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|Rezension| Luca Bloom „Schlachtfeld“

Ueberreuter (30. Januar 2010)

128 Seiten, 9,95 € HC

978-3-8000-5543-2

Inhalt

Johannes geht auf eine Schule wie es viele gibt. Doch etwas ist anders: Der Kleinkrieg zwischen Herrn Zinn, desillusioniertem Lehrer, und dem Schüler Mick, dem heimlichen Herrscher der Schule. Demütigungen, Provokationen auf beiden Seiten, der Ton wird aggressiver, der Hass wächst. Auch Johannes wird gegen seinen Willen hineingezogen. Dann rüstet sich Mick zum vernichtenden Schlag … Zurück bleibt ein Schlachtfeld. [Amazon.de]

Meinung

Schule ist ein Schlachtfeld. Es gibt Gewinner und Verlierer und diejenigen, die mit einem blauen Auge davonkommen. Jedenfalls ist das Johannes nüchterne Meinung. Er steht meist am Rande des Schlachtfelds und macht sich unsichtbar. Bloß nicht ins Visier geraten, lautet seine Devise. Und so beobachtet er auch nur von Weitem den Kleinkrieg zwischen seinem Klassenkameraden Mick, vor dem alle Angst haben, und seinem Lehrer Zinn, dem jede Gelegenheit recht ist, um seine Schüler zu demütigen. Doch plötzlich steht Johannes mitten auf dem Schlachtfeld.

Obwohl der Krieg zwischen dem unsympathischen Lehrer Herrn Zinn und dem aggressiven Schüler Mick stattfindet, ist weder der eine noch der andere Erzähler. Das garantiert aber nicht automatisch eine neutrale Sicht auf den Stand der Dinge. Johannes ist ein normaler Schüler, der keinen der beiden Kontrahenten wirklich leiden kann und beiden die Abreibung von Herzen gönnt. Und sowieso ist der Junge mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Seine besten Freunde sind auf einer anderen Schulen, in der Klasse versucht er möglichst unauffällig zu bleiben ,da er weder zum coolen Typen taugt, noch gerne am unteren Ende der Nahrungskette landen möchte. Der schwelende Streit zwischen Mick und Herrn Zinn ist für ihn anfangs nicht mehr als Entertainment im öden Schulalltag. Als Johannes Mick zufällig dabei beobachtet, wie er Zinns Tür bemalt, gerät er plötzlich zwischen die Fronten.

Mit den beiden Streithähnen hat sich der Autor auch Musterbeispiele für unangenehme Mitschüler und Lehrer ausgesucht. Mick ist ein Quälgeist seit der Grundschule, jeder hat Angst vor ihm, sogar die, die sich als seine Freunde ausgeben. Seine Eltern sind streng und verlangen volle Disziplin von ihrem Sohn, dem an Schule aber weniger als nichts liegt. Er schleppt Waffen mit in die Schule, nuschelt gerne durch seine zusammengebissenen Zähne und greift auf Standard-Quäl-Methoden zurück. Herr Zinn ist dagegen ganz der Typ sadistischer Lehrer, der zwar in seinen Fächern aufgeht, der aber den Nachteil am Lehrerberuf darin sieht, dass er mit Kindern arbeiten muss. Gezielt sucht er sich Schwächen heraus, um seine Schüler vor der gesamten Klasse zu demütigen. So treffen also Klischee-Buh-Mann-Lehrer und Klischee-Schulrowdy aufeinander. Das wäre sicher auch anders gegangen. Ein „normaler“ Lehrer und ein „normaler“ Schüler können genauso gut in eine sehr verfahrene Situation gelangen und diese Entwicklung wäre in meinen Augen viel abwechslungsreicher und vielschichtiger gewesen als die schwarzweiße Böse-trifft-Böse-Handlung.

Das Ende hatte in meinen Augen einen Handlungsstrang zuviel und hat damit auch die Grenze vom Realismus in die Fantasie endgültig überschritten. Natürlich steigern sich die beiden Kontrahenten immer mehr in ihren Kleinkrieg hinein und überschreiten beide deutliche Grenzen, aber es blieb immer in einem Rahmen, den man sich an einer Schule wirklich hätte vorstellen können. Die endgültige Eskalation führt leider nur dazu, dass das Buch einen Teil seiner Glaubwürdigkeit einbüßt.

Ein großer Teil der Kinder- und Jugendbücher schafft es nicht, den jugendsprachlichen Gebrauch von Teenagern wirklich glaubwürdig einzufangen. Meistens wirkt die Sprachwahl eher aufgesetzt. Ein großer Pluspunkt für „Schlachtfeld“ ist, dass es tatsächlich so wirkt, als würde Johannes die Geschichte selbst erzählen. Die Balance zwischen Hochsprache und Jugendsprache ist einfach perfekt. Auch der Einsatz von Kriegsmetaphern in den Überschriften und in Johannes Erzählungen wird konsequent durchgezogen und wirkt in sich stimmig, da auch Zinn selbst als Geschichtslehrer vom Krieg fasziniert zu sein scheint.

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