|Rezension| Steffan Heuer „Mich kriegt ihr nicht“

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Murmann (26. Feb 2013) – 238 Seiten – ISBN 386774243X – 16,90 € Taschenbuch +eBook

Inhalt

Wenn Google, Facebook, Twitter + Co. ihre Dienste anbieten, ist das keinesfalls umsonst wir zahlen mit unseren Daten, der Währung unserer Tage. Viele Firmen leben und profitieren von unserer `digitalen Identität´. Sie finden sie, speichern sie und verkaufen alle möglichen Informationen über Geschmack, Religion, Alter, politische Überzeugung, Gesundheit, sexuelle Orientierung, sogar über unsere Freunde. Wir werden verkauft. Nicht jede Firma saugt alle unsere Daten ab, aber der Handel und Missbrauch mit unserer digitalen Spuren ist längst ein weltweites Milliardengeschäft. Wir brauchen Hilfe. Das Buch `Mich kriegt ihr nicht!´ ist eine Gebrauchsanweisung, wie wir unsere Online-Identität schützen und welche Werkzeuge wir benutzen sollten, um unsere Identität im Netz gezielt einzusetzen wie man das Internet nutzt und sich dabei nicht verliert. Wie man Tracking-Cookies blockiert, `LikeIt´-Buttons ausschaltet und neugierige Apps neutralisiert denn wichtiger als ein sogenannter `Service´, den uns profitorientierte Firmen `bieten´, ist unsere Privatsphäre. Das Buch zeigt, was wir tun müssen, um unerkannt durchs Netz zu surfen und uns gegen unerwünschten Datenklau zu schützen.

Meine Meinung

Ich weiß eine Menge über meine Schüler. Nicht nur, weil sie mir hie und da mal etwas erzählen. Einfach deswegen, weil mich ab und zu die Neugierde packt und so gut wie niemand von ihnen sein Facebookprofil auch nur ansatzweise schützt. Das gibt mir schon zu denken. Und obwohl ich das Gefühl habe, dass ich bei Facebook doch recht vorsichtig bin – man sieht von mir nichts außer meinem Profilbild, wenn man nicht mit mir befreundet ist – zweifle ich doch daran, wie ich sonst mit meiner Person im Internet umgehe – immerhin bin ich recht gesprächig bei Twitter, mein Tumblr ist eine Sammlung meiner Fandoms und mein Blog einer der ersten Links, wenn man meinen Namen googelt.

Deswegen hat mich „Mich kriegt ihr nicht“ sehr interessiert. Ich erwartete mir Aufklärung – was passiert, wenn ich zu offen bin? Wohin wandern meine Daten? Und wie kann ich mich schützen? Tatsächlich kann man in den ersten Kapiteln lesen, wie unsere Daten gesammelt und verwertet werden und wohin das führen kann. Nachdem ich mich durch diese Unmenge an Informationen – in meinen Augen schon fast zu detailliert – gelesen hatte, war ich schwer paranoid und wollte am liebsten nur noch in Läden mit Bargeld einkaufen und mir eine neue Identität anschaffen. Tatsächlich hatte ich ein wenig das Gefühl, dass jede Art von sozialer Kommunikation im WWW ein Akt der Dummheit ist, der mich in die Hände geldgieriger Unternehmer treibt, die mich an andere Unternehmer verkaufen möchten. Und ganz tief in meinem Inneren regte sich auch ein bisschen Widerwille in mir – ich will aber nicht über alles schweigen, nöhlte die kleine Heike in mir. Ich will aber erzählen, was ich gelesen habe und wie ich es fand, ich will mich über Twitter austauschen und schöne Lieder mit meinen Freunden auf Facebook teilen! Ich will nur einfach wissen, wie ich das sicher machen kann!

Auf Seite 193 kamen nun endlich Tipps, wie ich mich denn schützen kann. Schön und gut, sicher muss man wissen, wovor man sich schützen muss – aber bei einem Buch, dessen Untertitel „Gebrauchsanweisung zur digitalen Selbstverteidigung“ lautet, hätte ich mir diese Tipps wesentlich früher erwartet und dabei auf die eine oder andere ins philosophische abgedriftete Ausführung verzichtet.  Nun bekommt man so sinnvolle Tipps wie: Veröffentlichen Sie nicht ihre Sozialversicherungsnummer, fotografieren Sie nicht Ihre Kreditkarte und stellen das Bild ins Internet, etc. Es gibt ja durchaus Menschen auf der Welt, die zu treudoof sind, aber DAS ist doch wohl klar, oder? Natürlich sind nicht alle Informationen so offensichtlich und die eine oder andere Einstellung habe ich auch für mich übernommen. Vor allem Facebook ist ein Wirrwarr an Sicherheitslücken und alle auszumerzen gleicht einer Reise in die entlegensten Winkel der Plattform. Teilweise waren die Tipps im Buch schon wieder so veraltet, dass Facebook die Privatsphäreneinstellungen an neuen Stellen versteckt hatte. Manche Tipps muteten aber schon fast wie Spiontechniken an (Handy in Alufolie wickeln, um nicht geortet werden zu können – ich stelle mir gerade die Blicke meines Umfelds vor, wenn ich mein Handy auswickle wie ein Pausenbrot, weil ich telefonieren möchte.)

Was ist also mein insgesamtes Fazit? Wer eine Anleitung erwartet, wie er sich im Internet richtig absichert, der sollte lieber googeln – aber bitte geschützt. Denn wirkliche Tipps gibt es nur auf knapp 30 Seiten und manche davon sind so logisch, dass man sie nicht einmal hätte erwähnen müssen, während andere in meinen Augen schon fast wieder über das Ziel hinausschießen, wenn man ein „normaler“ Internetuser ist. Die ganzen Informationen im Voraus waren zwar interessant zu lesen und auch alarmierend, hinterließen aber bei mir einen bitteren Nachgeschmack – am Ende habe ich mich gefühlt wie ein wandelnder Idiot, weil ich das Internet überhaupt nutze.

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