Rezensionen

|Rezension| Elizabeth Wein „Code Name Verity“

Hyperion Press CH (6. Feb 2012) – 352 Seiten – 14,99 € – Hardcover

Inhalt

Eine junge schottische Spionin wird im Zweiten Weltkrieg von der Gestapo gefangen genommen. Gedemütigt und gefoltert beginnt sie, einen Bericht für den Hauptsturmführer des Hauptquartiers zu schreiben, in dem sie gefangen ist. Doch sie begnügt sich nicht mit langweiligen Informationen – die zeichnet ein Bild einer Freundschaft zwischen zwei jungen Frauen. Die eine ist eine Pilotin, die andere Spionin und der Krieg schweißt beide zusammen.

Meinung

I am no longer afraid of getting old. Indeed I can’t believe I ever said anything so stupid. So childish. So offensive and arrogant.
But mainly, so very, very stupid. I desperately want to grow old.

Dieses Buch ist unglaublich. Unglaublich emotional, unglaublich irreführend, unglaublich lesenswert.

Code Name Verity wird aus zwei verschiedenen Sichten erzählt – zum einen ist da der Bericht der jungen Spionin, den sie für den Hauptsturmführer abliefern muss. Diesen Bericht schreibt sie in dritter Person und auch ihr Fokus liegt gar nicht auf sich selbst, sondern auf ihrer Freundin Maddie – wie Maddie Pilotin wurde, wie sie eine junge Schottin namens Queenie trifft und sich mit ihr anfreundet und wie sie diese letztendlich nach Frankreich zu ihrem letzten Auftrag fliegt. Dazwischen berichtet sie von der Behandlung durch Hauptsturmführer von Linden – der zwischen Folter und der Suche nach unterhaltsamen Gesprächen schwankt – und der Aufsicht durch die Assistentin Engel, die ihre Geschichte übersetzen soll. Später wechselt die Sicht auf Maddies Bericht über ihren Aufenthalt in Frankreich beim Widerstand und wie sie um ihre Freundin bangt.

Historisches Wissen und Interesse sollten beim Lesen von Code Name Verity schon vorhanden sein, denn die Autorin geht oft ins Detail über die Kriegsabläufe. Aber nach der neunten Klasse sollte man spätestens wissen, was die SS und Gestapo waren und dass Frankreich besetzt war. Alles andere sind Details, die man nicht unbedingt für die Geschichte braucht, die aber ein Zeichen für die Gründlichkeit der Recherche der Autorin darstellen.

Trotz dessen wird das Buch nie langweilig. Die Autorin schafft es, die Balance zwischen den Informationen, die von Linden haben will, und einer emotionalen Beschreibung der Vergangenheit und Gegenwart der beiden Mädchen zu halten. Julie – wie die schottische Spionin tatsächlich heißt – stellt sich von Beginn an als Verräterin dar. Als Leser geht man davon aus, dass sie von Linden wirklich die Wahrheit erzählt. Obwohl sie sich selbst schlecht macht, hängt man schnell an dem starken und trotzigen Charakter der jungen Schottin, deren großes Mundwerk sie immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Sie ist ein viel fassbarerer Charakter dadurch, dass sie den Foltern nichts entgegenzusetzen hat außer die Wahrheit zu erzählen als solche Charaktere, die mit übermenschlicher Willenskraft keinen Ton sagen. Dadurch, dass der Fokus ihrer Geschichte nicht auf sich, sondern auf Maddie ruht, irritiert auch der Wechsel auf deren Sicht weniger, da man sie gefühlt schon das ganze Buch durch begleitet.

Wenn man das Buch zuschlägt, fragt man sich vielleicht, wie blind man vorher beim Lesen von Julies Bericht gewesen war – so viele Andeutungen, so subtile Manipulationen sind einem völlig entgangen, selbst wenn man vermutete, dass Julie lügt. Außerdem bleibt ein großes Stück Bewunderung für den Mut der Autorin, auch die dunkelsten Schattenseiten einer Freundschaft im Krieg einzubauen.

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