|Rezension| Antonia Michaelis „Das Institut der letzten Wünsche“

institut

Knaur * 1.4.2015 * ISBN: 978-3-426-65365-4

 HC 19,99 € * eBook 17,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Die verträumte Mathilda arbeitet für eine Organisation, die sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt. Ein letztes Mal Schneeflocken spüren mitten im Hochsommer, Maria Callas live erleben oder in einem stillgelegten Vergnügungspark Riesenrad fahren – alles kein Problem, kleine Tricks inbegriffen. Das ändert sich, als Mathilda Birger begegnet. Er wünscht sich, vor seinem Tod noch einmal seine frühere Freundin Doreen und ihr gemeinsames Kind wiederzusehen. Mathilda soll sie für ihn suchen – nur will sie Doreen eigentlich gar nicht finden, denn sie hat sich auf den ersten Blick in Birger verliebt.

Meinung

Wenn du dir einen letzten Wunsch vor dem Sterben erfüllen könntest, welcher wäre das wohl? Mathilda und Ingeborg aus dem Institut der letzten Wünsche haben schon viele abgefahrene Wünsche gehört und erfüllt – unzählige Weihnachtsfeiern zu jeder Jahreszeit sind dabei noch die einfachste Aufgabe. Tatsächlich fand ich die Idee hinter dem Institut der letzten Wünsche ganz anrührend – Menschen, die innerhalb des nächsten halben Jahres sterben werden, oder auch deren Angehörige geben dort die Erfüllung eines letzten großen Traums in Auftrag. Und von diesen Wünschen erfährt man viel mehr als nur die der Protagonisten. Das ganze Buch hindurch arbeiten die beiden Frauen immer wieder an Aufträgen – Riesenrad im stillgelegten Spreepark fahren, Zelten wie damals in Indien, das letzte Mal den Schnee sehen. Als Leser kam mir am Anfang gar nicht in den Kopf, dass man das Institut überhaupt kritisch sehen könnte, ist doch die Intention dahinter so gutherzig. Doch in Zeiten, in denen immer noch heiß über Sterbehilfe diskutiert wird und darüber, ob man lieber das Leben genießen oder verlängern sollte, taucht auch in diesem Buch irgendwann die Kontroverse auf: Wenn die kranken Menschen aus dem Krankenhaus gehen, um ihre Abenteuer zu erleben, sorgen sie dann nicht dafür, dass sie früher sterben? Und hilft das Institut dann dabei, dass die Menschen früher sterben als nötig? In meinen Augen findet Birger gegen Ende des Buches die richtigen Worte zur Arbeit des Instituts.

Die Geschichten der Kunden, mit denen man sich im Laufe des Buches länger beschäftigt, sind ganz unterschiedlich. So weiß Herr Mirusch gar nicht wirklich, wann er stirbt – es könnte jederzeit soweit sein, dass seine Ader platzt und vorher möchte er noch einmal einen Spieleabend in einer WG erleben. Frau Kovalska möchte noch einmal Maria Callas singen hören, bevor ihre Organe aufgeben. Und Birger Raavenstein sucht seine verlorene Liebe und ihr gemeinsames Kind, das er nie gesehen hat. Und alle bekommen ihre Wünsche erfüllt – irgendwie, auch wenn oft nicht so, wie sie sich am Anfang vorgestellt haben. Und gerade um Birgers Geschichte ranken sich so viele Ungereimtheiten, die den Blick des Lesers auf seine Person immer wieder ändern.

Ein wenig gestört hat mich, dass ich nicht nachvollziehen konnte, wieso sich Mathilda so zu Birger hingezogen fühlt, der doch offensichtlich nur Augen und Gedanken für seine verlorene Doreen übrig hat. Aber das ist ein kleiner Wehmutstropfen in einem Buch, dass mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückgelassen hat, aber mit einem ganz warmen Gefühl der Hoffnung im Herzen.

Fazit

Lesen lesen lesen – zum Wohlfühlen, zum Traurigsein, zum Hoffnungschöpfen!

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3 Gedanken zu “|Rezension| Antonia Michaelis „Das Institut der letzten Wünsche“

  1. lari heldenlama schreibt:

    Ohhhh das Buch hört sich toll an. Irgendwie brauche ich genau so etwas gerade! Herrlich herzschmerzlich und rührend *hachmach* – Dankeschön für Deine Rezi! Habs zum Glück bei skoobe gefunden und werds in Kürze dazwischen schieben :-)

    Liebe Grüße
    Lari

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