|Rezension| Josephine Angelini „Göttlich verdammt“

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OT: Starcrossed

Göttlich-Trilogie #1

Josephine Angelini @ JosephineAngelini.com

Dressler (Mai 2011)

496 Seiten, 19,95 € HC

Klappentext

Die 16-jährige Helen lebt bei ihrem Vater auf Nantucket und langweilt sich. Ihre beste Freundin Claire hofft, dass nach den Ferien endlich etwas Aufregendes passiert. Der Wunsch geht in Erfüllung, als die Familie Delos auf die Insel zieht. Alle sind hin und weg von den äußerst attraktiven Neuankömmlingen. Nur Helen spürt von Anfang an großes Misstrauen. Gleichzeitig plagen sie plötzlich düstere Albträume, in denen drei unheimliche Frauen Rache nehmen wollen. Es scheint eine Verbindung zwischen ihnen und Lucas Delos zu geben. Was dahintersteckt, erfährt Helen erst nach und nach: Lucas und sie stammen von Halbgöttern ab und sind dazu verdammt, einen erbitterten Kampf auszulösen indem sie sich ineinander verlieben.

Meinung

Schon lange gab es in meinem Regal keine so schrecklich unsympathische, stetig jammernde Protagonistin wie Helen mehr. Helen ist der Stefan Salvatore der Halbgötterwelt. Sie ist mit Schönheit, Größe und Schnelligkeit gestraft, die Arme. Das zwingt sie auch dazu, sich mit den „Losern“ abzugeben (wie sie ihre Freunde charmant einzuordnen weiß), ein Umstand, den sie wiederum schrecklich tragisch findet. Schon klar, Helen hatte es wirklich nicht leicht, da ihre Mutter sie als Kind sitzen lassen und vorher sämtliche Fotos entfernt hat und sie zusätzlich mit ein paar Flüchen belegt hat, aber trotzdem – es nervt. Am meisten stört mich dabei, dass so manche Jammerei, so manche völlig unnötige und überdramatische Szene einfach geklärt werden könnte, würden entweder Helen oder Lucas einfach mal die Klappe aufmachen und reden. Die zwei möchte man an gegenüberstehende Stühle binden, bis sie sich alles gesagt haben, was gesagt werden muss. Blöderweise wäre das Buch dann sicher nur halb so lang und nur halb so tragisch, also geht das nicht. Lucas steht Helen im Thema Selbstmitleid in nichts nach und ein Dramaking ist er ebenso – kein normaler Mensch verkloppt so oft seine Verwandten und mit Morddrohungen hält er sich auch nicht zurück. Wer hätte nicht gerne so einen Lebenspartner… Haben Halbgötter irgendein schwerwiegendes Aggressionsproblem? Besonders charmant fand ich ja auch Claire aka. Giggles (Findet irgendjemand diesen Spitznamen sympathieeregend? Mir kriecht da schon beim Lesen eine Gänsehaut den Rücken hinauf. Ein Name wie Kreidequietschen an der Tafel… ew.), die irgendwann zugibt, dass sie nur mit Helen abhängt, weil sie ja noch seltsamer ist als sie selbst, und dass sie des Öfteren ausgetestet hat, ob Helen auch wirklich unsterblich ist. Psycho? Ach nööö.

Ich fand die ganze Halbgötter-Chose ja ganz prima, als ich den Klappentext gelesen habe. Griechische Mythologie, damit kriegt man mich so gut wie immer. Aber nicht einmal Herkules ist so cool und stark wie Helen. Ich fand Superman schon blöd, weil er zu super war, aber Helen toppt das doppelt. Stärker als jeder andere kann sie auch noch fliegen, Blitze verschießen, schnell rennen und mit Waffen kann sie auch nicht verletzt werden. Und das ist erst Buch Numero Uno, wer weiß welche Superkräfte sie noch entdeckt, über die sie sich – wie soll es auch anders sein – beschweren kann. Arg.

Der Plot ist irgendwie total chaotisch und ziellos und macht manchmal richtige Logiksprünge. Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, wie ich eine Seite zurückgeblättert habe und mich gefragt habe, was zum Teufel mir gerade entgangen ist. Zuerst wollen sich Lucas und Helen gegenseitig lynchen, während die Parzen dazu an ihren blutigen Haaren zerren und Namen vor sich hinmurmeln, und plötzlich – schwupp – Schwestern weg, Wut weg, aber die Erkenntnis, dass sie sich ja sowieso immer schon hatten haben wollen. Und weil ein Handlungsstrang schon nicht genug ist, muss man gleich noch einen aufmachen und noch einen.

Von der Sprache will ich schon fast gar nicht anfangen. Ich finde ja „Ähm“s in Dialoge einzufügen total überflüssig und der inflationäre Gebrauch von Kommas der Übersetzerin/Lektorin/Whoever das verbrochen hat, hat mir armen Deutschlehrerin ja beinahe die Innereien verdreht vor Anstrengung, nicht meinen Rotstift rauszukramen und mit aggressivem Schwung jedes überflüssige Komma rauszustreichen. Insgesamt wirkt die ganze Sprache dumpf und einfallslos und irgendwie auch holprig. Ob das auch im Original so war oder ob das an der Übersetzung liegt – schön zu lesen war das jedenfalls nicht.

Na, immerhin sieht es hübsch aus im Regal….

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