|Rezension| Alexandra Maxeiner „Lieb mich wie im Film“

Eichborn (April 2011)

200 Seiten, 14,95 € HC

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Inhalt

Schaust du noch oder liebst du schon? Warum eigentlich immer nur im Kinosessel sitzen und zusehen? Die schönsten Dinge aus den schönsten Liebesfilmen können Sie mit diesem satirischen Leitfaden einfach selbst erleben. Endlich einmal am Schiffsbug verliebt die Arme ausbreiten („Titanic“), in einen gut aussehenden Passanten rennen, der Orangensaft transportiert („Notting Hill“), einem Kellner beim Wassermelonen-Tragen helfen („Dirty Dancing“) oder sich an einem wilden Flussufer die Haare waschen lassen („Jenseits von Afrika“). Alexandra Maxeiner gibt allen Filmliebhabern Empfehlungen, wie sie die komischsten, pathetischsten und kitschigsten Momente ins eigene (Liebes)Leben übertragen können. Die Autorin schlägt Szenen vor, die sich zum Nachspielen eignen, und warnt vor solchen, die man lieber nicht erleben sollte; sie gibt uns die besten Zitate an die Hand; erläutert, welche Worte zum ersten Kuss führen und rät, mit welchem Klugscheißersatz über den Film man am besten Eindruck schinden kann.

Meinung

Aufmerksam wurde ich auf „Lieb mich wie im Film“ in der Wochenendausgabe unserer Tageszeitung. „Lieb mich wie im Film“, dachte ich mir. „Das klingt doch gut. Vielleicht kann ich das ja meinem Freund irgendwie unterschummeln.“ Ob das jetzt im Nachhinein noch als eine so gute Idee erscheint, bleibt offen. Denn „Lieb mich wie im Film“ ist nicht so schnulzig, wie der Titel (und das knutschende Löwe-Lamm-Twilight-Pärchen auf dem Cover) vermuten ließen. Vielmehr ist es voll von liebevoller Ironie.

Alte und neue Liebesfilme werden hier gesammelt und auf Alltagstauglichkeit bewertet. Zuerst wird für den Unwissenden der Inhalt des Films zusammengefasst – rein subjektiv, überschwänglich begeistert oder auch ein bisschen ironisch über den teils absurden Ablauf. Danach wird ausgeführt, wie man diesen Film in den Alltag übertragen kann. Es werden eine nachspielbare Szene herausgepickt und eine Szene, die man lieber Film sein lassen sollte. Der Dialog vor dem ersten Kuss wird zitiert, später auch weitere Zitate, die man in seinen Sprachgebrauch übernehmen könnte. Dem Besserwisser unter den Lesern wird noch ein Filmfakt serviert, danach das trockene Wissen abgearbeitet und letztendlich Sternchen für Tragik, Komik und Todesfälle verliehen. Das Ganze ist immer wieder durchzogen von humorvollen, mitunter sarkastischen Kommentaren der Autorin. Den Humor muss man mögen, ich tu’s auf jeden Fall.

Beispiel gefällig? Machen wir es doch fest an – sagen wir mal – Twilight (Oh, das Stöhnen, ich höre es bis hierher ^^)

Alltagsintegration:

  • Seien Sie grundsätzlich traurig
  • Lächeln sie wenig.
  • Lachen sie niemals.
  • Schlucken sie betroffen, bevor sie etwas sagen.
  • Geben sie jedem ihrer Worte eine Bedeutungsschwere.
  • Oder brechen sie Sätze vor lauter Betroffenheit ab. (…)
  • Verzichten sie auf Fleisch.
  • Auf dem Teller und im Bett.

Oder über diejenigen, die Pretty Woman nicht mögen:

„Wer diesen Film nicht mag, hat entweder kein Herz, keinen Sinn für die Stärken der beiden großartigen Hauptdarsteller oder schaut sich lieber schwarz-weiß gedrehte Abschlussfilme von postadoleszenten Filmstudenten an, in denen die Protagonisten wenig reden, nur in Totalen zu sehen sind, während sie mit grauen Fingermalfarben Freuds Psychoanalysekonstrukt auf Resopaltischplatten malen.“

Illustriert wurde „Lieb mich wie im Film“ hübsch in schwarz-weiß von Moni Port und es ist in Echt noch schöner als auf Bildern. Für jeden Film bekommt man mindestens eine Zeichnung geliefert. Man kann das Buch in Häppchen lesen oder in einem Rutsch, so wie ich. Unterhaltung ist für diejenigen, die den Humor mögen, garantiert. Und so ein bisschen Filmromantik kann man sich ja trotzdem abkucken.

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2 Gedanken zu “|Rezension| Alexandra Maxeiner „Lieb mich wie im Film“

  1. Kari schreibt:

    Ich finde das Buch klingt toll. Ich setz es mal auf meine Liste. :D Wer weiß, was man da wirklich mal in der Realität verarbeiten kann. ^^ (ich schau mir das nächste Woche mal bei dir an ;-)

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