Rezensionen · Sachbuch

|Rezension| Adam Fletcher „Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten“

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C. H. Beck (15. Jul 2013) – 144 Seiten – ISBN  978-3-406-65364-3 – 8,95 € Taschebuch

Klappentext

Frühstücke ausgiebig, buche alle deine Urlaube Jahre im Voraus, zieh dir was Vernünftiges an und gehorche dem roten Ampelmann! Wie man Deutscher wird erklärt all die kleinen Absurditäten, die das Leben in Deutschland so herrlich machen. Das Buch ist Pflichtlektüre für little foreigners wie für all diejenigen Deutschen, die ihr eigenes Land immer noch nicht so ganz verstanden haben. Wir lernen, warum die Deutschen so frei über Sex sprechen, warum sie so sehr von Spiegel Online besessen sind und warum sie alle davon träumen, nackt in einem See aus Apfelsaftschorle zu schwimmen. Am Ende von Adam Fletchers Liebesbrief an Deutschland bleibt nur noch zu sagen: „Alles klar!“

Meine Meinung

Adam Fletcher ist Wahldeutscher und stammt ursprünglich aus England. Sein Buch „How to be German in 50 easy steps“ soll also – und darauf weist er selbst auch noch einmal hin – als liebevolle Homage an seine neue Heimat gedacht sein. Tatsächlich gelingt es ihm sogar streckenweise wirklich, in lustig-ironischer Weise auf den Gepflogenheiten und Macken der Deutschen herumzureiten und an mancher Stelle fühlte ich mich auch selbst ertappt. So war mir gar nicht bewusst, dass es das Ausland nicht so mit Mixgetränken ala Schorle und Spezi hat. Und mit Erschrecken musste ich auch feststellen, dass ich tatsächlich alle bisher erlebten 27 Silvester Dinner for One gesehen habe. Andere Phänomene waren selbst mir dann aber doch fremd – die einzige Art, eine Flasche zu öffnen, die ich beherrsche (den Kronkorken öffnet Kronkorken-Trick habe ich leider nicht drauf), ist die, einen Flaschenöffner zu benutzen, obwohl es angeblich normal ist, es auf jede erdenkliche andere Weise zu versuchen.  Und dass mein Umfeld keine Ironie kennt, kann ich auch nicht bestätigen – das ist in meiner Anwesenheit gar nicht möglich.

Ich bin ja ein Freund des erwähnten schwarzen Humors, den auch die Deutschen besitzen sollen. Dennoch war Adam Fletcher mit seinem Humor selten auf meiner Wellenlänge – gelacht habe ich nur selten. Stattdessen hat es mir fast die Fußnägel aufgerollt, als ich auch noch einen Vergewaltigungswitz lesen musste. Für mich ist so etwas ein absolutes No Go und es wundert mich auch schwer, dass da kein Lektor mal seinen Finger darauf gelegt hat, um klar zu machen: Guter Mann, das muss aber nicht sein.

Mit diesem Buch werden übrigens sowohl reine Deutschleser als auch diejenigen glücklich, die gerne im Original lesen – denn je nachdem, wie man es dreht, hat man den deutschen oder englischen Text. Selbst, wenn man sich für nur eine Version entscheidet, lohnt es sich jedoch, mal durch die andere zu blättern, da die Illustrationen dazu unterschiedlich sind.

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