|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven Boys“

Reihe: Raven Cycle Band: 1
Scholastic (18. Sep 2012) – 408 Seiten – 9,50 € – Taschenbuch

Die Geschichte

Seit sie denken kann prophezeien Blue alle Wahrsager, dass sie ihre wahre Liebe töten wird, indem sie ihn küsst. Sie hört das nicht selten, lebt sie doch in einem Haus mit einer Menge Wahrsagerinnen, inklusive ihrer Mutter. Blue beschließt, sich nicht zu verlieben und es scheint zu gelingen, bis sie Gansey und seine Freunde trifft. Sie wird in deren Suche nach dem Grab Glendowers verwickelt und dazu noch in deren mehr als komplizierte Leben. Doch es wird für Blue noch komplizierter als es klingt – denn sie weiß, dass Gansey innerhalb eines Jahres sterben wird und ist sicher, dass sie der Grund dafür ist.

Meinung

She recognized the strange happiness that came from loving something without knowing why you did, that strange happiness that was sometimes so big that it felt like sadness.

Zugegeben – Maggie Stiefvater könnte eine Anleitung für eine Waschmaschine scheiben und ich würde sie lesen und wahrscheinlich auch noch toll finden. Na gut, so weit übertreiben möchte ich dann doch nicht, The Scorpio Races fand ich dann nämlich auch nicht so umwerfend. Doch mit The Raven Boys hat sie es tatsächlich wieder geschafft, mich in ihre Welt zu ziehen.

Zum einen kann dieses Buch mit Charakteren aufwarten, die ich uneingeschränkt geliebt habe – wobei ich hier tatsächlich eine Vorliebe für die Jungs entwickelt habe. Blue ist auf ihre Art nett und interessant, aber im Vergleich zu den Raven Boys deutlich weniger vielschichtig. Irgendwie ist sie eben da, weil man ein Mädchen braucht und weil sie so praktische Fähigkeiten hat – ich hoffe aber, dass sich das in den Folgebänden noch ändern wird. Die Jungs hingegen haben die Fähigkeit, den Leser einmal tierisch zu nerven und dann wieder zu Tränen zu rühren. Ich kann zum Beispiel Menschen, die sich ihren Reichtum heraushängen lassen, auf den Tod nicht ausstehen. Aber genau diese Art von Charakter ist Gansey – schon immer mit mehr Geld beschenkt als er nötig hätte, ist ihm gar nicht so recht bewusst, wenn er andere mit seiner Großzügigkeit schon beinahe beleidigt. Natürlich will er nicht werden wie sein Vater, fährt mit Absicht einen schrottreifen Wagen – aber der schrottreife Wagen ist eben immer noch ein Oldtimer, der auch in diesem Zustand nicht billig war. Andererseits hat er ein wahnsinnig großes Herz und weiß seinem Umfeld einfach nicht anders zu helfen als sein Geld einzusetzen, um ihnen ein Heim zu bieten oder sie aus dem Mist zu retten, in den sie sich manövriert haben.  Ganz im Gegensatz zu Gansey steht Adam, der sich seinen Platz an der Privatschule erarbeitet hat und alles möchte, nur nicht von jemandem abhängig zu sein. Aber gerade dieser Drang, alles selbst zu schaffen, hat mich an bestimmten Punkten wirklich aufgeregt, weil er selbst zu stur ist, um Hilfe anzunehmen, damit er aus dem Haus verschwinden kann, in dem er tagtäglich geschlagen und misshandelt wird. Auch Noah und Ronan haben ihre ganz eigenen Geschichten, die ich aber nicht vorweg nehmen möchte – die beiden haben mich mehr als einmal dazu gebracht, mit offenem Mund vor dem Buch zu sitzen und zu denken: DAS habe ich tatsächlich nicht erwartet.

Schon in The Scorpio Races bediente sich Maggie Steifvater einer irischen Legende und änderte sie nach ihren Wünschen so um, dass eine ganz eigene Geschichte dabei herauskam. Offensichtlich haben es ihr die Inseln angetan, denn auch bei The Raven Boys greift sie wieder auf eine Legende zurück, die von dort stammt. Glendower – nach dessen Grab die Jugendlichen suchen – war der letzte tatsächliche Prinz von Wales, der auch Walise war. Nachdem er erfolglos einen Aufstand gegen die englische Besetzung seines Landes anführte, verschwand er spurlos und niemand kann bis heute sagen, was mit ihm geschah. Legenden ranken sich seitdem um seinen Verbleib – viele davon behaupten, er lebte und kämpfte unter falschem Namen weiter. Gansey dagegen geht davon aus, dass Glendowers Leiche aus Wales weggebracht wurde und der Herrscher nun in seinem Grab darauf wartet, wiedererweckt zu werden. Derjenige, der ihn aufweckt, hätte dafür einen Wunsch frei.

Zu Beginn fürchtete ich ja, dass sich das Buch viel zu sehr auf eine Dreiecksbeziehung zwischen Blue, Adam und Gansey konzentrieren würde. Tatsächlich rückt das Thema Liebe – außer in sehr wenigen Momenten – völlig in den Hintergrund hinter die Suche nach Glendowers Grab und den persönlichen Kämpfen, die die Protagonisten austragen müssen.

Der Schreibstil ist – wie gewohnt – sehr poetisch und es gab ganze Textpassagen, die ich gerne angestrichen und wieder und wieder gelesen hätte. Die Autorin schafft es dadurch noch mehr, dass man mit den Figuren mitfühlt, weil ihre Emotionen so detailliert und bilderreich beschrieben sind. Maggie ist ein wunderbarer erster Teil gelungen, der Lust auf den Rest der Tetralogie macht. Ich kann das nächste Buch zumindest nicht erwarten, vor allem nicht nach dem Cliffhanger am Schluss, der genau die richtige Portion zwischen befriedigend und neugierig machend ist.

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5 Gedanken zu “|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven Boys“

  1. schmetterlingsliteraturreise schreibt:

    „… The Scorpio Races fand ich dann nämlich auch nicht so umwerfend. Doch mit The Scorpio Races hat sie es tatsächlich wieder geschafft, mich in ihre Welt zu ziehen…“ – Du meinst sicher „The Raven Boys“ :)

    Lese gerade Scorpio Races und mag es ehrlich gesagt sogar…ich kann dir aber auch dahingehend zustimmen, dass ich fast alles von Maggie Stiefvater mag…nur die Elfenbücher nicht…

    • umblaettern schreibt:

      Oh, stimmt, danke (: Ist mir gar nicht aufgefallen, habs jetzt geändert (:
      Ich mochte Scorpio Races auch, aber an The Wolves of Mercy Falls kommt es eben bei weitem nicht ran. An das denke ich heute noch oft zurück, wenn ich Lieder höre oder Bilder sehe.

  2. Miss Bookiverse schreibt:

    Ich stimme voll und ganz zu: eine Eins in jedem Punkt. Mir hat’s aber vor allem der Schreibstil wieder angetan, so unglaublich. Ich konnte nicht mal was anstreichen, weil eigentlich alles bunt geworden wäre :D
    Übrigens wird es ein Vierteiler, steht auf Maggies Website, keine Trilogie – YAY! :D

  3. Jule schreibt:

    Ich würde auch sagen, du solltest London eine zweite Chance geben und den wundervollen Flair der Stadt komplett aufsaugen.. Oxford Street und Harrods sind da wohl nicht ganz ausschlaggebend und einfach :-D.

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