Rezensionen

|Rezension| Rebecca James „Die Wahrheit über Alice“

OT: Beautiful Malice

Rebecca James @ RebeccaJamesBooks.com

Wunderlich (Oktober 2010)

318 Seiten, 16,95 € HC

Klappentext

Als Alice sie zu ihrer Geburtstagsparty einlädt, ist Katherine mehr als überrascht. Die schöne, strahlende Alice, das beliebteste Mädchen der Schule, will mit ihr feiern? Dabei ist Katherine eine Einzelgängerin, die sich von allen fern hält, damit keiner ihr Geheimnis erfährt: Niemand soll wissen, was mit Rachel, ihrer kleinen, talentierten Schwester, passiert ist. Vor Katherines Augen, die nichts tun konnte, um ihr zu helfen. Katherine erlebt die Party wie im Rausch, Alice weicht nicht mehr von ihrer Seite. Doch nach und nach wird Alice immer merkwürdiger. Selbstsüchtiger. Grausamer. Bald entdeckt Katherine, dass ihre neue Freundin nach eigenen Regeln spielt…

Meinung

Wenn man dem Klappentext vertraut, dann erwartet man von Die Wahrheit über Alice eine Geschichte über Intrigen und ein dunkles Geheimnis. Was mich letztendlich erwartet hat, war ein Buch über Trauer und über das Leben mit selbstauferlegter Schuld. Die Intrige gibt’s nur gratis dazu.

Mit Katherine bekommt man eine Protagonistin, bei der ich mich anfangs gefragt habe, wie sie nur so wahnsinnig naiv sein kann. Ewig wird sie von ihren Mitschülern gemieden, doch kaum schmiert ihr das beliebteste Mädchen der Schule ein wenig Honig um den Mund, glaubt sie ihr bereitwillig, dass sie unbedingt mit ihr befreundet sein möchte. Und auch als Alice immer deutlicher zeigt, dass sie ein grausames Mädchen ist, das über Leichen geht, weiß Katherine ihre Freundin lange immer zu entschuldigen. Doch von außen kann man immer leicht über Freundschaften urteilen, solange man nicht beteiligt ist – das ist bei literarischen Charakteren nicht anders. Doch in ungesunden zwischenmenschlichen Beziehungen findet man sich schnell wieder, vor allem dann, wenn man wie Katherine jemanden sucht, der einem emotionalen Rückhalt geben kann.

Tatsächlich ist die Geschichte um Alice reichlich durchschaubar und legt man Wert darauf, dass man lange über ihre Motivationen rätseln kann, dann wird man von der Geschichte enttäuscht sein. Dadurch, dass auf drei Zeitebenen erzählt wird – über die Geschehnisse um den Tod von Katherines Schwester Rachel, über Katherines Zeit mit Alice und  über ihr Leben mit ihrer kleinen Tochter Sarah – wird so manchen Geschehnissen vorausgegriffen. Außerdem sind manche Andeutungen für erfahrene Leser recht eindeutig. Mich hat das nicht gestört, weil für mich der innere Kampf Katherines im Vordergrund stand – wie sie lernt, mit dem Tod ihrer Schwester umzugehen, ihre Vergangenheit wieder anzunehmen und ihre Selbstvorwürfe zu überwinden.

Die klare, schnörkellose Sprache fand ich passend zur Thematik, weil sie den unnötigen Kitsch aus der Geschichte hält und es gab Stellen im Buch, wenn Katherine über ihre Trauer spricht, die ich nur zu gerne unterstrichen hätte.

Wer also keinen spannenden Thriller erwartet, aber gerne ein Buch über den Verlust eines Menschen Lesen möchte, dass von großem Herzschmerz absieht, kann hier finden, was er sucht.

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