|Rezension| Eric Heuvel u.a. „Die Suche“

Bildungshaus Schulbuchverlage (Januar 2010)

64 Seiten, 6,95 € TB

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Inhalt

Die Geschichte von Die Suche beginnt in der Gegenwart. Die Leserinnen und Leser erfahren aus der Perspektive der Enkel vom Schicksal einer fiktiven jüdischen Familie, die in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Dabei werden historische Fakten und Hintergründe des Holocaust erläutert. Der Comic zeigt, was der Holocaust für Menschen in verschiedenen Rollen und Positionen (Opfer, Täter, Helfer und passiver Zuschauer) bedeutete, in welchem Dilemma sie sich oft befanden und welche Handlungsalternativen sie hatten.

Meinung

Die Suche fällt unter die Kategorie „Für den Unterricht angeschafft“. Auf diese Kategorie werdet ihr jetzt öfter mal treffen. (;

Der Comic wurde in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Historischen Museum Amsterdam produziert und spielt deswegen teilweise auch in den Niederlanden. Die Rahmenhandlung für den historischen Rückblick ist die Suche der mittlerweile schon in einem rüstigen Alter angekommenen Esther nach Personen, die ihr Informationen über das Schicksal von einer Bauernfamilie, die die damals jugendliche Esther vor den Nazis versteckt hatten, geben können. Gemeinsam mit ihrer Freundin Helena und deren Enkel Jeroen fährt Esther zu dem Bauernhof, wobei sie auf dem Weg berichtet, wie es ihr als Kind erging – wie die Nationalsozialisten an die Macht kamen und sich ihr Leben immer mehr verschlechtert hat , bis sie gezwungen waren, in die Niederlande zu flüchten, und wie ihre Eltern in ihrer Abwesenheit mir nichts dir nichts deportiert wurden, kurz bevor sie sich weiterretten konnten. Jeroen ermöglicht es Esther sogar, mit einem alten Freund Kontakt aufzunehmen, der mit ihren Eltern im KZ war. Auch Bob – genannter Freund – bekommt seine Chance, über das Leben im KZ und das Kriegsende zu berichten.

Der Comic ist trotz des ernsten Themas überhaupt nicht trocken. Wichtige Daten und Informationen werden in ein persönliches Schicksal eingebaut. Man kann den Comic ein einem durchlesen, sollte sich aber die Mühe machen, sich die einzelnen Abbildungen genauer anzusehen. Wo die Geschichte an sich nur grobe Fakten präsentiert, sind in die Bilder Details eingebaut, die über das reine Faktenwissen hinaus noch Chancen zur Eigenrecherche (oder ein Unterrichtsgespräch) bieten. Wahlplakate, Schilder im Hintergrund, Details an den Personen in Vorder- und Hintergrund – hier wurde mit viel Liebe gearbeitet.

Auch die Verallgemeinerung der Opfer- und Täterperspektive findet hier nicht statt. Auch Nebenfiguren kommen zu Wort – der Deutsche, der aus Angst nicht mehr zum jüdischen Arzt geht, der Aufseher, der offensichtlich über Vergehen hinwegsieht und der jüdische Häftling, der im Quälen seiner Mitinsassen seine Chance zum Überleben sieht. Sie alle bieten eine Basis für weitere Gespräche.

Die Suche zeigt, dass man an ernste Themen nicht mit Leichentrauermiene herangehen muss. Die strikte Abweisung von Comics im Unterricht halte ich für übertrieben – dieser Comic ist eine Chance, dem Wissen eine persönliche Note zu geben, die den Schülern den Zugang erleichtert.

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