|Rezension| Diana Ferch „Jaden Page und das Geheimnis der Traumreisen“

Frieling Verlag Berlin (30. Apr 2012) – 304 Seiten – 14,90 € – TB

Die Geschichte

Jaden Page ist ein abenteuerlustiger Elfjähriger, der so manchen Streich ausheckt. Eines Nachts träumt Jaden von einem paradiesischen Zauberwald, in dem er einen Waldjungen kennenlernt. Er freundet sich mit dem Jungen vom Volk der Weden an und merkt schon bald, dass seine Reise mehr als nur ein Traum ist. Offenbar besitzt er die Gabe, immer wieder in dieses Traumland zurückzukehren, in dem er eine Bestimmung zu haben scheint. Als er seiner Mutter davon berichtet, reagiert sie verärgert. Sein Großvater, ein berühmter Physiker, habe ebenfalls diese Träume gehabt und endete in einer Anstalt. Kurze Zeit später wird sein Freund Nick entführt. Für Jaden beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Kann er es zusammen mit seinen Gefährten und mithilfe der Weden schaffen, den Freund zu befreien und die Ehre seines Großvaters wiederherzustellen?

Meine Meinung

Jaden Page zählt zu den Büchern, deren Klappentext mich ein wenig in die Irre geführt hat. Ich hatte eine spannende Detektivgeschichte erwartet, in der man Entführer verfolgt und enttarnt und in einer wagemutigen Rettungsaktion das Entführungsopfer befreit wird. Stattdessen bekam ich eine Geschichte, die halb völlig real hätte sein können und halb in einer Traumwelt spielt.

Jaden und seine Freunde sind richtige Kinder. Damit meine ich, dass sie sich Baumhäuser bauen, sich nach der Schule verabreden, sich dreckig machen, im Wald spielen – ich fühlte mich an meine Kindheit zurück erinnert und genoss das richtig. Das macht es auch den Kindern, an die das Buch tatsächlich gerichtet ist, leichter, mit den Figuren mitzufühlen – sie könnten ihre Schulkameraden oder Nachbarskinder sein, die sie jeden Tag sehen. Sie haben keine Superkräfte – die Fähigkeit, in die Traumwelt zu reisen, die Jaden bei sich entdeckt, können alle Kinder erlangen, die dafür offen sind.

Da hat mich die Entführungsgeschichte um Nick beinahe schon gestört. Nick ist eben nicht das Kind zum Anfassen, sondern der Sohn von stinkreichen Eltern, der, kaum wohnt er ein paar Tage im kleinen Dorf, gleich mal entführt wird. Wieso nicht schon in Amerika? Und wieso, wenn man dieses Ereignis schon einbaut, kümmert man sich nicht noch mehr um Nicks Sicht der Dinge oder sorgt dafür, dass sich die Kinder wirklich sorgen? Jaden schweift mir hier viel zu oft vom eigentlichen Problem ab und rächt sich lieber an seinem blöden Cousin oder verbringt passiv Zeit in der Traumwelt anstatt seine Freunde dort zu löchern, nachdem er erfährt, dass sie ihm sagen können, wo Nick sich befindet.

So ein wenig erhobener Zeigefinger ist in der Geschichte ja schon enthalten, aber über den möchte ich mich ausnahmsweise mal nicht beschweren. Vor allem nachdem ich jetzt in der Stadt unterrichte, fällt mir auf, wie wenig mir die Kinder noch erzählen, dass sie draußen in der Natur waren. Sie wandern von Verein zu Verein, Sporthalle zu Musikschule, aber so richtig draußen sind sie alle nicht mehr. (Und es wäre nicht schwer, von der Innenstadt aus an den grünen Stadtrand zu fahren – das ginge auch mit dem Rad.) Die Botschaft, die die Menschen in Jadens Traumwelt haben, ist ganz einfach – vergiss die Natur nicht, mach sie nicht kaputt, sondern lerne mit ihr zu leben und auf sich zu achten. In der Traumwelt leben alle ohne Technik und Schnickschnack und sind dennoch offensichtlich glücklicher als in Jadens Welt. Sicher ist das schon extrem idealistisch gedacht und ich könnte mir auch nicht mehr vorstellen, ohne Handy und Internet zu leben – aber in abgespeckter Form kann sich jeder etwas abkucken.

Man merkt, dass die Autorin Diana Ferch selbst ein Naturkind war – leider wird sie seit Juni 2011 vermisst, nachdem sie zu einer langen Wanderung aufgebrochen war. Ihre Eltern gaben das Buch nun zur Veröffentlichung frei, auch in der Hoffnung, ein Lebenzeichen von ihrer Tochter zu erhalten.

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