Kinderbuch · Rezensionen

|Rezension| Uticha Marmon „Als Opapi das Denken vergaß“

opapi

Klappentext

Manche Tage fangen an, als wären sie nichts Besonderes. Sie kommen daher wie jeder Tag. Aber wenn man genau aufpasst, ist schon morgens etwas ein bisschen anders, und daran kann man sehen, dass der Tag ganz und gar nicht normal wird. Genau so ein Tag war dieser Mittwoch, als Opapi ankam. Opapi – so nennt Mia ihren Urgroßvater. Und der zieht jetzt zu ihnen. Weil er immer mehr vergisst, sagen Mama und Papa. Aber nun kann Mia ihn ja daran erinnern, wie man sich die Schuhe zumacht und dass man sich die Zähne nicht mit Handcreme putzt. Doch Opapi kommt nicht allein … Wer ist dieser geheimnisvolle Junge, der ein wenig altmodisch wirkt und bei Opapi ein und aus geht, wie es ihm passt?

Meine Meinung

Die Beziehung zwischen Kindern und ihren Großeltern ist eine besondere. Nicht selten kommt es aber vor, dass sie schon in jungen Jahren erleben müssen, wie die Zeit Oma und Opa einholt. Es ist schwer zu verstehen und schwer zu vermitteln, wieso zum Beispiel bei Demenz die Großeltern immer verwirrter und vergesslicher werden, sie mit falschen Namen ansprechen oder gar nicht erkennen.

Sehr behutsam und liebevoll nähert sich das Buch „Als Opapi das Denken vergaß“ dem Thema an. Mia ist eine sehr sympathische Protagonistin. Sie liebt ihren Großvater sehr und versucht zu verstehen, was mit ihm geschieht. Vorsichtig versucht sie, Lösungen für die Momente zu finden, wenn ihrem Uropa sein Leben entwischt. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die mit der Situation durchaus pragmatisch umgehen, möchte sie ihren Opapi nicht komplett aufgeben. Tatsächlich bekommt man von den Eltern kaum etwas mit und das finde ich auch gut so. Hier geht es nur um Mia und ihre Sicht der Dinge. Als Erwachsene fand ich es aber auch schön, zu lesen, wie sie an die Demenz ihres Uropas heranging, weil man doch dazu tendiert, die Krankheit aus dem praktischen Blickwinkel zu sehen und als unabwendbar zu akzeptieren. Auch Mia akzeptiert und versteht, dass ihr Opa nach und nach viel vergisst und nicht mehr die Freiheiten haben kann, die er früher hatte. Aber sie ist bemüht, ihrem Opa in jedem Moment – den klaren und den verwirrten – das Leben schön zu machen. Und das war verdammt rührend zu beobachten.

Mia und Opapi gehen gemeinsam mit Hilfe von Fotos auf Reisen. Und man reist als Leser mit in Opapis Leben im südlichsten Bayern, als er ein kleiner Lausbub war, der aufs Meer fahren wollen, und als er seine große Liebe trifft und sie heiratet. Und wenn Opapi sich nicht erinnert, kommt eben Berti. Berti ist Opapi als Kind und verbringt gerne Zeit mit Mia, möchte aber auf keinen Fall hören, dass er einmal alt wird. Er ist Mias Art, mit der Version ihres Urgroßvaters umzugehen, der sein komplettes Leben vergessen hat und wieder Kind ist. Mit ihrer kindlichen Fantasie sieht sie ihren Opa dann als den kleinen Jungen im Matrosenanzug.

„Als Opapi das Denken vergaß“ ist ein rührendes Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, die sich mit dem Thema Demenz konfrontiert sehen.

 

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