|Rezension| Alexandra Kui „Marias letzter Tag“

maria

cbt * 2.3.2015 * ISBN: 978-3-570-16317-7

 HC 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Jeder hat Angst: vor der Euro-Krise, dem steigenden Flusspegel, dem Notendurchschnitt. Lous beste Freundin Maria hat Angst, wie ihre Mutter an Krebs zu erkranken. Als sie von einem Zug erfasst wird und nur knapp überlebt, sprechen alle von versuchtem Selbstmord. Daraufhin ruft Lou den Sommer ohne Angst aus. Ihr Plan: zu leben, als sei es ihr letzter Tag. Tun, wovor sie sich immer gefürchtet hat. Sich fühlen, wie Maria sich gefühlt hat. Ihre selbstgedrehten Videos postet Lou auf ihrem YouTube-Channel, dem sie den Titel »Marias letzter Tag« gibt. Rasant steigt die Zahl der Klicks, es entsteht eine Bewegung der Angstverweigerer. Die Mitschüler, Freunde und Fans übertrumpfen sich mit immer gefährlicheren Aktionen. Und irgendwann verliert Lou die Kontrolle …

Meinung

„Marias letzter Tag“ war ein stetes Auf und Ab für mich, wobei das Ab meistens überwog. Das lag schon an Lous Persönlichkeit. In ihrem Leben dreht sich alles nur um sich selbst – ihre Ängste, ihre Unzulänglichkeiten, ihre Sorgen, ihre Familie, ihr Einfachalles. Dass sie sich stetig nur um sich dreht, fällt ihr an dem Punkt, als sie von Marias Unfall hört, sogar selbst auf – doch Lou zieht daraus nicht die richtigen Schlüsse. Vielmehr wirkt es, als könne sie sich jetzt noch viel freier nur um sich kümmern und zu ihrem Leid noch den Punkt „beste Freundin im Koma“ hinzufügen. Sogar am Ende hatte ich nicht das Gefühl, dass sie wirklich begriffen hat, dass es eben auch andere Personen mit Gefühlen in ihrem Umfeld gibt, sondern sich einfach weiter ihrem für sie unwiderruflichen Schicksal beugt. Sicher kann Lou vielleicht gar nicht anders, bekommt sie die Angst schon von Kleinauf von ihrer Familie eingeimpft – dennoch empfand ich sie einfach als unheimlich anstrengende Person, die sicher gewollt so geschrieben ist, die ich aber permanent schütteln wollte.

Aufwärts ging es – mal abgesehen vom blöden Channelnamen, der ihr ja zu Recht noch zum Verhängnis wird – als Lou ihren Kanal eröffnet und sich vornimmt, sich endlich mal etwas zu trauen. Anfangs fand ich ihre Ideen auch toll – sich einem bösartigen Lehrer entgegenzustellen fand ich zum Beispiel ganz toll. Auch die Idee mit der Angst der Woche war prima – die hätte man viel besser weiterverfolgen sollen. Stattdessen werden ihre Ideen nur noch dümmer, sie zieht blind andere mit in die Gefahr oder macht einfach etwas, was die komplette Idee in meinen Augen ins Lächerliche zieht. Total schade, denn auch wenn es natürlich irgendwo eskalieren muss – so manche Aktion hätte einfach durch eine sinnigere ersetzt werden können, die Lou charakterlich wirklich weiterbringt.

Interessant fand ich die Einschübe, in denen Lou berichtet, wie die Menschen auf ihren Kanal reagieren und welche Videoantworten sie erhält. Manchmal war das etwas verwirrend, weil sie die Videoantworten nicht zu den entsprechenden Videos beschreibt, sondern manchmal im Vor-, manchmal im Nachgang, die Idee an sich war aber toll. Auch die Hashtags, die sie zu ihren Videos sammelt – wie in Wirklichkeit auf Blogs in Groß und Klein dargestellt – schlagen die Brücke gut zum Thema des Buches. Sogar Bilder werden manchmal eingebaut.

Leider bin ich mit dem Ende auch mehr als unzufrieden. Lou lebt mit dem extremen Shitstorm, der sie erwartet, ziemlich gut – ich hätte gerne miterlebt, wie sie sich fühlt, wie sie damit umgeht, welche Erkenntnisse das nun mit sich bringt. Auch auf Marias Reaktion wird sehr wenig eingegangen. Zusammen mit dem Epilog, in dem für mich nicht deutlich wird, dass Lou auch nur einen Schritt nach vorne gemacht hat, war das mehr als unbefriedigend für mich.

Fazit

Marias letzter Tag konnte mich leider wegen seiner nervtötenden Protagonistin und dem unbefriedigenden Ende gar nicht überzeugen, obwohl die Idee dahinter und die optische Umsetzung viel Potential hatten.

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