|Rezension| Robert Dempfer „Wozu Ausländer?“

Ueberreuter (Januar 2011)

191 Seiten, 19,90 € HC

3800074974

Inhalt

Österreich hat das Schreckensszenario, das den europäischen Sozialstaaten für 2050 vorausgesagt wird, bereits erreicht: Ein Erwerbstätiger muss einen Nicht-Aktiven erhalten. Jetzt sollen Zuwanderer helfen, den Wohlstand zu sichern. Ist das klug angesichts der bisherigen Erfahrungen? Belasten sie nicht das Sozialsystem? Nehmen sie nicht den Eingesessenen die Jobs weg? Wie sieht es mit Kriminalität aus? Die Analyse zeigt: Weil Österreich nicht zur Kenntnis nimmt, dass es längst zum Einwanderungsland geworden ist, liegen die Potenziale Hunderttausender Immigranten brach. Zu deren Schaden und zum Nachteil der Aufnahmegesellschaft. Ohne Steuerung der Zuwanderung, größere Akzeptanz von Zuwanderern und Investitionen in Bildung droht ein humanitäres und wirtschaftliches Desaster erster Ordnung.

Meinung

Integration – ein Wort, dass schon seit längerer zeit durch Zeitungen, Fernsehen und aller Münder fließt. Und jeder hat irgendwas dazu zu sagen, egal wie viel fundiertes Wissen wirklich vorhanden ist und wie viel einfach persönliche, völlig subjektive Eindrücke sind. Nicht nur in Deutschland hat Sarazzin eine Debatte angefacht, auch in Österreich wird diskutiert: Wozu Ausländer? Das gleichnamige Buch ist keine allgemeingültige Antwort. Aber es ist eine Hilfe, seine eigene persönliche Antwort zu finden.

„Wozu Ausländer“ ist aufgeteilt in Interviews mit Immigranten und Asylbewerbern und Artikel mit fachlichen Themen, die in den Diskussionen am meisten beschäftigen wie Herkunft, Religion und soziale Umstände. Die Interviews sind recht kurz gehalten, aber die Auswahl der Interviewpartner war sehr abwechslungsreich – von jung über alt, von gerade angekommen bis hin zu denen, die schon seit Jahrzehnten in Österreich leben: Sie alle berichten davon, wie es ihnen in Österreich geht, ob sie glücklich sind und ob sie ihre Heimat vermissen. Was mir gefehlt hat, wären Interviews von Österreichern gewesen, vielleicht von Asylhelfern oder Arbeitsgebern, damit die Sicht der Dinge ein wenig ausgewogener gewesen wäre.

Die Artikel sind eindringlich und informativ und wider Erwarten nicht komplett nur positiv. Das macht sie aber umso wertvoller, denn Schönmalerei wäre bei diesem heiklen Thema trotz allem nicht angebracht. Besonders beeindruckend fand ich trotz allem den Eingangsartikel, der deutlich macht, dass es immer darauf ankommt, WIE man etwas sehen möchte und wie selektiv man an so vielschichtige Themen herangehen kann.

Auch, wenn das Buch sich mit dem Thema Ausländer in Österreich beschäftigt, ist es doch nicht so stark darauf gemünzt, dass es nicht auch hier in Deutschland genug Gültigkeit hätte. So völlig anders sind unsere beiden Länder ja auch nicht. Wenn sich jemand also wirklich informieren möchte und eine Basis für eine sinnvolle Diskussion schaffen will, ist er mit diesem Buch gut beraten. Es arbeitet weder mit moralischen Keulen noch ist es so trocken, dass man sich durchkämpfen müsste.

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