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop. Der gute Doktor hat sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht Jagd auf sie. Eines Abends kommt ein Grabräuber zu Will und dem Doktor ins Labor. Er hat einen schrecklichen Fund gemacht: eine Leiche, in die sich ein Monster verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet. Und die einzigen, die nun zwischen diesen Bestien und den Menschen stehen, sind der Doktor und der kleine Will …

Meinung

Monstrumologie, die:

1. Das Studium von Menschen generell übelwollenden Lebensformen, die von der Wissenschaft nicht als tatsächliche Organismen anerkannt werden, insbesondere solcher, die als Produkte von Mythen und Sagen betrachtet werden

2. Die Beschäftigung mit der Jagd auf solche Wesen

Will Henry wächst nach dem Tod seiner Eltern beim schrulligen Arbeitgeber seines Vaters auf. Dr. Warthrop ist spezialisiert auf die Monstrumologie, was für Will Henry bedeutet, dass er schon mehr Blut, Schleim und komisches Getier gesehen hat, als gesund für einen Jungen seines Alters ist. Eines Abends klopft ein Grabräuber an Warthrops Tür, der bei seinen Machenschaften etwas anderes als reiche Beute gefunden hat – einen Anthrophagen. Für Warthrop ist das ein ungewöhnlicher und deswegen umso interessanter Fall, sind Anthropophagen doch nicht üblich in Neuengland. Also machen der Doktor und der junge Assistent sich auf, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Den Monstrumologen habe ich über einen relativ langen Zeitraum gelesen. Das lag gar nicht daran, dass das Buch schlecht wäre, zäh oder öde. Aber es braucht – meiner Ansicht nach – einfach die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Ich hätte es nicht mit in die Uni nehmen und zwischendurch in der Cafeteria lesen können. Für mich war der einzige Ort für meine Lesestunden mein Bett mit genug Zeit, um mich in die Geschichte reinzufinden.

Will Henrys Geschichte ist in eine Rahmenhandlung eingebettet, die in unserer modernen Zeit spielt. Der Autor bekommt die Tagebücher eines Heimbewohners geliehen, dessen Identität bis zu seinem Tod ungeklärt war. In diesen Tagebüchern beschreibt der Mann seine Arbeit für einen Monstrumologen. Die Handlung an sich schreitet sehr langsam voran, sowohl Beschreibungen als auch Dialoge gehen sehr ins Detail. Das kann man mögen oder nicht, ich finde diese Erzählart ja ab und zu ganz erfrischend gegenüber den rasant erzählten Geschichten, die man sonst meist liest.

Auf keinen Fall sollte der Leser aber einen schwachen Magen haben. An Körperflüssigkeiten und Ausdünstungen jeglicher Art wird hier nicht gespart. Obduktionen werden im Detail durchlaufen, Truhen mit allen möglichen Artefakten (bevorzugt aus Menschenteilen gemacht) durchwühlt und Institutionen besucht, in denen es weder Insassen noch Leiter mit der Reinlichkeit so genau nehmen. Auch mit Beschreibungen von Monsterangriffen inklusive geglücktem Verschlingen des Opfers wird nicht zimperlich umgegangen. Mit nett, kuschelig und wohlriechend ist hier also nix.

Obwohl Will Henry derjenige ist, aus dessen Sicht man das Buch liest, fand ich den Professor als Figur viel besser ausgearbeitet. Es fällt schwer, ihn richtig einzuschätzen, da er ruppig und emotionslos mit seinem kleinen Assistenten umgeht, keine Rücksicht auf dessen Alter nimmt und ihm mehr als einmal vorwirft, dass er nie das Format seines Vaters besitzen wird. Und auch, als man erfährt, dass der Professor als Kind selbst von seinem Vater so behandelt wurde, kann man sich nie sicher sein, ob sein Auftreten nur Fassade oder er wirklich ein herzloser, missmutiger alter Kauz ist.

Das Design von „Der Monstrumologe“ macht es sowohl außen als auch innen zu einem Hinkucker. Denn auch innerhalb des Buches befinden sich Zeichnungen oder ganze illustrierte Seiten, die Szenen aus dem Buch zeigen. Dabei ist alles, wie das Cover auch, in Schwarz-Weiß gehalten.

So mancher mag Probleme mit „Der Montrumologe“ haben – mit den ekligen Aspekten, der langwierigen Erzählweise, den schrulligen Charakteren. Für andere kann aber genau das der Anreiz sein, das Buch zu lesen. Wenn ich mir denn zwischen dem ganzen Lernen und Arbeiten die Zeit nehmen konnte, habe ich persönlich das Buch doch sehr genossen.

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