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|Von der Lehrerfront| Ein Zwischendrinfazit

Das erste Schulhalbjahr hat nun auch in Bayern ein Ende gefunden und damit auch das erste Viertel meines Referendariats. Die erste Lehrprobe ist vorbei und der nächste Schritt wird angestrebt: Eine Deutschklasse nur für mich und mich allein und statt einer nun zwei Geschichtsklassen. Lehrprobe Nummer Zwei winkt schon um die Ecke und am Ende des Jahres werde ich wohl zum Bäckerberuf wechseln können, wenn Backen mein Stressabbau bleibt. Vorausgesetzt, ich bin bis dahin nicht in einer Lawine ungewaschener Wäsche und Geschirr erstickt.

Zeit, ein Resumée zu ziehen.

Was ich in einem halben Jahr Referendariat gelernt habe:

1. Nicht der Unterrichtsstoff entscheidet über deine Unterrichtsplanung, sondern die Klasse, in der du den Stoff vermitteln sollst.

2. Es wird Tage geben, da wirst du zweifeln. Manchmal sogar sehr. Und dann wird es Tage geben, da weißt du, dass du das unbedingt willst.

3. Zehre von kleinen Erfolgen. Schreib sie auf! Lies sie dir immer wieder durch!

4. Schüler brauchen keinen Freund, sie brauchen einen Lehrer.

5. Es ist okay zu schimpfen, solange man seine Schüler mit Respekt behandelt. Sie nehmen es einem nicht übel.

6. Eine Klasse hinter sich lassen zu müssen, tut ein bisschen weh. (Adieu, meine <3-7c. Danke für alles.)

7. Man muss aufhören, sich über Kleinigkeiten zu ärgern, die Schüler tun. Das mit Edding unterstrichene Blatt stört zwar dein ästhetisches Empfinden, aber nicht deinen Unterricht.

8. Du wirst manche Sätze wiederholen. Ziemlich oft. Manchmal fühlt man sich wie ein Papagei.

9. Haushalt wird überschätzt. Solange das Geschirr noch nicht selbstständig läuft, ist alles im grünen Bereich.

10. Shoppen ist super. Je mehr Kleidung man besitzt, desto weniger fällt es ins Gewicht, wenn man nicht zum Wäschewaschen kommt.

11. Man nimmt entweder ab oder zu. Bei mir ersteres. Ich habe einfach vergessen zu essen.

12. Privat versichert zu sein, klingt nur im ersten Moment verlockend.

13. Man muss unbedingt lernen, nein zu sagen und Prioritäten zu setzen.

14. Niemand, der nicht in deiner Situation ist, kann verstehen, wie es wirklich ist. Aber es schadet nicht, es zu erklären.

15. Auf den letzten Drücker planen funktioniert nicht. Unverhofft kommt oft und plötzlich wird es eng.

16. Konferenz wird zum Unwort des Jahres.

17. Ferien sind keine Ferien, sondern unterrichtsfreie Zeit. Oder auch „Zeit zum Korrigieren“.

18. Schlaf ist heilig. Um 11 bin ich im Bett. Punkt aus.

19. Es ist nie genug Platz auf deinem Teil des Seminartisches.

20. Dicke Wut im Bauch lässt sich wegbacken.

21. Das Motto „Eventually“ gilt jetzt mehr denn je.

Die neuen Lehrbücher sind bestellt, mich erwarten zwei lebhafte Sechste und eine zehnte Klasse. Auf ins zweite Halbjahr!

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5 Kommentare zu „|Von der Lehrerfront| Ein Zwischendrinfazit

  1. Ich finde die Beiträge hier echt immer wieder total interessant! Vor allem weil der Punkt 14 wirklich zutrifft!^^
    Wenn ich an Lehrer denke, dann immer nur an die faulen/strengen/unfähigen Lehrer aus meiner Schulzeit, die den Eindruck machen, dass sie selbst während der Unterrichts-Zeit Ferien machen^^ Bei dir dagegen klingt das direkt alles ganz anders :)

  2. Super Post, den muss ich mir umbedingt speichern!
    Ich bin mitten in meiner Ausbildung zur Lehrerin und die paar wenigen Stunden die ich bis jetzt in der Klasse war, haben mir wirklich gezeigt, dass ich den Job umbedingt machen möchte. Ich freue mich schon total auf mein erstes Jahr in der Schule und deine Liste zeigt mir endlich einmal, dass Lehrerin sein hart ist aber auch wirklich lohnenswert. Diese Tipps werde ich gut braucehn können, wenn ich einmal ins kalte Wasser springe.
    Ich wünsche dir viel Kraft im zweiten Halbjahr und ich freue mich auf viele weitere Beiträge.
    Lg aus Wien,
    Karin

    1. Dann wünsche ich dir viel Spaß im ersten Jahr. Es ist sicher tierisch anstrengend, aber auch ein wirklich toller Beruf, wenn man ihn ehrlich machen will und vor allem: Wenn man Kinder liebt. Man muss schon oft beide Augen zudrücken und sich zurückhalten, wenn man sie mal kollektiv an die Wand klatschen möchte, aber es sind eben Kinder (; Wir waren auch nicht besser. Und sie können auch richtige Herzstücke sein <3 Ich vermisse meine Klassen jetzt schon.
      Und bei Fragen kannst du dich gerne melden, ich bin auch immer froh um jeden, dem ich Löcher in den Bauch fragen kann. (;

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