Jugendbuch · Rezensionen

|Rezension| Franca Düwel „Julie und die Frage, was Jungs wollen“

julie

Klappentext

Warum muss das Leben mit vierzehn bloß so kompliziert sein? In letzter Zeit hat Julie zunehmend das Gefühl, dass alle um sie herum verrückt geworden sind. Was ist zum Beispiel mit ihrer Hippie-Oma los, die plötzlich eine Traumhochzeit von intergalaktischen Ausmaßen plant, und das ausgerechnet mit dem Vater ihres Klassenkameraden? Und was soll sie auf Bens Frage erwidern, ob sie bei ihm übernachten will? Um Ben nicht zu verletzen, flüchtet sie sich in Ausreden und steckt bald im schlimmsten Julie-Schlammassel aller Zeiten. Zu welchen Tiefpunkten ein Callboy aus dem Internet, ein verliebter gleichaltriger Onkel und eine aus dem Ruder gelaufene Party zusätzlich führen können, das ahnt Julie glücklicherweise noch nicht.

Meine Meinung

Mit 14 ist das Leben wirklich nicht einfach – im Chaos der Hormone steht die Welt Kopf. Damit muss man erst einmal klar kommen. So geht es auch Julie, die wir nun zum vierten Mal mit ihrem Tagebuch begleiten können – in altbekannter, liebevoll gestalteter optischer Form mit Sprüchen, Zeichnungen und verheulten Seiten.

Nachdem sich die letzten beiden Bände zum Großteil damit beschäftigten, dass Julie sich in ihrer Beziehung ein wenig in die Bredouille bringt, schlägt der vierte Band wieder ernste Töne an. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Herzschmerz – nachdem Julie mit ihren neugierigen Freundinnen einen Porno angesehen hat, hat sie so viel Panik vor dem Thema Sex, dass sie ihrem Freund Ben aus dem Weg geht und das mit schwerwiegenden Folgen. Denn natürlich macht Julie mal wieder den altbekannten Fehler und lügt Ben an, was mich echt schwer genervt hat – nach 2 Jahren Beziehung, in denen sie Lügen immer in die Sackgasse gebracht haben, lernt sie kein Stück dazu. Ich fände es an der Zeit, dass man sich hier einmal einen anderen Handlungsablauf ausdenken sollte – oder Julie mal wirklich ernsthafte Konsequenzen bis zum bitteren Ende spüren sollte.

Andererseits klingen hier auch einmal ganz andere Seiten an – Themen wie Scheidung und Tod rücken plötzlich in Julies direktes Umfeld und sie muss sehen, wie sie damit umgeht. Dass gerade mit ersterem zum Schluss wieder ganz locker umgegangen wird, fand ich nicht so passend. Manchmal denke ich, da wurde ein Happy End aufgezwungen, das nicht so richtig stimmig ist, nur damit am Ende kein bitterer Nachgeschmack bleibt. Aber gerade für jemanden, der vielleicht auch mit den Büchern aufwächst, ist es doch wichtig zu sehen, dass sich eben nicht alles in Wohlgefallen auflöst und dass man auch damit irgendwie umgehen kann.

Insgesamt fand ich es zwar wieder schön, in Julies Welt einzutauchen, dass sie aber nie dazuzulernen scheint und dass es in meinen Augen viel zu gut ausging, haben mir die Lesefreude dann doch etwas getrübt.

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4 Kommentare zu „|Rezension| Franca Düwel „Julie und die Frage, was Jungs wollen“

  1. Amen! Langsam nervt es wirklich, dass Julie immer wieder die gleichen Fehler macht und genau darauf die Konflikte des Buches aufbauen. Mit 14 kann man so viele Probleme haben, warum nicht mal was anderes aussuchen? Das mit ihrer Angst vor Sex nach dem Pornogucken fand ich total süß und ehrlich und erfrischend, da hätte man super drauf aufbauen können, aber nicht so, dass sie wieder nicht den Mund aufkriegt und dadurch ein endloser Schlamassel entsteht :(
    Hoffe sie lernt wenigstens im nächsten Band mal dazu.
    Und mit dieser Ende gut, alles gut Mentalität hast du auch Recht. Hat mich beim Lesen gar nicht so sehr gestört, aber ist schon irgendwie schade, dass sich das Buch Julie keine richtigen Schicksalsschläge zutraut… wahrscheinlich wirklich um die Ziegruppe zu „beschützen“.

    1. Obwohl ich ganz am Schluss, bei diesem versteckten Ausblick auf den nächsten Band, das Gefühl hatte, dass man hier vielleicht wirklich mal vom Happy End abweichen wird, obwohl ichs gerade da sehr krass fand. Hab schon immer geheult, wenn die Oma erwähnt wurde, weils meinem Opa gerade genauso geht. Ich hoffe, dass sie mit dem Handlungsfaden da echt noch arbeitet und das nicht wieder so abtut.
      Die Pornosache fand ich super, das ist ja wirklich ein Problem, das auch meine Schüler in dem Alter haben – diese Diskrepanz zwischen dem, was sie sich vorstellen und was da teilweise in Filmen rübergebracht wird. Da hätte man echt was draus machen können. Es braucht halt nur mal den Mut dazu.

      1. Ich hoffe sehr, dass im nächsten Band auf all die Sachen eingegangen wird. So richtig Hoffnungen auf einen etwas anderen Handlungsverlauf hab ich aber nicht, schließlich ist das jetzt schon das 4. Mal, dass alles nach dem gleichen Schema abläuft.
        Das mit deinem Opa tut mir leid, ich wünsche ihm alles Gute!
        Ich fand an dieser Pornosache auch total gut, dass Julie das so abschreckt. Heutzutage denkt man immer eher, dass die ganzen Jugendlichen nix mehr schocken kann und die das alles voll geil finden, aber ich finde es super wie angeekelt Julie davon ist und wie viel Angst sie vor der ganzen Sache hat. Obwohl ich auch gern lesen würde wie sie die ersten Erfahrungen macht, die über’s Knutschen hinausgehen. Könnte ich mir als Thema total gut in ihrem Tagebuch vorstellen.

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