|Rezension| Arne Ulbricht „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob?“

P1000766

Vandenhoeck & Ruprecht (16. Jan 2013) – 157 Seiten – ISBN 3525701470 – 12,99 € Taschenbuch

Klappentext

Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob? ist ein spannender, wahrer, absurder und auch heiterer Bericht über die Abgründe des Schulbetriebs. Aber Achtung: Wer wissen will, wie es sich anfühlt, wenn man mit 26 Jahren sein Referendariat beendet, von der Schule übernommen wird und mit 30 Jahren seine Verbeamtungsurkunde auf Lebenszeit erhält, der wird enttäuscht werden. Dieses Buch steckt voller überraschender Episoden und zeugt von einem reichen, spannenden und manchmal das Absurde streifenden Erfahrungsschatz eines Lehrers, der bislang in vier Bundesländern an acht Schulen und an drei Schulen in Frankreich unterrichtet hat.
Das Buch ist sowohl ein leidenschaftliches Plädoyer für ein einheitliches Schulsystem als auch eine kämpferische Polemik gegen das Elend der Verbeamtung … Und schließlich ist es auch eine Liebeserklärung an einen verrückten und nie langweiligen Beruf, über den jeder  Mensch eine eigene Meinung hat.

Meine Meinung

Hören sie das Wort Lehrer, denken die meisten Menschen an eine Karriere, die in festen Bahnen läuft – Studium, erstes Examen, Referendariat, zweites Examen, Stelle beim Staat, Verbeamtung. Dass es eben nicht so läuft, müssen viele spätestens im Referendariat feststellen. Auch nach seinem Abschluss sieht sich Arne Ulbricht der Tatsache gegenüber, dass er keine feste Stelle bekommt, sondern sich vom einen zeitlich begrenzten Vertrag zum nächsten hangelt. Doch lässt er sich davon kleinkriegen? Im Gegenteil. Würde man ihm die Frage stellen, die den Titel seines Buches ziert, würde er abschließend wohl sagen: Traumberuf. Dabei geht er nicht unkritisch mit seinem Arbeitgeber um und zieht letztendlich sogar einen Strich unter das Thema Verbeamtung, was ich persönlich sehr mutig finde.

In seinem Buch blickt Arne Ulbricht auf seine Karriere zurück, die ihm vom schnöden Schülerdasein bis zum angestellten – und zwischendurch verbeamteten – Lehrer brachte. Dabei stellt er fest, dass nicht unbedingt die mustergültigsten, fleißigsten oder engagiertesten Schüler unbedingt die sind, die Lehrer werden und dass man als Schüler eine ganz eigene Sicht auf den Menschen hat, der da vorne an der Tafel steht.  Auch berichtet er davon, dass er in seinem Studium nichts gelernt hat, was irgendwie mit Schule zu tun hatte – und das auch nicht musste. Besonders interessiert hat mich sein Bericht über seine zwei Jahre als Referendar und seine Zeit als Vertretungslehrer, da ich momentan im ersteren stecke und mir zweiteres wohl (oder eher hoffentlich?) nächstes Schuljahr blüht.

Besonders beeindruckt hat mich jedoch Ulbrichts Konsequenz, was seinen Beamtenstatus betrifft. Er ist kein Fan von der Verbeamtung auf Lebenszeit und nachdem er kurz vor Ablauf der Verbeamtungsfrist den Status angeboten bekommt, nimmt er ihn im ersten Moment an.  Nachdem die Zweifel weiter an ihm nagen, möchte er diesen Status jedoch wieder aufgeben – und merkt dabei, dass es noch schwerer, ist, kein Beamter mehr zu sein als einer zu werden. Auch Kritik am Föderalismus wird hier laut, da ihm dieser die Flexibilität erschwert – da jedes Bundesland andere Anforderungen an seine Lehrer hat, ist es schwer für ihn, neue Stellen zu finden, wenn er seiner Frau in ein anderes Bundesland folgt.

Zum Schluss plaudert er noch ein wenig aus dem Nähkästchen und erzählt von seinen Horrorstunden (die ich persönlich ja nicht besonders horrormäßig fand) und Traumstunden (von denen ich mir gerne etwas abkucken möchte).

Arne Ulbrichts Bericht über seinen Werdegang war interessant zu lesen, vor allem für diejenigen, die nicht den geradlinigen Weg gehen können oder wollen, und spricht Punkte im Bildungssystem an, die durchaus bedenklich sind.

Advertisements

Ein Gedanke zu “|Rezension| Arne Ulbricht „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob?“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s