|Rezension| Boris Koch „Der Königsschlüssel“

Heyne (4. Mai 2009) – 400 Seiten – 13 € HC – ISBN 3453525345

Klappentext

Seit vielen Jahrhunderten herrscht der Mechanische König in der Königsstadt Marinth. Jedes Frühjahr wird er bei einer feierlichen Zeremonie mit dem einzigartigen Königsschlüssel aufgezogen, um für ein weiteres Jahr regieren zu können. Auch Vela, die Tochter des Königsmechanikers, kommt für dieses Ereignis in die Stadt. Eigentlich will sie nichts lieber, als bei ihrem Vater in die Lehre zu gehen, damit er sie in die Geheimnisse der Mechanik einweiht. Doch dann geschieht das Unfassbare: Vor den Augen des versammelten Volks stürzt ein gigantischer Vogel mit nachtschwarzen Schwingen vom Himmel und raubt den Königsschlüssel. Fortan steht der König still – und mit ihm das ganze Land.
Velas Vater wird in den Kerker geworfen, weil er den Schlüssel nicht verteidigen konnte. Begnadigt ihn der König nicht, soll er hingerichtet werden. Doch der König steht still. Vela macht sich auf, um den Schlüssel zu finden, denn das Schicksal ihres Vaters und des ganzen Landes hängt davon ab.
Eine abenteuerliche Reise beginnt …

Meine Meinung

Manche Schätze findet man auf dem Wühltisch bei Marktkauf – so wie dieses Buch, dessen Cover mich eher zum Kauf verleitet hat als der Klappentext.

Man findet sich schnell in die Welt ein, in der Vela und Cephei leben – sie ist ein wenig wie das, was wir uns unter dem Mittelalter vorstellen, gepaart mit vielen schrägen Orten wie einem Fluss, der aus Metallteilen besteht, oder einer orientalischen Stadt, die von riesigen Käfern bewohnt und von einer Abgaswolke verdunkelt wird. Auf ihrer abenteuerlichen Reise durchqueren die beiden Kinder (und ihr Begleiter Urs, der Bär, der gerne ein Ritter wäre) wirklich unglaubliche Orte, die einmal faszinierend und ein andermal wieder finster und gruselig sind. Regiert wird dieses Land von einem König, der aus Metall besteht und der jedes Jahr einmal aufgezogen werden muss – bis dieses eine Mal der Schlüssel gestohlen wird.

Am meisten geliebt habe ich Kochs Art zu schreiben – nicht, weil sie so unglaublich poetisch war und er mit Worten malt. Eher deswegen, weil er schreibt, wie er wohl sprechen würde, frei von der Leber weg, und dabei Szenen entstehen, die zum Schreien komisch sind. Am besten zeigt das das Gespräch zwischen Vela und einem Drachen, der in einem Loch festsitzt, weil er Höhenangst hat und nicht hoch fliegen will. Ich habe mich während des ganzen Gesprächs gekugelt.

„Wie heißt du eigentlich? Hast du einen Namen?“

Warum sollte ich dir meinen Namen sagen?

„Weil man sich eben vorstellt, wenn man miteinander redet. Vielleicht kann ich dir ja doch helfen.“

Wie denn?

„Weiß ich noch nicht genau“, gab Vela zu und stützte den Kopf auf die Hand.

Ich glaube, ich fresse doch lieber den Jungen. Was man hat, hat man.

[Seite 274]

Vela und Cephei sind zwei Charaktere, die man lieben muss, manchmal auch, weil sie so schrecklich stur, eigensinnig und zickig sind – dabei sind beide nur auf der Suche nach sich selbst. Cephei ist ein Waisenjunge, der bei einem gemeinen Wirt lebt und davon träumt, Ritter zu werden. Bis er sieht, wie Ritter wirklich sind – faule Säufer, die nur aufschneiden, aber nichts tun. Velas Eltern sind getrennt und sie besucht ihren Vater, den Königsmechaniker, nur einmal im Jahr. Gerne würde sie in seine Fußstapfen treten, doch ihre Mutter erwartet dasselbe von ihr und sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren Eltern.

Zwischen dem ganzen Feuerwerk aus spannenden Szenen, lustigen Momenten und auch der einen oder anderen rührenden Szene, sind sogar kleine kritische Spitzen zu bemerken – gegenüber den aufschneiderischen Rittern, die eigentlich den Schlüssel holen sollen, deren egoistische Art sie aber davon abhält. Gegen die Bewohner des Landes, die sogar für ihre Zwergkühe dieselben Zäune bauen wir für die normalen, nur weil ein Gesetz es so vorschriebt, und die deswegen den ganzen Tag ihre flüchtigen Nacktzwergrinder jagen müssen. Und gegen diejenigen, die sich eine Arbeit nehmen, nicht aus Liebe daraus, sondern weil es von ihnen erwartet wird.

Ergänzt werden manche Kapitel durch die liebevollen, aber schrägen Illustrationen, die Orte und Protagonisten zeigen, aber so abstrakt sind, dass man immer noch sein eigenes Bild der Welt und derer Bewohner behalten kann.

So ein bisschen hoffe ich ja, dass man Vela und Cephei wieder begegnen wird, denn das Ende bleibt offen, was ihrer beider Zukunft angeht. Aber auch wenn nicht, bleibt Der Königsschlüssel doch ein unerwarteter Glücksgriff in meinem Buchregal, aus dem ich noch meinen Kindern vorlesen werde. Dieses Buch ist ein fantasievoller Road Trip für Kinder durch eine verquere Fantasiewelt voller Ritter, Hexen und Drachen und ganz normaler Jungs und Mädchen mit dem Herz am rechten Fleck.

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2 Gedanken zu “|Rezension| Boris Koch „Der Königsschlüssel“

  1. Miss Bookiverse schreibt:

    Oh das klingt ziemlich wunderbar :D Ich mag so ulkige Figuren und Unterhaltungen. Und das Cover ist auch toll, deshalb war es mir schon mal ins Auge gesprungen, aber ich glaube danach hatte ich von irgendwem eine eher negative Meinung zu dem Buch gelesen.

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