Rezensionen · Sachbuch

|Rezension| Anne Wizorek „Weil ein #Aufschrei nicht reicht“

aufschrei

Fischer * 25.9.2014 * ISBN: 978-3-596-03066-8

 TB 14,99 € * eBook 12,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Anne Wizorek löste mit ihrem Twitter-Hashtag einen riesigen Sturm im Netz aus. Tausende Frauen nutzen #aufschrei als Ventil, um ihren Erfahrungen mit dem alltäglichen Sexismus Luft zu machen. Der Erfolg der Aktion macht deutlich: Von Geschlechtergerechtigkeit sind wir noch weit entfernt, sexuelle Belästigung und Diskriminierung bleiben ein brennendes Problem. Erfrischend unakademisch zeigt Anne Wizorek, warum unsere Gesellschaft dringend eine neue feministische Agenda braucht. Sehr persönlich beschreibt sie ihren Weg zur Aktivistin und ermutigt dazu, selbst aktiv zu werden – im Großen wie im Kleinen.

Meinung

Zugegeben, auf das Thema Feminismus hat mich tumblr beinahe täglich aufmerksam gemacht. Manchmal erlebt man etwas als ungerecht, das man aber weder richtig beschreiben noch erklären kann. Wieso ist es nicht okay, wenn ein Nein in der Disko nicht mehr reicht und man seinen Kumpel als seinen Freund ausgeben muss, damit man nicht mehr von einem Mann verfolgt wird (Standardtrick meiner frühen Zwanziger)? Wieso finde ich die Frauenquote sinnvoll? Wieso muss ich mich überhaupt dafür rechtfertigen, dass ich mich dafür interessiere, welchen Status Quo Frauen heutzutage haben, denn „es ist doch alles okay“?

Die Worte, die mir oft fehlen, um meine Gefühle zu dem Thema auszudrücken, hat Anne Wizorek – und zwar nicht die Watteversion mit beruhigendem Eididei, damit sich nur niemand auf die Füße getreten fühlt. Diese selbstbewusste Frau findet genauso selbstbewusste Worte. Sie erklärt, wieso die Frauenquote sinnvoll ist, wieso die Rezeptpflicht für die Pille danach eine Zumutung ist und klagt an, wie es sein kann, dass ein Nein nicht als Nein akzeptiert wird (Und „Nein bedeutet nein – immer!“ ist wohl ein Satz, den ich täglich mindestens einmal zu meinen Schülern sage).

Dabei geht es nicht darum, seine Wut herauszulassen oder – wie so gerne von Gegnern behauptet wird – auf die armen Männer loszugehen – Anne Wizorek spricht ebenfalls an, dass auch Frauen der Gleichberechtigung aus verschiedenen Gründen im Weg stehen oder eine völlig falsche Vorstellung davon haben, was es bedeutet. Und liebe Mitmenschen – manchmal ist die Wahrheit eben unbequem und getroffene Hunde bellen. Denn hinzusehen, sich selbst zu reflektieren – das ist manchmal einfach schwerer als einfach abzuwinken und zu schimpfen.

Nachdem ich mich ja schon seit einiger Zeit mit dem Thema Feminismus auseinandergesetzt hatte, war mir das meiste, was die Autorin schreibt, schon in anderen Wortlauten bekannt und die Problemfelder durchweg sowieso. Für jemanden, der sich aber völlig neu damit beschäftigen möchte, halte ich dieses Buch für einen idealen Einstieg, um sich einen Überblick zu verschaffen und tiefer in die Materie einzusteigen. Ohne Google werden Neulinge aber nicht auskommen, um zum Beispiel herauszufinden, was die Hawkeye-Initiative und Co sind.

Fazit

Deutliche Worte, wichtige Themen rund um Feminismus heute – sollte man vor allem dann lesen, wenn man sich noch wenig eingearbeitet hat.

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3 Kommentare zu „|Rezension| Anne Wizorek „Weil ein #Aufschrei nicht reicht“

  1. Ich lese es auch gerade und bin so ca. bei der Hälfte, und „genieße“ es bisher sehr. Ab und an gibt es Ministellen, an denen ich persönlich widersprechen bzw. mich über mehr Reflektion freuen würde, aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Es ist bisher auf jeden Fall ein deutlich besseres Einsteigewerk als „Stand Up!“ von Julia Korbik, und ich freu, dass ich endlich ein Buch habe, dass ich zu der Thematik speziell empfehlen kann. :)
    (Auch wenn es natürlich am besten wäre, wenn das alles gar nicht notwendig wäre, von daher ist das Freuen relativ … aber leider leben wir nicht bei Wünsch-dir-was.)

    1. Ja, diese kleinen Stellen hatte ich auch, aber insgesamt fand ichs echt gut. Obwohl ich heute dann mal die Negativbewertungen auf Amazon gelesen habe und mir dachte, das sind so wandelnde Beispiele, wieso es dieses Buch braucht. 95% motzende Männer und 5% Frauen, die sagen „Ich hatte eigentlich den Eindruck, uns geht es gar nicht so schlecht.“ Öh, ja…

      1. Ich war zugegebenermaßen schon ganz aus dem Häuschen, dass sie durchweg genderneutrale Personenbezeichnungen benutzt. <3
        Die kann ich ja alle immer ganz besonders gern leiden. (Immerhin haben sie was für's Buch bezahlt … hoffe ich.) Wenn's mir persönlich gut geht, gibt's natürlich keinerlei Probleme. Fehlen eigentlich nur noch die, die sagen, jede_r soll selbst entscheiden können, ob sie_er daheim bleibt oder nicht (i.d.R. nur auf Frauen bezogen) – weil das ja überhaupt nicht mit im Feminismus steckt, ne.

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