|Rezension| Adam Gidwitz „Eine dunkle und grimmige Geschichte“

OT: A Tale Dark and Grimm

Adam Gidwitz @ AdamGidwitz.com

arsEdition (September 2011)

256 Seiten, 12,95 € HC

978-3-7607-8366-6

Inhalt

Was nun folgt, ist ein Märchen.
Ein Märchen?, wirst du vielleicht denken. Märchen sind doch Kinderkram!
Doch in diesem Märchen hüpfen keine kleinen Mädchen mit roten Kappen fröhlich durch den Wald.
Was zwischen diesen Seiten auf die lauert ist die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel – ein Märchen voller dunkler Zauberer, gefährlicher Hexen und todbringender Drachen.
Dieses Märchen ist vielleicht furchterregend, sicherlich blutig und definitiv nichts für Angsthasen; aber anders als alle anderen Märchen, die du kennst, ist dieses hier wahr.

Meinung

Habt ihr als Kinder auch die uralten Märchenbücher aus dem Regal gezogen, um die GANZE Geschichte zu lesen? Die, wo die Hexe brennt und der Prinz, der Rapunzel retten möchte, die Augen ausgestochen bekommt? Wenn ja, dann seid ihr hier genau an der richtigen Adresse. Denn wenn hier auf dem Cover „dunkel und grimmig“ steht, dann ist das auch genauso gemeint. Mit der Addition von gruselig und blutig.

Der Autor Adam Gidwitz kramt alte Märchen der Gebrüder Grimm hervor und verbindet sie mit einer ganz neuen Interpretation von Hänsel und Gretel. Denn so viele namenlose Gestalten aus den grimmschen Erzählungen sind für ihn Hänsel, Gretel oder gar beide gemeinsam. Beide sind eigentlich Königskinder, die von Zuhause weglaufen, weil sie vom Verhalten ihrer Eltern enttäuscht sind. Das Häuschen der Hexe (die hier eigentlich gar keine ist, sondern nur eine einfache Bäckerin mit kannibalischen Leidenschaften) ist nur eine von vielen Stationen auf ihrem Weg auf der Suche nach einem Platz, wo sie glücklich und sicher leben können. Doch es scheint den beiden nie so recht zu gelingen.

Sprachlich wechselt der Erzähler immer zwischen der altmodischen Sprache der Originalmärchen und modernen Einschüben, vor allem, wenn Hänsel und Gretel sich mündlich äußern. Das irritiert anfangs ein wenig, lockert aber insgesamt die Erzählweise auf. Außerdem schiebt er ab und zu seine eigenen Kommentare ein, vorrangig, um davor zu warnen, dass es jetzt so richtig blutig und brutal wird.

Es ist schwer, das Buch für eine Altersgruppe einzuordnen. Ich habe als Kind sehr früh die Originalversionen der grimmschen Märchen gelesen, kann mich aber ehrlich gesagt nicht erinnern, ob ich danach recht verstört war. Manchmal habe ich Absätze beim zweiten Mal Lesen übersprungen, weil sie mir zu grausam waren. Wie es sich mit diesem Buch verhält, ist deswegen schwer zu sagen. Es ist tatsächlich blutig, oft sehr detailliert und lässt keine Grausamkeit aus – aber alles auf dem Niveau, auf dem es auch in echten Märchen passiert. Seien wir mal ehrlich – Grimmsche Märchen sind nicht die von der harmlosen Sorte. Ein bisschen reinzuschnuppern, bevor man das Buch seinen junge Kindern zu lesen gibt, würde ich trotzdem jeden Eltern empfehlen.

Dabei ist die Geschichte nicht immer bierernst, bringt Kindern auch unbekannte Märchen näher und obwohl Märchenfiguren normalerweise immer austauschbare Prototypen sind, ist das bei Hänsel und Gretel nicht der Fall. Im Laufe der Geschichte werden die beiden immer greifbarer.

Besonders schön sind auch die Scherenschnittgrafiken, die man auch in alten Märchenbüchern finden kann. Jedes Kapitel beginnt mit einer solchen Grafik, passend zu dem Märchen, das darin aufgegriffen wird.

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2 Gedanken zu “|Rezension| Adam Gidwitz „Eine dunkle und grimmige Geschichte“

  1. irina schreibt:

    Das Buch hab ich auch auf dem Schirm, seit ich das Cover und vor allem den Trailer gesehen habe. Und deine Rezension macht mir unbedingt Lust darauf – auch wenn ich mir eigentlich was ganz anderes darunter vorgestellt hätte als das, was du beschreibst. Aufgrund des Trailers dachte ich, das Buch ginge eher ein bisschen in Richtung Parodie, aber das stimmt nicht, oder?!

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