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|Rezension| Alexandra Adornetto „Halo“

Reihe: Halo Band: 1

Rororo (1. Mär 2012) – 560 Seiten – 17,95 € – Hardcover

Die Geschichte

In dem verschlafenen Ort Venus Cove scheint die Welt noch in Ordnung. Doch dunkle Mächte sammeln sich, immer öfter kommt es zu unerklärlichen Todesfällen. Bis eines Nachts drei Engel auf der Erde landen, vom Himmel gesandt, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. Fasziniert vom Leben der Menschen, mischt sich Bethany, die jüngste und unerfahrenste der drei himmlischen Geschwister, unter die Schüler der Highschool– und verliebt sich Hals über Kopf in den attraktiven Schulsprecher Xavier. Doch ihre Liebe bringt die Mission der Engel in Gefahr, denn niemand darf über ihre eigentliche Herkunft Bescheid wissen. Und schlimmer als der Zorn des Himmels ist die Bedrohung durch das Böse, das bereits ein Auge auf Bethany geworfen hat …

Meine Meinung

Warte nicht auf einen Engel, sei du für andere der, auf den sie warten.
[Gudrun Kropp]

Hier, da auf meiner Wange. Seht ihr das? Ja? Dieser Abdruck eines Kreuzes? Das ist die Stelle, wo mich die imaginäre Bibel getroffen hat! Volle Breitseite! Mir dröhnt jetzt noch der Kopf… Jetzt könnt ihr gerne sagen: Holly, was hast du erwartet, wenn es um Engel geht? Und dann werde ich antworten: Ich habe das Thema Religion und Engel schon tausendmal besser gelesen und gesehen und das nicht selten. Und nie hat jemand versucht, so plump christliche Werte zu vermitteln wie dieses Buch. Sogar die Bibel selbst ist subtiler – die lässt sich wenigstens noch interpretieren…

Ansonsten muss ich jetzt etwas sagen, von dem ich geschworen habe, dass ich es nie sagen würde, aber: Dieses Buch ist Twilight mit Engeln und noch tausendmal schlechter.  Es ist, als hätte jemand die Handlung von Twilight genommen, Vampire durch Engel ersetzt und alle Nebencharaktere noch einige IQ-Grade dümmer gemacht und tada – fertig ist das Buch. Das große Jammern, dass man sein Geheimnis nicht teilen kann, die spektakuläre Enthüllung, das Kennenlernen der Eltern, der Bösewicht, der erst nach der Hälfte des Buches auftaucht (als wäre einem plötzlich eingefallen, dass die Geschichte mehr Handlung bräuchte als beinahe Übelkeit erregendes Gehechel nach dem Traumjungen) und die Protagonistin, die sich selbst kaum retten kann… Von den logischen Lücken, die durchgepresst werden mussten, damit der Plot voranlaufen kann, mal abgesehen.

Laut Klappentext geht es in Halo um drei Engel, die auf die Erde gesandt wurden, um sie vor dem Bösen zu schützen. Dazu landen diese drei Engel im schnarchigen Nest Venus Cove. Und dort tun sie – nichts. Gabriel ist Lehrer. Nicht, dass ich jetzt behaupten würde, Lehrer tun nichts, aber Gabriel ist ein Erzengel! Und das einzige, was er zu Stande bringt, ist, mit einem Schulchor kirchliche Lieder zu singen! Ivy engagiert sich ehrenamtlich und zieht durch ihr gutes Aussehen ein paar Helfer an. Und Beth schmachtet ihren Freund Xavier an. Punkt. Das nenne ich doch Kampf gegen das Böse! Solche Aufgaben können nur Engel erfüllen – oh, nein, wartet. Stimmt ja gar nicht. Aber ist ja eh nicht so schlimm, da das Böse ja sowieso erst nach 300 Seiten auftaucht.

Das Böse, ach, das Böse. Ich hatte gehofft, es wäre meine Rettung. Balsam für meine nach Bad Boys schmachtende Seele. Aber Jack Thorn (Vorsicht, schon der Name verspricht Übles!) kann eigentlich auch nicht mehr als gut aussehen. Und auch wenn Bethany des Öfteren beobachtet, wie er nicht astreine  Aktionen startet, kommt der Engel mit den überirdischen Kräften nie im Leben dahinter, dass Jake böse sein könnte. Da lief etwas in der Ausbildung ganz ganz schief.

Das muss es aber sowieso, da Bethany trotz den tollen Filmen, die sie im Himmel zur Vorbereitung gesehen haben, weder weiß, wie man Lipgloss benutzt und (an dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass sie Luzifers Diener auf Erden bekämpfen soll!) sich beinahe in die Hose macht, als sie das erste Mal einen Zug sieht!

Beths naive Freundinnen wundern sich aber kaum darüber, dass sie sich schreiend an eine Wand presst, als der Zug in den Bahnhof einrollt, denn sie sind so hohle Nüsse, dass sie eh nix kapieren. Sie (und jedes andere weibliche Wesen in diesem Buch außer Beth und Ivy) interessieren sich nur für Jungs, Makeup und den Abschlussball. Ungelogen, diese Mädchen reden über nichts anderes. Welche Klischeeschaufel hat die Autorin denn hier getroffen?! Ein weiteres Beispiel für Schubladendenken ist Beths Einteilung der Schüler an ihrem ersten Schultag: Beth kann eindeutig an den Klamotten der Schüler erkennen, zu welcher „Sparte“ sie gehören – Künstler, Sportler, Goths, die Coolen und die Nerds. Man erkennt sie an ihren Accessoires!

Ich kann gar nicht in Worte fassen, was an diesem Buch nicht stimmt, und wie es mich mit jeder Seite wütender gemacht hat. Da tröstet mich auch nicht der Gedanke, dass die Autorin noch ein Teenager ist – umso schlimmer finde ich ihre absolute Ignoranz gegenüber der Individualität von jungen Menschen und der absolute Mangel an Recherche.

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8 Kommentare zu „|Rezension| Alexandra Adornetto „Halo“

    1. Ich mochte Twilight auch und konnte da noch über vieles hinwegsehen, weil das Drumherum noch gepasst hat, aber hier passt gar nix mehr… Aber ich bin gespannt, was du dazu sagst (:

  1. Wenn es nicht so eine Zeitverschwendung wäre, würde ich das Buch fast gern selbst lesen, um mich über so viel Blödsinn aufregen zu können.
    Ich finde das Thema Religion in Büchern spannend, aber nicht, wenn es einfach nur als Moralpredigt und mit Zeigefinger rübergebracht wird. Ich will das Thema erforschen und nicht aufgedrückt bekommen. Boah und so offensichtliche Namen finde ich auch gaaaanz grausam!
    Über die Autorin selbst habe ich auch schon ein paar nicht so schöne Sachen gelesen, die scheint doch sehr naiv zu sein.

    1. Ja, ich hab mir ein zwei Interviews angekuckt… und konnte nur den Kopf schütteln. Und SO jung ist sie ja jetzt mittlerweile auch nicht mehr.

  2. Note 6 – das ist ja mal was! *lach*

    Sehr schöne und amüsante Rezension, auch wenn es wirklich ein Jammer ist, dass dieses hübsche Buch so schlecht ist!

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