Belletristik · Rezensionen

|Rezension| Karen Joy Fowler „Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke“

schwestern

Manhattan * 11.5.2015 * OT We Are All Completely Beside Ourselves * ISBN: 978-3-442-54737-1

 HC 17,99 € * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Es war einmal ein Haus mit einem Garten, in dem wohnten ein Apfelbaum, ein Bach und ein kleine Katze mit mondgelben Augen. Hier wachsen drei Kinder auf: Rosemary, ihre ungestüme Schwester Fern und ihr großer Bruder Lowell. Sie könnten eine ganz normale Familie sein. Wäre ihr Vater nicht Wissenschaftler, und wäre Fern nicht ein ganz besonderes kleines Mädchen, das Wachsmalstifte verspeist, den perfekten Rückwärtssalto beherrscht und lacht wie eine Säge.

Jahre nach Ferns Verschwinden erzählt Rosemary nun deren Geschichte. Denn erzählen war das Einzige, was Fern nie konnte. (© randomhouse)

Meinung

Wenn ich ein Wort für Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke finden sollte, dann ist es wohl „anstrengend“. Dieses Buch ist keine lockerleichte Familiengeschichte, nicht einmal eine mittelschwere – hier trägt jeder eine Last, der auch nur am Rande auftaucht. Mit der Protagonistin und Icherzählerin Rose konnte ich mich schwer anfreunden – dabei kann sie gar nichts dafür, dass sie so eine anstrengende Person ist. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines Experiments ihres Vaters. Nein, sie IST ein Experiment ihres Vaters – wortwörtlich. Und dieses Experiment zerstört ihre ganze Familie – ihre Mutter, die in Depressionen verfällt, ihren Bruder, der sich irgendwann einfach von der Familie abwendet, weil er sie nicht mehr erträgt, am meisten aber sie selbst.

Anstrengend fand ich auch, dass Rose durch ihren Drang, besser zu sein als ihre Schwester Fern – sei sie nun aus ihrem Leben verschwunden oder nicht – immer beweisen muss, wie klug sie ist. Und so musste ich doch tatsächlich Wörter im Duden nachschlagen, um zu verstehen, was sie ausdrücken will. Und tatsächlich mache ich drei Kreuze, dass ich so gut wie alle Anspielungen auf jegliche Art von Kultur verstanden habe – aber was wäre, wenn nicht? Mich würde das nerven und sicher nicht dazu bewegen, das Buch weiterzulesen.

Dabei steckt hinter den großen Worten und der schweren Grundgeschichte auch immer das eine oder andere Fünkchen Überraschung, dass mich dann doch beim Buch gehalten hat. Zum Beispiel das Geheimnis, wohin Fern verschwunden ist – oha, DAS hab ich echt nicht kommen sehen. Auch haben manche Szenen ihren ganz eigenen Humor, der mich dann doch zum Lachen gebracht hat ob seiner Absurdität. Und tatsächlich kam nach dem anstrengenden Beginn die Zeit, in der ich nur ungern das Buch zur Seite legte, um mich dem Rest des Lebens zu widmen. Das lag vielleicht auch daran, dass man an einen Punkt kommt, wo man endlich einen richtigen Durchblick hat, was die ersten Kapitel angeht – nachdem ich klar gesehen habe, wollte ich nur wissen, wie es mit Rose weitergeht.

Bewundernswert fand ich auch, welchen Rechercheeinsatz die Autorin in dieses Buch gesteckt hat – hinterher kam ich mir echt hundertmal klüger vor als vor dem Buch. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Stunden das verschluckt hat.

Fazit

Wenn man zu Beginn Geduld hat, wird man mit einer höchst bizarren und interessanten Geschichte belohnt, in der offensichtlich viel Herzblut der Autorin steckt.

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