Belletristik · Jugendbuch · Rezensionen

|Rezension| Katrin Zipse „Glücksdrachenzeit“

glücksdrachen

magellan* 21.7..2014 * ISBN: 978-3-7348-5004-2

 HC 16,95 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Ihr älterer Bruder Kolja ist Nellies Ein und Alles. Gemeinsam trotzen sie der ganzen Welt – zumindest war das einmal so. Jetzt aber ist Kolja nach Frankreich abgehauen, und Nellie beschließt, dass sie was unternehmen muss. Sie macht sich auf, um ihren Bruder nach Hause zu holen. Unterwegs trifft sie die zauberhafte Miss Wedlock, die neben geheimnisvollen Plastiktüten auch noch eine traumatische Vergangenheit mit sich herumschleppt, und den ganz und gar hinreißenden Elias. In Miss Wedlocks pfefferminzgrünem Oldtimer düsen sie nach Avignon, wo sie nicht nur auf einen störrischen Kolja, sondern auch auf eine ganze Horde Drogendealer stoßen …

Meinung

Einen Tag vor Weihnachten ging ich mit Nellie auf die abenteuerliche Reise ins hochsommerliche Frankreich und dieser Widerspruch hat mich so gar nicht gestört. Denn es war toll, mit Nellie unterwegs zu sein, weil das Ende der Reise so offen blieb. Nellie selbst erzählt einer dem Leser unbekannten Person von diesem besonderen Sommer und bis kurz vor Schluss weiß man nicht, wem sie schreibt. So kann man sich wunderbare Theorien zurechtlegen, die zur Geschichte passen. Einem Lebenspartner? Ihrem Kind?

Ein lockerleichter Roadtrip ist Glücksdrachenzeit natürlich nicht. Denn Nellie macht sich nicht aus Fernweh auf den Weg, sondern um ihren Bruder nach Hause zurückzuholen, der es dort nicht mehr ausgehalten hat – die Mutter ist depressiv, der Vater überfordert und er selbst schleppt eine Drogendealerkarriere und einen abgebrochenen Schulabschluss mit sich herum. Auch Nellie leidet unter der Situation und hat jede Nacht Angst vorm Einschlafen. Kolja ist ihr einziger Halt, den kann sie nicht einfach so gehen lassen. Doch je länger man Nellie begleitet, desto deutlicher wird, dass die familiären Probleme noch weit tiefer reichen als es auf den ersten Blick scheint.

Miss Wedlock, die Nellie aus einer brenzligen Lage rettet und als Tramperin in ihrem minzgrünen Oldtimer mitnimmt, ist eine Marke für sich und mein absoluter Lieblingscharakter. Die alte, aber noch rüstige und herrlich abgefahrene Dame trägt eine schwere Vergangenheit mit sich herum, mit der sie auf ihre eigene Art umgeht. Zuerst erscheint sie durchaus etwas verrückt, dann macht ihre Geschichte traurig, aber am Ende konnte ich nur bewundern, wie sie sich niemals hat unterkriegen lassen und immer ihr offenes und warmherziges Wesen behalten hat.

Der Autorin gelingt es, Nellies Trip gleichzeitig spannend und tiefgründig zu beschreiben – und immer so, dass man jede Landschaft und jede Person mit Händen zu greifen scheint und genau vor sich sehen kann.

Fazit

Katrin Zipse hat für diesen Roman nicht grundlos den Thaddäus-Troll-Preis erhalten – mit sympathischen Charakteren geht man auf einen spannenden Roadtrip von Deutschland nach Frankreich und blickt dabei in die Tiefen der Seelen der Mitreisenden, die alle ihr Päckchen zu tragen haben.

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