Fantasy · Rezensionen

|Rezension| Daniela Winterfeld „Der geheime Name“

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Knaur (11. Jan 2013) – 525 Seiten – ISBN 3426511274 – 12,99 €

Klappentext

Rumpelstilzchen wollte das Kind der Königin. Er bekam es nicht. Jahrhunderte später schließt ein anderes Wesen seiner Art einen neuen Pakt – und wird ebenfalls betrogen. Seitdem sucht es unablässig nach dem Kind … Seit sie denken kann, ist Fina mit ihrer Mutter auf der Flucht. Doch jetzt, mit 19, will sie endlich ein richtiges Zuhause finden und zieht zu ihrer Großmutter, die am Rand eines düsteren Moores lebt. Das Moor fasziniert Fina vom ersten Moment an – genau wie der geheimnisvolle Junge, der dort lebt. Weder Fina noch der Junge ahnen, dass sie beide nur Figuren in einem Spiel sind, das dem betrogenen Wesen endlich seinen Lohn bringen soll …

Meine Meinung

Märchenadaptionen gibt es ja viele – vor allem Märchen der Marke Disney mit Prinzen und Prinzessinnen in Not erwecken das Interesse der Autoren, sogar außerhalb Deutschlands, der Heimat der grimmschen Märchen.  Aber fragt man mich nach dem deutschesten Märchen, das mir einfällt, dann kommen mir zwei in den Sinn: Hänsel und Gretel sowie Rumpelstilzchen. Mit Letzterem beschäftigt sich die Autorin Daniela Winterfeld.

Ein bisschen misstrauisch war ich ja schon, als ich den Wälzer auspackte und zu lesen begann – was, wenn die vielen Seiten nur da wären, um die Geschichte unnötig in die Länge zu ziehen und mich zu langweilen? Doch schon bald merkte ich, dass das nicht der Fall sein würde, und als ich das Buch am Ende zuschlug, war das erste, das mir einfiel, ein simples Wow. Aber wieso?

Zum einen konnte ich endlich wieder die Entwicklung einer Beziehung beobachten. Kein Sehen, Knutschen, Liebe für immer ohne groß miteinander geredet zu haben.  Durch Moras Bild von sich selbst, seiner Ergebenheit seinem Herrn gegenüber und seiner bisher fehlenden Kommunikation mit irgendeinem anderen Menschen bleibt den beiden Protagonisten Fina und ihm gar keine andere Wahl, als sich – manchmal schon quälend langsam – einander anzunähern. Ich konnte Fina oft gut verstehen, wenn sie hoffte, dass er doch endlich mal einen Schritt auf sie zumachen sollte.

Insgesamt konnte ich mit Mora und Fina sowieso gut mitfühlen. Ich war traurig mit ihnen, verliebt oder stinksauer, wenn ihnen etwas Böses zugefügt wurde. Ich hatte Angst um sie und wollte unbedingt wissen, ob alles gut ausgeht. Insbesondere Mora hat mich ebenso fasziniert wie er es mit Fina getan hat – er erweckt diesen Beschützerinstinkt, obwohl er ihn gar nicht nötig hat.  Auch den Geheimen konnte ich mir gut vorstellen, hatte seine Glubschaugen und seine Gestalt richtig vor Augen und habe mich ebenso geekelt oder hatte Angst vor dem, was er tun konnte.

Genauso deutlich vor Augen hatte ich das Moor, die Mühle, die kleine Höhle, in der Fina und Mora sich verstecken – Daniela Winterfeld beschreibt alles so eindringlich, dass man Landschaften und Menschen direkt vor sich sieht.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist, dass die Lösung des Problems in meinen Augen ein wenig zu einfach an Fina herangetragen wurde – hier hätte sich sicher auch noch eine Erklärung finden lassen, die nicht am Goldtablett serviert wird.

Insgesamt bin ich dennoch hin und weg von „Der geheime Name“ und froh, dass sich jemand daran gewagt hat, dieses Märchen der Gebrüder Grimm zu nehmen und sich zu überlegen, wie es aus Sicht des versprochenen Kindes ausgehen könnte.

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3 Kommentare zu „|Rezension| Daniela Winterfeld „Der geheime Name“

      1. Das Buch heißt „Die Insel der Nyx“ und hat mit einer archäologischen Ausgrabung zu tun. Also zumindest teilweise. Und da ich Archäologin bin, freue ich mich darüber sehr ^^ Und bin gespannt, wie Daniela das umgesetzt hat.

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