|Rezension| Thomas Thiemeyer „Das verbotene Eden. David und Juna“

Das verbotene Eden #1

Thomas Thiemeyer @ Thiemeyer.de

Pan (August 2011)

464 Seiten, 16,99 € HC

3426283603

Inhalt

Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben Männer und Frauen in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in den Ruinen der alten Städte hausen, haben die Frauen in der wilden Natur ein neues Leben angefangen.

Nichts scheint undenkbarer und gefährlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen der 17-jährigen Kriegerin Juna und dem jungen Mönch David. Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer …

Meinung

Das verbotene Eden ist tatsächlich ganz anders als die Dystopien, die ich sonst immer lese. Was ich gewöhnt bin, ist: Pärchen, die sich auf den ersten Seiten kennenlernen, sich recht schnell irgendwie ineinander verlieben, Technik, die Überhand nimmt, etc pp. Vielleicht fiel es mir deswegen auch ein wenig schwer, mich in diese Geschichte einzufinden.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass Das verbotene Eden sich anfangs anfühlt wie ein High Fantasy-Roman und von solchen bin ich kein besonderer Fan. Es ist mühsam, sich in diese neue Welt einzufinden, in der jeder Stadtname so exotisch wie unbekannt ist, die Frauen zumindest ebenso ausgefallene Namen tragen und sich nach einer Religion ausrichten, die mehrere Göttinnen anbetet, während die Männer sich gleichermaßen eine eigene Lebenswelt mit eigener Religion aufgebaut haben. Immerhin ist das (leicht veränderte) Christentum nicht so schwer zu durchschauen.

Möglicherweise lag es auch daran, dass, obwohl nur rund 65 Jahre vergangen sind, seitdem der Virus Männer und Frauen in erbitterte Feinde verwandelt hat, alle Menschen reden wie im Mittelalter. Wie kommt das denn? Sprache ist immerhin etwas, das gleichermaßen überliefert wird wie sie sich weiterentwickelt, aber dass sie sich plötzlich rückwärts entwickelt, finde ich schon ein bisschen komisch. Oder führt der Zwang, wieder ohne Technik auskommen zu müssen, dazu, sich auch wieder wie im Mittelalter zu unterhalten?

Nachdem ich mich erstmal in die Welt, die Geschichte und die Lebensumstände eingefunden habe, las sich Da verbotene Eden aber plötzlich ganz flüssig. Mit ein bisschen mehr Durchblick, was die Lebensweisen der beiden Geschlechter und deren verbohrte Ansichten angeht, fand ich es plötzlich wahnsinnig interessant, was sie sich über die „Hexen“ und „Teufel“ zusammenreimen, als die sie sich gegenseitig sehen. Angenehm war auch, dass die Begegnung zwischen Juna und David nicht nach Schema F ablief, sondern dass vor allem Juna streckenweise noch echte Probleme hat, die ihr eingeimpften Prinzipien zu überwinden, obwohl sie spürt, dass ihr Gefühl gar nicht dahinter steht. Trotzdem bleiben Juna und David für mich oberflächliche Sterotype der Kriegerfrau und des weichlichen Mönchsjungen.

Trotz allem zieht sich die ganze Geschichte doch in die Länge, vor allem, weil Thomas Thiemeyer sich manchmal in Details verliert, die mich persönlich ja echt nicht interessiert hätten. Ist doch schnuppe, ob hinten in der Ecke Stühle stehen, auf denen man höchst theoretisch sitzen könnte, es aber nicht tut, und ob hier Perlen in den Haaren hängen oder Kirschen oder Blüten oder Popel.

Schön fand ich die Briefe und Radioübertragung, die am Anfang der drei Teile standen und fand es schade, dass man auf solche Extras nicht öfter zurückgegriffen hat. Es wäre einfach gewesen, so einen Rückblick auf die Ereignisse um den Ausbruch des Virus zu geben, der nicht aus vagen Andeutungen besteht.

Für jemanden, der eine typische Dystopie des Typs Delirium und Co erwartet, der wird überrascht sein, denn Das verbotene Eden ist ganz anders. Man muss es mögen und ein Hang zu Fantasy und geschwollener Sprache schadet sicher auch nicht. Was mir gar nicht gefallen hat, kann für andere genau das perfekte Buch ausmachen.

Nichtsdestotrotz freue ich mich auf Band 2, der sich um Logan und Gwen drehen soll und zwar aus folgendem Grund: Ich liebe Gwen. Obwohl man von ihr kaum etwas mitbekommen hat, war Gwen der unterhaltsamste und lebendigste Charakter des ganzen Buches, trotzig und unerschrocken. Und außerdem redet sie normal!

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5 Gedanken zu “|Rezension| Thomas Thiemeyer „Das verbotene Eden. David und Juna“

  1. Lightdancer schreibt:

    Immer wieder lese ich gerne deine Rezessionen und so bin ich auf dieses Buch irgendwie ganz speziell neugierig. Ich werde es mir sicherlich kaufen und sehen, ob ich eine ähnliche Meinung wie du haben werde oder die Geschichte doch ganz anders empfinde.
    Hab Dank für all deine Buch-Beschreibungen!

    • umblaettern schreibt:

      Danke (:

      Ich denke, wer das zu schätzen weiß, was ich eben nicht mochte, der mag seine helle Freude an dem Buch haben. Die Grundidee fand ich anfangs sehr abgefahren, aber mittlerweile sehr interessant. Ich hoffe einfach, mit Gwen wird das anders, die war die einzige Figur, die mich zum Lachen gebracht hat.

  2. Miss Bookiverse schreibt:

    Interessant. Jetzt bin ich leider immer noch nicht sicher, ob ich lesen will oder nicht ;D Ich glaube das Hörbuch wäre genau das Richtige für mich, aber ob es das geben wird? Von Pan gibt es nie Hörbücher oder? :(

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