Belletristik · Rezensionen

|Rezension| Emma Donoghue „Raum“ Hörbuch

raum

Osterworld * 29.8.2011 * OT Room * ISBN: 9783869520902

 19,99 €  * Autor

Klappentext

Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein Oberlicht und misst vier mal vier Meter. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine „Freunde“, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

Meinung

Es ist mir leider unmöglich, über Raum zu reden, ohne über das ganze Buch zu sprechen, also: Vorsicht, Spoiler!

Zu Beginn dachte ich, dass Raum eine spannende Thrillerstory wäre, in der sich eine eingesperrte Frau gegen ihren Fänger wehrt und alles Mögliche versucht, um sich zu befreien. Tatsächlich ist Raum aber viel ruhiger und damit auch viel realistischer. Das Buch ist in zwei Teile geteilt – die Zeit im Raum und die Zeit nach der gelungenen Flucht. Das alles wird aus der Sicht des fünfjährigen Jack erzählt, dessen Welt aus wenigen Quadratmetern besteht.

Zuerst war es sehr gewöhnungsbedürftig, Jack zuzuhören. Da er nichts kennt außer Raum und allem, was darin steht, ist für ihn alles irgendwie beseelt und er benutzt keine Artikel. Für ihn sind Bezeichnungen wie Tisch, Pflanze und Tür eher Namen wie Jack, Dora oder Mama. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. In Jacks Vorstellung beginnt hinter der Tür das Weltall, die Fernsehfigur Dora ist seine Freundin und alles, was im Fernsehen passiert, ist nicht real. Dass er nachts im Schrank schlafen muss, ist Gewohnheit und dass ihn Old Nick nie sehen darf, ist eben so. Umso schwerer zu verstehen ist für ihn, als seine Mutter ihm erklärt, dass die Welt viel größer ist als er denkt, und dass sie beide aus dem Raum müssen, wenn sie weiter überleben möchten. Auch die Außenwelt aus Jacks Augen zu sehen, war eine ganz neue Erfahrung, weil wir so vieles für selbstverständlich halten, was Jack entweder Angst macht oder ihn komplett fasziniert. Dennoch hat mich Jack mit seiner Naivität und seiner Sicht der Welt sehr gerührt, weil er so voller Liebe und Bewunderung für seine Mutter steckt. Aber auch dadurch, dass er an den neuen Situationen immer weiter wächst und zeigt, dass er entgegen aller Erwartungen einmal sehr gut im Leben zurechtkommen kann.

Ich habe das Hörbuch vor dem Einschlafen gehört und da war keine besonders gute Idee, weil ich eines Nachts nicht einschlafen konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, ob Jack und seine Mutter es schaffen, aus dem kleinen Raum, in den sie eingesperrt waren, zu fliehen. Aber auch ansonsten konnte ich die Angespanntheit von Jacks Mutter förmlich spüren, die sowohl um ihr Leben als auch um das ihres Kindes eigentlich jede Minute des Tages fürchtet. Old Nick ist eine Figur, die kaum persönlich auftritt, die aber im Gedanken der Mutter und des Lesers/Hörers permanent präsent ist. Überhaupt konnte ich auch gut mit Jacks Mutter mitfühlen, sowohl im Raum, wenn sie alles tut, um ihr Kind zu schützen, als auch außerhalb, wo so viele Einflüsse, Erwartungen und auch Vorurteile auf sie und ihren Sohn einprasseln, dass sie nicht anders kann als überfordert zu sein.

Fazit

Raum ist durch und durch eine bedrückende Geschichte, in der immer wieder ein kleiner Hoffnungsschimmer aufblitzt, mit einem liebenswerten Erzähler, mit dem man nur mitfiebern kann.

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Ein Kommentar zu „|Rezension| Emma Donoghue „Raum“ Hörbuch

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