Rezensionen

|Rezension| Nataly Savina „Herbstattacke“

Chickenhouse (Aug 2012) – 112 Seiten – 9,95 € – Taschenbuch

Die Geschichte

Es passiert beinah gleichzeitig. Er wird zur Zielscheibe von Malik und seiner Gang und er verliebt sich in Farsaneh. Keine gute Startposition für Leo, der neu in der Stadt ist. Denn Farsaneh wird mit Argusaugen bewacht -, vor allem von ihrem Bruder Malik. Um ihr nah sein zu können, bleibt Leo nur eins: Er muss das Vertrauen von Malik und seiner Gang gewinnen. Auch wenn er dabei Dinge tun muss, die er noch nie zuvor gemacht hat. Sein Plan geht auf. Während er sich heimlich mit Farsaneh trifft, werden Malik und die anderen zu Freunden. Doch als Leo und Farsaneh erwischt werden, eskaliert die Situation …

Meine Meinung

Es steckt immer mehr in einem Menschen, als man ihm zutraut.

Jugendbücher aus dem Problemwälzebereich und ich, wir waren noch nie so richtige Freunde. Nur selten habe ich ein Buch gefunden, das ich nicht unerträglich durchschaubar fand und dessen Charaktere mir nicht unvorstellbar auf den Senkel gegangen sind.

Probleme mit den Charakteren hatte ich bei Herbstattacke kaum. Zuerst dachte ich mir, dass es schon etwas ungeschickt gewählt ist, dass die „Gang“ nur aus Ausländen besteht. Schließlich bestätigt sowas ja nur das gängige Vorurteil. Andererseits fand ich es gut, dass diese Gruppe von Jungs sich nicht darauf stützen kann, die gleiche Religion und denselben kulturellen Hintergrund zu besitzen, sondern sie einfach eine praktische Freundschaft verbindet. Weiterhin kann man hier gar nicht von Gang in dem Sinne sprechen, wie man sich das vorstellt – eher von Jugendlichen, die auf die schiefe Bahn geraten, sich aber noch fangen könnten. Zu meiner Schande (?) muss ich sagen, dass mich die Jungs an so manchen Kumpel aus meinen frühen Jugendtagen erinnerten – die hatten manchmal auch nur verqueren Quatsch im Kopf wie alles zu rauchen, das brennt.

Diese Charaktere hatten alle Potential, interessante Geschichten erzählen zu können. Man hätte einen Einblick hinter die coolen Fassaden werfen können, vielleicht zusehen, wie sie sich zusammenraufen, einen Schritt in die richtige Richtung machen, sich behaupten, etwas dazulernen…. Aber: Fehlanzeige! Da wird zwar um jede Figur ein Fass aufgemacht – der unterdrückende Vater, der kriminelle drogensüchtige Bruder, der Vater, der sich eine viel zu junge Freundin angeschafft hat -, aber nichts davon wird ausführlich besprochen oder ändert sich im Laufe der Geschichte. Ich kann ja gut mit Leerstellen in Büchern leben, aber wenn das ganze Ende nur aus Leerstellen besteht, bin ich doch ein wenig verschnupft.

Insgesamt hätte ich mir bei allem, was in diesem Buch geschah, mehr Inhalt gewünscht. Die Kapitel sind selten länger als drei Seiten und in diese drei Seiten wurde oft ein großer Handlungsschritt gequetscht, der aber nur in vagen Umrissen beschrieben wurde. Farsaneh und Leo mögen sich plötzlich einfach. Die zwei reden kaum drei Sätze miteinander und schon nimmt das Mädchen tierischen Ärger in Kauf, um sich mit ihm zu treffen. Was in den Protagonisten innerlich vorgeht, wird in der Regel weder beschrieben noch aus ihren Handlungen richtig deutlich. Vor allem als die Situation zwischen Farsaneh und Leo ihren Höhepunkt erreicht, hätte ich mir gewünscht, in ihren Kopf sehen zu können.

Der Schreibstil kann für manche anstrengend sein, denn er besteht beinahe nur aus aneinander gereihten Hauptsätzen. Ich persönlich fand das passend für das gesamte Buch, weil ich das Gefühl hatte, dass es die Art ist, wie Leo und seine Freunde denken würden. Niemand von ihnen überlegt weiter als fünf Minuten.

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3 Kommentare zu „|Rezension| Nataly Savina „Herbstattacke“

  1. Amen. Mir hat es inhaltlich auch an allen Ecken und Kanten gefehlt. Ich fände es total spannend mal ein Buch zu lesen, in dem ein ausländisches, in Deutschland lebendes Mädchen beschreibt, wie es ist sich in einen deutschen Jungen zu verlieben (oder aus der anderen Sicht, oder mit vertauschten Rollen), aber Herbstattacke hat mir eigentlich nur Ideen für Themen, die mich interessieren könnten gegeben :(
    Den Schreibstil fand ich an sich auch passend zum Buch, aber ganz subjektiv zum Lesen total nervig.

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