|Aktion| #bloggerfuerfluechtlinge

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Mir machen die Berichte über Asylsuchende, die scharenweise nach Deutschland kommen, Angst. Ich fühle mich unwohl in Deutschland, wenn ich meine Facebooktimeline durchsehe. Ich möchte nur ungern in der Nähe einer Asylunterkunft auf die Straße gehen.

Wieso?

Weil diese Menschen wie Unkraut aus dem Boden schießen, die ihre Sätze gerne mit „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber“ beginnen, sich herausnehmen, „für das Volk“ zu sprechen oder gar zum Mord aufrufen. Weil sie blind und taub für die Leiden anderer sind. Weil sie unter dem Deckmantel der Sorge um unser Land gegen Menschen hetzen, von denen sie ein Stereotyp erschaffen haben, das mit der Realität nichts zu tun hat. Und weil sie in ihrem Glauben, das Richtige für „ihr Land“ zu tun, vor Gewalt nicht zurückschrecken, Gebäude (mit Menschen drin oder ohne) abfackeln und nach KZs und einem neuen Hitler schreien. Um Max Liebermann zu zitieren: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Man stelle sich vor, Menschen lassen aus Angst um ihr Leben alles zurück, was sie sich aufgebaut haben, manchmal sogar geliebte Familienmitglieder, den Ehemann, die Ehefrau, die Mutter, den Vater, kratzen sämtliches Geld zusammen, das sie aufbringen können, um es Schleusern zu geben, die sich dann nur wenig darum kümmern, ob alle heil ankommen. Sie haben nichts mehr als das, was sie bei sich tragen, versuchen, an einen sicheren Ort gelangen, wo sie keine Angst mehr haben müssen, wo sie etwas zu essen erhalten und endlich wieder eine ruhige Nacht verbringen können – und dann erwartet sie hier ein Pöbel, der mit Fackeln und Gegröle und schlimmstenfalls noch körperlichen Ausschreitungen entgegentritt. Ruhige Nacht? Fehlanzeige. Angstfreies Leben? Aber nicht doch.

Man möchte diese Menschen schütteln, ihnen begreiflich machen, was das bedeutet, was diese Menschen hinter sich haben, um dann in überfüllten Unterkünften anzukommen und auf ein besseres Leben zu hoffen, in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstehen. Aber Aggressivität, die verstehen sie sehr wohl. Man möchte ihnen ins Gesicht brüllen, dass sie nicht das Volk sind, dass sie nicht für alle Deutschen sprechen, dass sie ihren rassistischen Scheiß bitte im Wohnzimmer vor sich hinmurmeln können, aber doch bitte den Rest der Welt damit in Ruhe lassen sollen. Dass sie sich ihre vorgeschobene Besorgnis um Rentner, Obdachlose und Kinder sonst wohin schieben können, weil sie sie vor ein paar Monaten im besten Fall noch gar nicht interessiert und im schlimmsten Fall sogar als Zielscheibe benutzt haben für ihren Frust über ihr verkorkstes Leben.

Da reißen die den Mund auf, deren Großeltern vielleicht selbst geflüchtet sind, vielleicht sogar die Eltern aus dem Osten. Aber das waren ja Deutsche, wollen sie sagen, das war was anderes. Nein, das war es nicht. Angst ist immer gleich, egal, ob sie von einem Deutschen oder Nichtdeutschen gefühlt wird. Das Gefühl von Heimatlosigkeit, vom Nichtankommenkönnen, von Nichtgewolltsein, das ist dasselbe. Das Bewusstsein, dass man so viel hinter sich lassen muss, was man liebt, das ist gleich. Wir können froh sein, dass wir jeden Tag mit sauberem Wasser, genug Essen, anständiger Schulbildung und ohne Angst leben können. Doch wenn es nicht so wäre – würden wir nicht auf die Hilfe derer hoffen, denen es besser geht? Würden wir uns nicht auch das zurückwünschen, was für andere selbstverständlich, ja fast nebensächlich und selbstverständlich ist, selbst wenn wir dafür unser Heimatland verlassen müssen? Und wäre es für uns nicht selbstverständlich, dass wir unsere Kultur behalten möchten, besonders dann, wenn sie der Grund war, wieso wir verfolgt wurden?

Diese blinden Menschen machen mich wütend, weil sie mich hilflos machen. Weil ich mir als ehemalige Wunsiedler Schülerin seit klein auf ansehen musste, wie man sich Jahr für Jahr wieder gegen diesen Menschen verteidigen musste (übrigens mittlerweile sehr erfolgreich). Weil man ihnen keine Vernunft einreden kann. Was wir machen können? Zeigen, dass wir nicht auf ihrer Seite stehen. Denen helfen, die hier ankommen, ihnen die Angst vielleicht ein wenig nehmen, ihnen das Leben in den Unterkünften angenehmer machen, wie auch immer das aussieht – durch Spenden, durch Mithilfe. Und dadurch, dass wir den Mund aufmachen. In jeder Stadt gibt es genug Anlaufstellen, an die wir uns wenden können, bei denen wir fragen können, wo und wie Hilfe benötigt wird.

Normalerweise äußere ich mich nicht so politisch auf diesem Blog. Eigentlich geht es hier um Bücher (und da es hier um Bücher geht und um Flüchtlinge und darum, sich in andere hineinzuversetzen: Krieg. Stell dir vor er wäre hier – eine Gedankenexperiment, das viel mehr Menschen lesen sollten!). Uneigentlich möchte ich aber auch einmal laut werden, mich mal anständig auskotzen und deutlich machen: Ihr seid nicht das Volk! Und von mir aus bin ich ein Gutmensch in euren Augen – lieber das als jemand, der nur um sich und sein verkorkstes Weltbild kreist. Und ich sage das als jemand, dem das Leben nicht immer das Glück auf dem Silbertablett serviert hat, woraus ich auch nie einen Hehl gemacht habe. Aber mir ging es immer noch tausendmal besser als den Kindern, die jetzt mit ihren Familien hierherkommen, um Frieden und Sicherheit zu wollen!

Meine 5 Cent zu der Aktion #bloggerfuerfluechtlinge. Genaueres könnt ihr bei der wunderbaren Karla Paul nachlesen: Menschen für Menschen. Dort kann man entweder an der Spendenaktion teilnehmen oder eine Übersicht über weitere Hilfsaktionen finden.

Außerdem könnt ihr die Webseite der Aktion besuchen und euch dort auf dem Laufenden halten: Blogger für Flüchtlinge.

Liebe Leser und vor allem Mitblogger – werdet laut, zeigt Flagge, stellt unseren Glauben an das Gute in unseren Mitbürgern wieder her. Teilt die Aktion, schreibt selbst etwas darüber. Es kann nicht sein, dass wir leiser sind als die gröhlenden Intelligenznachzügler.

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4 Gedanken zu “|Aktion| #bloggerfuerfluechtlinge

  1. Miss Bookiverse schreibt:

    Dein Post ist super. Den kann ich so nur unterschreiben und ich finde es toll, dass du dich so lautstark zu dem Thema meldest. Ich finde, dass der Fokus viel mehr auf die positiven Helfer gelegt werden sollte. Ich bewundere Menschen, die ihre Zeit und Kraft darin investieren anderen Menschen direkt zu helfen, die keine Berührungsängste haben und ihren inneren Schweinehund gut im Griff.

  2. Hans schreibt:

    Ich finde es toll, dass du dich zum Thema geäußert hast. Je mehr das tun, desto mehr stellen wir uns gegen die dummen Menschen, die Hass verteilen, stänkern und verletzen wollen. Man darf deren Mist nicht tolerieren. Natürlich habe auch ich meine Stimmer erhoben. Danke für den guten Beitrag. HG Hans

  3. tafeltanten schreibt:

    Ein toller Beitrag! Und eine klasse Aktion. Deswegen und wegen deiner tollen Rezensionen und auch ein bisschen, weil wir auf der gleichen Seite stehen, haben wir dich für den „Liebster Award“ nominiert. Wir würden uns sehr über deine Antworten freuen.
    Liebe Grüße aus dem Tafeltanten-Kollegium

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