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|Rezension| Alma, Jamila, Lara-Luna „Wie wir Schule machen“

schule

Knaus * 10.2.2014 * ISBN: 978-3-8135-0618-1

 HC 19,99 €  * eBook 15,99 € * Leseprobe

Klappentext

In der Bildungsdebatte sind alle zu Wort gekommen – nur die Schüler hat keiner gefragt. Das regt Alma (14), Jamila (15) und Lara-Luna (16) schon lange auf. In ihrem Buch berichten sie, wie sie in ihrer Schule fürs Leben lernen. Ihre Fächer heißen „Herausforderung“ und „Verantwortung“, in sogenannten Lernbüros teilen sie sich ihr Pensum selbst ein – alles innerhalb des Lehrplans. Ein Beispiel des Gelingens, einfach und erfrischend. Die drei Autorinnen und ihre Mitschüler bilden inzwischen Lehrer weiter und machen Mut umzudenken.

Die drei Berliner Schülerinnen Alma, Jamila und Lara-Luna fordern Mut zur Veränderung an unseren Schulen: mehr Selbständigkeit, mehr Verantwortung, mehr Erfahrungen fürs Leben, mehr Gemeinschaft. Vieles davon findet an ihrer Schule, der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, bereits statt. In „Wie wir Schule machen“ berichten sie von ihrem ungewöhnlichen und produktiven Lernalltag. Unkompliziert, mutig und zum Nachmachen empfohlen.

Meinung

Wie wir Schule gerne hätten, das wissen wir alle. Eltern, Schüler, Lehrer – wir alle haben diese Vorstellung der perfekten Schule im Kopf, nur sind diese Vorstellungen oft weit auseinander und schwer miteinander zu vereinbaren. Doch manchmal wagen es Schulen doch – so wie die Evangelische Schule Berlin Zentrum, kurz ESBZ. Hier hatten anfangs vor allem Eltern und Lehrer eine Vorstellung der richtigen Schule für ihre Kinder, die sie aber so bestehend nicht fanden – also wurde sie von ihnen einfach gegründet. Und diese Schule wuchs und wuchs und geht mit Beispiel voran, dass Schule Spaß machen kann.

Und davon erzählen nicht die Erwachsenen, sondern diejenigen, die am begeistertsten von ihrer Schule sind, nämlich ihre Schüler. Nachdem sie schon im deutschprachigen Raum herumgereist sind und Voträge darüber gehalten haben, schrieben nun drei Schülerinnen der Schule gemeinsam ein Buch, um von ihrem Alltag in der ESBZ zu berichten. Das tun sie in gewohnt lockeren Stil und das macht es auch einfach, das Buch in einem Rutsch zu lesen – denn obwohl viele Informationen darin stecken, ist es mit so ehrlicher Begeisterung und frei von der Seele weg geschrieben, dass man sich so fühlt, als würde man die drei Schülerinnen reden hören. Zwischendrin kamen auch mal die Erwachsenen zu Wort, aber diesen Teil fand ich wesentlich uninteressanter – diesmal interessierte es mich kein bisschen, was jemand über 18 zu sagen hatte.

Anfangs saß ich ja mit meinem Lehrerauge vor dem Buch und dachte mir: Ja, man merkt schon, dass die von dem bürokratischen Mist hintendran keine Ahnung haben. Bis mir die Erkenntnis kam: Gerade deswegen ist es gut, ihnen mal zuzuhören. Als Lehrer (und vielleicht auch als Elternteil) sitzt man in seinem eigenen Erwachsenenmorast und kommt sich so vor, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen. Was sollen einem da ein paar Teenager schon sagen. Doch gerade darum geht es doch – zuzuhören, Bedürfnisse zulassen, Vertrauen in die Kinder haben. Idealvorstellungen, die ich selbst im Schulalltag immer wieder verliere, obwohl ich doch gerade deswegen auch an einer alternativen Schulform arbeite.

Je mehr ich von der Schule las, von den Angeboten erfuhr, desto mehr bewunderte und beneidete ich die Schüler, welche Chancen sie bekommen, wie viel man ihnen zutraute und wie sehr sie daran wachsen könnten. Dieses Buch ist eine Inspiration, einmal loszulassen, nicht immer kontrollieren zu wollen – Kinder können mehr, als wir ihnen heutzutage zutrauen. Wenn wir sie lassen.

Fazit

Ein inspirierendes Buch für Lehrer, Eltern und Schülern.

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Ein Kommentar zu „|Rezension| Alma, Jamila, Lara-Luna „Wie wir Schule machen“

  1. „Ja, man merkt schon, dass die von dem bürokratischen Mist hintendran keine Ahnung haben. Bis mir die Erkenntnis kam: Gerade deswegen ist es gut, ihnen mal zuzuhören.“ – diese Passage fand ich schön :-) Ich bin keine Lehrerin, aber ich kann den Konflikt aus Idealisimus und REalität gut vorstellen! Ich merk mir das Buch :-)

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