|Infotheke| Was man mit ungewollten Büchern so machen kann

Die Regale vieler, wenn nicht der meisten Bücherliebhaber platzen aus allen Nähten. Da stehen Bücher zwei- oder dreireihig, stapeln sich auf dem Boden, dem Nachttisch und jeder anderen verfügbaren freien Fläche des trauten Bibliophilenheims. Genauso ging es mir auch – meine Bücher sind mittlerweile in vier verschiedenen Wohnungen verteilt. Die Kinderbücher stehen bei meiner Großtante, wo ich sie damals auch verschlungen habe, ein großer und stiefmütterlich vernachlässigter Teil meines SUBs verstopft sämtliche Regale in meinem alten Kinderzimmer, in unserem Haus stehen sie sowieso und mit der Zweitwohnung hier im fernen Unterfranken habe ich nun noch ein paar Regale hinzugewonnen.

Irgendwann sprach der Herr dann ein Machtwort – und mein Bankkonto dazu. Bücher wurden schweren Herzens von mir aussortiert und suchten einen neuen Besitzer. Aber wie – und vor allem wo – wird man seine alten Schätze und Fehlkäufe erfolgreich los?

Bücher zu Geld machen

1. Momox oder Rebuy?

Angesichts der durchaus horrenden Summen, die man jährlich für Bücher ausgeben kann (und die ich wohl besser meinem Umfeld verschweige, weil die mich sonst sicher endgültig in die Schiene der absolut Bekloppten stecken) , ist es natürlich die beste Möglichkeit, sich zumindest Teile des ausgegebenen Geldes wieder zurückzuholen. Getestet habe ich hier die bekanntesten Plattformen zum Thema Cash für Gebrauchtes: Momox und reBuy.

Im Vergleich fand ich reBuy angenehmer, was die Suchfunktion anging. Ich hasse es, ISBN-Nummern abtippen zu müssen, was bei der Suchfunktion von reBuy nicht nötig ist. Hier kann man auch nach Autoren und Buchtiteln suchen und muss höchstens dann die ISBN vergleichen, wenn man zwei gleichaussehende Taschen- und Hardcoverausgaben zur Auswahl erhält. Der Versand ist ab 10 Euro gratis – unter 10 Euro versende ich aber auch keine Pakete dorthin. Versand funktioniert über DHL und Hermes, letztere holen das Päckchen auf Wunsch sogar ab. Nach Prüfung des Päckcheninhalts bekommt man das Geld auf sein reBuykonto gutgeschrieben und muss die Überweisung dann noch einmal extra beantragen – finde ich ja umständlich und hat mich bei meiner ersten Abwicklung auch irritiert, weil ich den Schritt schlichtweg vergessen hatte und mich wunderte, wo denn mein Geld bleibt.

Im Vergleich dazu fand ich das Büchereingeben bei Momox anstrengend – auch, wenn ich hier mehrere ISBNs auf einmal eingeben kann – ich muss sie immer noch abtippen und mit zusammengekniffenen Augen über Buchrücken hängen. Irgendwann bin ich zwar dazu übergegangen, die ISBNs bei Internethändlern herauszusuchen, aber das ist auch müßig. Versand erfolgt hier über Hermes, ebenfalls kostenlos ab 10 Euro, ebenfalls mit Abholoption, nach Prüfung des Pakets wird das Geld sofort direkt auf das Konto überwiesen.

Bei beiden Anbietern liefen Überprüfung und Überweisung schnell und zuverlässig ab, es wurde auch noch nie eines meiner Bücher abgelehnt. Sollte dies jedoch der Fall sein, werden die Bücher sogar kostenlos zurückgesendet, wenn man das vorher gewünscht hat. Es lohnt sich aber, die Preise zu vergleichen – zwar zahlt reBuy tendenziell mehr für die Bücher, die man ihnen anbietet, das ist aber nicht grundsätzlich der Fall. Auch sollte man es in zeitlichen Abständen immer wieder versuchen – was sie vorher nicht haben wollten, bringt ein oder zwei Monate später doch noch Geld. Meistens vergleiche ich die Angebote beider Plattformen und entscheide mich dann für diejenige, die mir mehr Geld bietet. Unsummen kann man aber von beiden nicht erwarten – das meiste Geld bekommt man noch für Sachbücher. Zu alte Bücher oder solche, die man scheinbar in hohen Auflagen loswerden möchte, werden entweder gar nicht angenommen oder wollen für einen Spottpreis gekauft werden.

2. Bei Wind und Wetter

Bücher zu Geld machen kann man auch auf dem guten alten Flohmarkt – wahrscheinlich erfolgreicher in größeren Städten oder auf extra ausgerichteten Bücherflohmärkten. Hier in der Provinz haben mich meine Buchverkäufe nicht reich gemacht – es hätte nicht einmal für einen eigenen Stand gereicht. Andere scheinen hier aber durchaus erfolgreich zu sein. Die wohnen dann wohl schlicht günstiger als ich.

3. Nicht einkaufen, sondern verkaufen – bei Amazon

Als Amazonverkäuferin bin ich auch nicht recht glücklich geworden. Hier kann man zwar einen Festpreis eingeben, den man gerne für seine Bücher hätte – professionelle Verkäufer unterbieten einen aber fast immer und ich komme mir schäbig dabei vor, wenn ich meine Bücher zu niedrigem Porto versende im Bewusstsein, dass der arme Käufer 3 Euro Versand zahlen musste, obwohl ich von den 3 Euro ja keinen Cent sehe, wenn es blöd läuft. Die Verkaufsgebühren finde ich hier absolut übertrieben. Auch hier habe ich den Eindruck, es rechnet sich nur für Lehrwerke, die man für höhere Preise verkaufen kann. Mit normalen Taschenbüchern und Hardcovern lohnt sich der Aufwand kaum. Guthaben durch die Verkäufe wird gesammelt und in regelmäßigen Abständen auf das angegebene Konto überwiesen.

4. 3,2,1 – deins

Das größte Ärgernis finde ich aber ebay, nicht der Plattform wegen, sondern aufgrund der Dreistigkeit mancher Käufer. Oft wollte ich quer in ein Buch beißen, bevor ich es dann losgeschickt habe. Komischerweise bin ich hier nie schöne neue Bücher losgeworden, sondern die alten abgeranzten Schinken, die schon Jahre in den Regalen fristen und die auf dem Flohmarkt keiner mit dem Po angesehen hat. Als Pendlerin habe ich bewusst lange Bearbeitungszeiten eingegeben – die aber scheinbar kein Käufer überhaupt beachtet. Sollte ich je wieder bei ebay verkaufen, wird das in Zukunft dick in der Beschreibung stehen – und spart mir dann hoffentlich Nerven. Denn kaum habe ich Überweisungsdetails an den Käufer übermittelt und er überwiesen, wird am Folgetag schon gejammert, wo das Buch bleibt – wie gesagt, Büchersendung als Versandart und die Bearbeitungszeit sind von Anfang an in meinen Angeboten verankert. Außerdem gehen erstaunlich viele Bücher „verloren“. Wenn es nicht eine ganze Menge kleptomanische Postbeamte gibt, die gebrauchte Bücher klauen, würde ich sagen, dass manche Leute einen noch wegen einem Euro übers Ohr hauen möchten. Tauschbücher gingen mir bei derselben Versandart nämlich so gut wie nie auf dem Postweg abhanden – und von denen habe ich wesentlich mehr verschickt als ebay-Verkäufe. Als Käufer hast du hier bei ebay eindeutig das Nachsehen – ist ja dein Problem, wenn das nicht ankommt.

Bücher gegen Einkaufsguthaben

Diese Möglichkeit bietet Amazon seinen Kunden nun schon seit längerer Zeit. Vor allem Fachbücher und neue Bücher geben hier noch ein gutes Sümmchen, oft mehr, als Momox oder reBuy bieten. Dafür werden hier aber auch wesentlich weniger Bücher überhaupt zum Tausch in Erwägung gezogen. Versand zahlt Amazon und läuft über DHL. Die Zusendung wird schnell überprüft und dem Amazonkundenkonto dann das Guthaben angerechnet, das man bei einer der nächsten Bestellungen als Zahlungsmöglichkeit auswählen kann. Wer also nicht unbedingt auf das Geld am Konto wert legt, erhält hier eine Alternative zu Momox und reBuy – vorausgesetzt, er hat Bücher, die Amazon auch haben möchte.

Bücher tauschen

1. Tauschen gegen Gebühr

Der Büchertausch per Plattform war für mich lange Zeit die einfachste und schnellste Möglichkeit, gelesene Bücher loszuwerden und neue dafür zu erhalten. Viele von uns erinnern sich sicher noch an Buchticket, das sich dann zu Tauschticket erweitert hat, danach zu „Tausch jeden Mist bis hin zu gebrauchten Mehrwegwindeln und Klopapier“ – und sich letztendlich von einer großen kostenfreien Tauschplattform zu einer kostenpflichtigen gewandelt hat. Gefühlte Massenfluchten von wütenden Usern folgten. Bei Anmeldung erhält man als Tauschticketuser ein kleines Anfangsguthaben, später kann man sich Guthaben dazu buchen – per Banküberweisung zum Beispiel. Ich habe es einmal ausgetestet und war ehrlich gesagt nach ein paar Tagen genervt, dass mein Guthaben immer noch nicht freigeschalten war. Ich weiß nicht, ob das eine Ausnahme war – ich werde es nicht noch einmal ausprobieren. Pro Tausch zahlt man eine Gebühr von 49 Cent, unabhängig davon, wie viele Tickets der Tauschpartner für seinen Artikel verlangt. Die Auswahl an Tauschbüchern war früher größer und alte Bücher, die man zu kostenfreien Zeiten hier noch lockerleicht losbrachte, will heute kein Mensch mehr wirklich – die Gebühr schreckt potentielle Tauschpartner davon ab, nicht einwandfreie oder neue Bücher überhaupt in Betracht zu ziehen. Auch jetzt noch heißt mein Fazit zu Tauschticket: hätte man sich auf die wenigen Kategorien beschränkt, die man zu Beginn hatte, wäre einem die Kostenpflichtigkeit vielleicht erspart und viele User erhalten geblieben.

2. Tauschen for free

Das Büchertreff-Forum folgte der Sehnsucht vieler User nach einer kostenfreien Plattform, auf der sie ihre Bücher tauschen können, und gründete Tauschmuh. Das Prinzip ist ähnlich zu dem von Tauschticket, mit einigen wenigen Unterschieden. Der wichtigste: Tauschmuh ist kostenfrei. Wer möchte, kann seinen Account aber kostenpflichtig upgraden. Statt Tickets erhält man Muhs. Kopierte Texte aus dem Internet und Fotos, die nicht selbstgeschossen sind, werden hier nicht akzeptiert – aus Copyrightgründen. Finde ich an sich absolut okay, aber ich stelle hier keine großen Mengen an Büchern auf einmal ein – weil ich Inhaltsangaben nämlich selbst schreiben muss und das dauert seine Zeit. Oder man lässt es eben ganz. Muhs bekommt man übrigens nicht wie bei Tauschticket sofort gutgeschrieben, sondern erst dann, wenn man bewertet wurde. Das kann man finden, wie man mag – für mich ist das Vorgehen okay, da ich bei Tauschticket auch nie Tickets ausgegeben habe, bevor ich nicht die Rückmeldung meines Partners hatte. Da Tauschmuh noch relativ unbekannt ist, ist die Auswahl hier noch nicht groß – die Partner aber wesentlich entspannter als bei Tauschticket, wo penibel nach jedem Hundehaar gefahndet wurde, das in den Büchern hing.

Fazit:

Wenn ich Bücher loswerden möchte, nutze ich persönlich mehrere Plattformen. Dazu gehören Momox und reBuy, die Tauschfunktion von Amazon und Tauschmuh sowie hin und wieder auch meinen Blog. Auf den Ärger bei ebay habe ich keine Lust mehr und Flohmärkte in der Pampa lohnen sich nicht. Verkaufe ich über Amazon, fühle ich mich immer wie ein Halsabschneider, und für Tauschbücher Geld auszugeben sehe ich auch nicht mehr ein – nach einem kurzen Test habe ich Tauschticket nun endgültig den Rücken gekehrt.

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5 Gedanken zu “|Infotheke| Was man mit ungewollten Büchern so machen kann

  1. natira schreibt:

    hast du dich schon mal bei http://www.booklooker.de umgesehen? dort kann man den verkaufspreis auch selbst festsetzung, foto einstellen und die versandkosten für den käufer sind an das briefporto geknüpft. das unternehmen erhält einen prozentualen anteil. ich habe länger nichtd eingestellt und erinnere mich nicht an die genaue höhe, mir erschien es dort aber passender als bei amazon.
    schönes adventswochenende!

    • umblaettern schreibt:

      Vor laaanger langer Zeit hab ich das mal beäugt, aber bis heute ehrlich gesagt verdrängt. Das werde ich doch mal ins Auge fassen, danke (;

  2. Elena schreibt:

    Schöner Überblick. Tja, gebrauchte Bücher gegen Geld loszuwerden ist wirklich ziemlich schwierig. Zum Glück geht meine Mutter immer trödeln, so dass ich mich nicht selbst irgendwo hinstellen muss. Ansonsten nutze ich momox oder Amazon Trade In. Aber von Booklooker habe ich auch schon gutes gehört, war nur bisher zu faul wegen den einzelnen Versand.

  3. Winterkatze schreibt:

    Ich bin mit Booklooker als Verkäuferin wirklich zufrieden. Ich bekomme den Preis, den ich haben will, auch wenn es manchmal etwas länger dauert, muss beim Porto nicht draufzahlen, sondern kann genau das verlangen, was ich für Porto (und Verpackung) ausgebe. Die Gewinnspanne ist auf jeden Fall deutlich höher als bei allen anderen Plattformen, die ich bislang angeguckt habe, auch wenn manche Bücher längere Zeit auf Beachtung warten müssen.

    Nach einem Jahr kommt auf jeden Fall die Nachfrage vom System, ob man die Sachen weiter anbieten will oder nicht. ;) Aber da ich zwei Fächer für die Booklooker-Angebote im Regal eingeplant habe, stören mich eventuelle Wartezeiten nicht. Im Schnitt bekomme ich für aktuelle Bücher (im neuwertigen Zustand) mindestens 30% des Neupreises, bei älteren oder leicht beschädigten Büchern muss man eben gucken wie die so angeboten werden (der niedrigste Preis wird einem direkt in der Eingabemaske angezeigt).

    Die Eingabe über ISBN finde ich angenehm, ich bekomme, wenn das Buch schon angelegt ist, die Grunddaten angezeigt und kann ergänzen was ich will. Aber über den Titel kann man natürlich auch gehen … :)

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