Rezensionen

|Rezension| Mechthild Gläser „Stadt aus Trug und Schatten“

Reihe: Stadt aus Trug und Schatten Band: 1

Loewe (16. Jan 2012) – 412 Seiten – 17,95 € – Hardcover

Die Geschichte

Flora fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihre Seele seit jeher ein nächtliches Doppelleben in der geheimnisvollen Stadt Eisenheim führt. Von nun an wird sie nie wieder schlafen, ohne dass ihr Bewusstsein in die farblose Welt der Schatten wandert. Als wäre das nicht unerfreulich genug, hat ihre Seele offenbar den Weißen Löwen gestohlen, einen mächtigen alchemistischen Stein, nach dem sich nicht nur die Herrscher der Schattenwelt verzehren. Bald ist Flora selbst in der realen Welt vor den Gefahren Eisenheims nicht mehr sicher und eines ist klar: Sie kann niemandem trauen, nicht einmal Marian, der plötzlich in beiden Welten auftaucht und dessen Küsse vertrauter schmecken, als ihr lieb ist.

Meinung

Das Beste, was einem passieren kann: wenn die Wirklichkeit sich in einen Traum verwandelt.

[Baron de Rothschild]

Was passiert mit uns, wenn wir träumen? Haben wir vielleicht manchmal Recht, wenn uns Träume real vorkommen? Mechthild Gläser greift diese Idee auf und erschafft eine Welt, in der man nicht nur träumt, sondern bewusst oder unbewusst zwei Leben lebt. Eigentlich auch eine schöne Idee, jedoch war mir die Umsetzung ein wenig zu einfach.

Die Protagonistin Flora ist ein sympathisches Mädchen, das für sie völlig unerwartet in diese zweite Welt geworfen wird, die man betritt, wenn man schläft, und das verwirrenderweise auch noch von sich selbst! Gerade deswegen und weil oft betont wird, dass die schlafende Flora ganz anders war als die wache, hätte ich mir gewünscht, dass auf diesen Widerspruch mehr eingegangen wird. Wieso verändert sich Floras Charakter nicht, wenn sie die Erinnerungen an ihr schlafendes Ich zurückerhält? Warum macht sie sich nie Gedanken darüber, weshalb die beiden Floras so komplett unterschiedlich sind? Und wie kann Marian so schnell die „andere“ Flora vergessen und sich der neuen zuwenden, wenn das einzige, was die beiden gemeinsam haben, ihr Aussehen ist? Überhaupt ging mir dieser Marian gewaltig auf die Nerven – dieses ewige Hin und Her zwischen Wollen und Nicht-Wollen, Schmollen und Nettsein hat mir ein richtiges Schleudertrauma verpasst. Zeitweise hatte ich sogar gehofft, der Kanzler wäre eigentlich einer der Guten, nur um Marian loszuwerden…

Total durchschaubar fand ich die Geschichte um die Rollen, die Floras Familie in Eisenheim – der Stadt, in die man in seinen Träumen reist – einnehmen. Hier wird nicht mit Zaunpfählen gewinkt, sondern vor den Leserkopf gehämmert. Schade.

Aber ich möchte ja nicht nur meckern. Eisenheim an sich fand ich eine Welt, die ich gerne einmal live sehen würde. Mit der Atmosphäre eines alten Schwarz-Weiß-Filmes besticht diese Stadt auch noch damit, dass sie jede mögliche Nation durch Wahrzeichen demonstriert, die aber ganz neue Aufgaben übernehmen.  Und da uns noch zwei weitere Bücher in dieser Reihe erwarten, kann man sicher sein, dass man noch andere Ecken dieser Stadt kennenlernen kann.

An sich hatte ich bei diesem Buch dasselbe Lesegefühl wie bei Rubinrot. Während ich auch dieses nicht überragend fand, könnte das für andere ein Anzeichen dafür sein, dass Stadt aus Trug und Schatten genau das Richtige für sie ist. Ich hätte mir einfach ein wenig mehr Subtilität und etwas mehr schwärmwürdigen männlichen Protagonisten gewünscht.

Advertisements

3 Kommentare zu „|Rezension| Mechthild Gläser „Stadt aus Trug und Schatten“

      1. Danke (: Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass das Buch dir gefällt, weil du die Edelsteintrilogie ja auch sehr gerne magst. Vom Lesefeeling her war es wirklich extrem ähnlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s