|Rezension| Thomas Fahy „Sleepless“

Simon & Schuster (20. Jul 2010) – 224 Seiten – 6,99 € – Taschenbuch

Die Geschichte:

Eine Gruppe von Schülern kehrt von ihrem Wohlfahrtsausflug aus New Orleans traumatisiert zurück. Eigentlich wollen sie das, was sie dort erlebt haben, nur hinter sich lassen. Doch dann beginnen in ihrer Kleinstadt Schüler zu schlafwandeln und dabei die Morde, von denen sie träumen, auch in Wirklichkeit auszuführen. Die einzige Lösung? Nicht schlafen!

Meine Meinung

Sleeping is no mean art: for its sake one must stay awake all day.

[Friedrich Nietzsche]

Ich hatte mir von Sleepless von Anfang an nicht viel erwartet – seichte R.L-Stine-mäßige Unterhaltung, ein bisschen Grusel, klischeebehaftete Charaktere – pures Lesen ohne Denken einfach. Manchmal brauche ich sowas. Doch je länger ich in dem Buch las, desto öfter dachte ich mir: Meint der Autor das ernst?

Das beginnt schon mit den Charakteren. Jake ist in meinen Augen einfach ein egozentrischer, hormongesteuerter Teenager, der scheinbar absolut kein Gefühl für angebrachtes Verhalten besitzt. Dass man aus ihm keinen perfekten Jungen gemacht hat, dem alle Mädchen nachlaufen – ja gut, damit kann ich leben. Dass er ab und zu Drogen nimmt – grenzwertig, aber ja, kann ich hinnehmen. Aber dieser Typ ist einfach dumm wie Toast! Nicht nur, dass er scheinbar kiloweise Marihuana in seinem Kleiderschrank versteckt und das in einer Box, auf der steht: „Mein Megavorrat Pott“ – nachdem er verhaftet wurde und eine Strafe angedroht bekommt dafür, dass er damit gedealt hat, seine Eltern keinen Ton mehr mit ihm reden und sich wahrscheinlich überlegen, ihn zur Adoption freizugeben, setzt er sich in sein Kinderzimmer und steckt sich einen Joint an! Gute Idee, Jake! Ich würde ja gerne auch etwas zu Emma sagen (oder zu den anderen Charakteren), aber die ist so farblos gestaltet, dass sie mir ziemlich schnuppe war.

Genauso seltsam fand ich die Beziehung zwischen Emma und Jake. Beide mögen sich, beide fahren zusammen nach New Orleans, nur damit Jake dann dort mit einem anderen Mädchen wiederholt Sex haben kann. Als sie daheim sind, nähern sich Emma und Jake wieder an, bezeichnen sich selbst mal als Freund und Freundin, dann denken sie wieder, dass sie niemals zusammenkommen werden und als sie sich dann küssen – in einem Raum mit drei anderen Personen – dauert es keine zwei Sekunden und sie betatschen sich auf die plumpste Art und Weise. Nicht einmal einen Tag später macht sich Emma Sorgen, ob das, was in New Orleans passiert ist, ihre einige Stunden alte Beziehung zu Jake verändert hätte. Und ohne ihn leben will sie ja sowieso nicht mehr. Alles klar.

Die Geschichte an sich springt ständig in der Zeit zwischen dem Sommer in New Orleans, dem jetzt, in dem Emma Albträume hat, und den Tagen, die bis zum jetzt führen. Ständig tauchen neue Figuren auf und wenn sie nicht näher emotional beschrieben werden (oder zumindest der wenig erfolgreiche Versuch dazu unternommen wird), dann kann man wetten, dass sie entweder gleich sterben oder selbst zum Mörder werden. Weiterhin wird fröhlich Voodoo mit Hypnose gemischt und sowieso wundert sich niemand, wieso der Lehrer, der mit den Schülern in New Orleans war und deswegen eigentlich sensibler sein sollte, denselben Schülern in geheimen Treffen bei sich zuhause berühmte Kunstwerke von Morden zeigt. Tut ja jeder andere normale Lehrer auch. Ich zeige meinen Schüler in meinem Wohnzimmer gerne meine Diddlmaussammlung.

 

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2 Gedanken zu “|Rezension| Thomas Fahy „Sleepless“

  1. gaensebluemche schreibt:

    Von dem Buch habe ich noch nie gehört. Vom Klappentext her klingt es eigentlich ganz interessant, aber deine Rezi spricht ja nicht gerade für das Buch. Wird wohl nicht auf meine Wunschliste wandern. Schade!

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