|Rezension| Veronique Poulain „Worte, die man mir nicht sagt“

worte

Ullstein * 6.3.20145 * OT Les mots qu’on ne me dit pas * ISBN: 9783864930348

 TB 14,99 € * eBook 12,99 € * Leseprobe

Klappentext

„Hallo, Ihr Arschlöcher!“ So begrüßt Véronique Poulain eines Tages ihre Eltern, als sie aus der Schule heimkehrt. Die Reaktion: eine zärtliche Umarmung. Véroniques Eltern sind gehörlos. Das hat seine guten Seiten, kann aber auch ganz schön nerven. Als Kind ist Véronique mächtig stolz, wenn sie sich vor aller Augen in Gebärdensprache unterhält. Doch möchte sie nach ihrer Mutter rufen, muss sie sich etwas einfallen lassen. Und anders als man denkt, sind Gehörlose nicht unbedingt leise Menschen. Véroniques Eltern schmatzen genüsslich, pupsen geräuschvoll in der Öffentlichkeit und haben lauthals Sex. Ganz still ist es bei ihr zu Hause nie. Und richtig wild wird es, wenn ihre Mutter hinterm Steuer eine Diskussion beginnt. Humorvoll, unsentimental und anrührend erzählt Poulain von ihrer Kindheit – und gewährt dem Leser einen eindrucksvollen Blick in die Welt der Gehörlosen.

Meinung

Das letzte schonungslos ehrliche Buch über Familien mit behinderten Familienmitgliedern war „Wo fahren wir hin, Papa? Und stammte ebenfalls von einem Franzosen. Was will mir das sagen? Sind Franzosen weniger zimperliche Autoren oder ist das immer so?

Zumindest nimmt Veronique Poulain auch kein Blatt vor den Mund, wenn sie in kurzen Episoden beschreibt, wie das Leben mit ihren taubstummen Eltern aussah – von ihrer Babyzeit an bis zum heutigen Tag. So beschreibt sie, dass sie immer zwischen einer Welt voller Worte und einer gefüllt mit Stille wechseln musste und zu welchen Extremen sie das teilweise getrieben hat. Besonders beeindruckend und nachvollziehbar fand ich aber, wenn sie ihre Zerrissenheit zwischen Wut auf das verständnislose, starrende Umfeld und einem Gefühl von Scham schwankt, weil ihre Eltern in der Öffentlichkeit einfach oft auffallen.

Dabei schreibt sie sogar sehr wenig, wenn man bedenkt, dass sie von sich selbst sagt, dass sie wie ein Wasserfall redet, wenn sie jemanden hat, der sie hören kann. Kurz, prägnant, schnörkellos – so berichtet sie vom Leben mit ihren Eltern. Und trotzdem schimmert doch immer durch, wie sie sich in den beschriebenen Momenten gefühlt hat.

Fazit

Worte, die man mir nicht sagt ist ein interessanter und ehrlicher Einblick in das Leben als Kind von gehörlosen Eltern und vermittelt einen nachvollziehbaren Eindruck von Alltag und Gefühlen der Autorin.

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Ein Gedanke zu “|Rezension| Veronique Poulain „Worte, die man mir nicht sagt“

  1. Büchernische schreibt:

    Huhu liebe Heike,

    dieses Buch möchte ich unbedingt lesen, und ich bin daher sehr froh, dass es dir gut gefallen hat. Meine Schwiegermama ist gehörlos, ich habe sie nun seit fast 7 Jahren um mich und gelernt, auf unsere ganz eigene Weise zu kommunizieren. Ich kann noch keine Gebärdensprache, würde es aber ganz gern lernen. Zumindest am Alphabet übe ich gerade :)

    Mein Mann wuchs mit einem gehörlosen und einem normal hörenden Elternteil auf. Als ich das erste Mal auf meine Schwiegerma traf, „übersetzte“ mein Mann sozusagen alles. Doch sie bestand darauf und ermutigte mich, mit Gesten und deutlichen Mundbewegungen mit ihr zu „sprechen“ und heute, einige Jahre später, verstehen wir einander.

    Ich bin sehr gespannt auf das Buch, danke dir für die schöne Rezension! ♥

    Liebe Grüße
    Sandra

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