|Rezension| Brom „Der Kinderdieb“

OT: The Child Thief

Knaur (Oktober 2011)

664 Seiten, 12,99 TB

Bei Amazon kaufen

Die Geschichte

Leise wie ein Schatten streift ein Junge durch die Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …

Meinung

Peter Pan – der Junge, der nie erwachsen werden wollte und Tag ein Tag aus vom grausamen Kapitän Hook bedroht wird. Diese Geschichte kennen wir alle. Doch was, wenn die Dinge gar nicht so einfach stehen? In Der Kinderdieb ist nichts so, wie wir es kennen, und auch nichts, wie es zu Beginn erscheint. Peter ist nicht der Junge, der einfach nur für immer jung bleiben wollte. Vielmehr ist er ein von seiner Mutter verstoßenes Kind eines Waldgeistes, das besessen ist von der weißen Dame, die ihm letztendlich das Leben gerettet hat. Seine verlorenen Kinder lockt er durch den Nebel nach Avalon, damit sie für die Rettung des untergehenden Landes ihr Leben lassen. Und selbst der Kapitän ist nicht das, was er auf den ersten Blick erscheint – nämlich ein missgestaltetes menschenfleischfressendes Monster.

Der Kinderdieb ist keine Geschichte für Kinder und Menschen mit schwachem Magen. An Blut, Brutalität, Tod und Sexualität mangelt es diesem Buch bei Weitem nicht. Wem das nichts ausmacht, der sollte aber einen interessierten Blick darauf werfen. Der Klappentext verrät so gut wie gar nichts über das, was im Buch passiert und ich hatte mir eine völlig andere Geschichte vorgestellt als die, die ich bekommen habe. Nichtsdestotrotz fand ich den Kinderdieb ein wirklich gelungenes Buch.

Zum einen werden hier verschiedene Erzählungen und Mythen miteinander vermischt. Da wird Peter Pan einfach mitten in Avalon ausgesetzt anstatt im Nimmerland und aus unzusammenhängenden Mythenwesen werden Geschwister. Auf der anderen Seite entstehen ein Gegensatz zwischen zwei fanatisch verteidigten Religionen  und ein Krieg, der auf reiner Verzweiflung auf beiden Seiten basiert. Keine Figur ist nur böse oder gut, sondern handelt nach ihren Maximen und aus ihrer eigenen persönlichen Not, die so abweichend von der des Gegners ist, dass eine Verständigung unmöglich scheint.

Ich mochte Peter, von dem man anfangs ja vermutete, dass er nur Böses im Sinn hätte. Mit der Zeit lernt man Peter als verletzten kleinen Jungen kennen, der schlicht und einfach die einzige Person verteidigen möchte, die ihm Liebe und ein Zuhause bieten könnte. Dabei ist er blind für die Bewunderung, die ihm seine Teufel entgegenbringen. Nick hingegen ist die Stimme der Vernunft. Im Gegensatz zu den Kindern, die aus wirklich ausweglosen Situationen gerettet wurden und in Avalon eine neue, bessere Heimat gefunden haben, fühlt er sich von Peter gegen seinen Willen verschleppt. Da es ihm an der grenzenlosen Bewunderung mangelt, die alle anderen gehorsam macht, gelingt es ihm, Peter mit seiner eigenen Blindheit zu konfrontieren.

Die Illustrationen, die sich durch das Buch ziehen, sind detailreich und liebevoll, und ich habe mir die Figuren nach dem Betrachten der Bilder auch wirklich so vorgestellt. Vor allem Peter hat es mir dabei wieder extrem angetan, weil er einfach so mysteriös und gleichzeitig lausbubenhaft aussieht, wie man es sich von ihm erwartet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s