|Rezension| Stephan Knösel „Das absolut schönste Mädchen der Welt und ich“

mädchen

Beltz * 17.8.2015 * ISBN: 978-3-407-81183-7

 TB 13,95 € * eBook 12,99 € * Leseprobe

Klappentext

Nach einem Streit mit seiner Mutter ergreift der 17-jährige Paul die Flucht aus Paris, um nach München zu ziehen. Erschöpft schläft er nach seiner Reise auf einer Parkbank ein und wird von einer vermeintlichen Taschendiebin geweckt. Die schöne Zoe ist nicht auf den Mund gefallen und schon bald ist Paul völlig gefangen von ihr. Er muss Zoe beweisen, dass er der einzig Richtige für sie ist! Doch Zoe gleitet ihm immer wieder aus den Händen und ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt …

Meinung

Manchmal überkommt mich beim Lesen eines Buches das Gefühl, dass man den Protagonisten zur Seite ziehen möchte, ihm kumpelhaft den Arm um die Schultern legen will und dann zu ihm sagt: Du, jetzt denkste mal fünf Minuten scharf nach, bevor du den nächsten Schritt machst. Bei diesem Buch war das so ein Permanentgefühl.

Paul ist ungelogen etwas überfordert mit seinen Hormonen, die sein Verhalten steuern (und das ist ja nicht böse gemeint, das ist sogar wissenschaftlich erwiesen). Dass er von Paris aus zu seinem Vater nach München abhaut, fand ich sogar verständlich. In Paris fühlt er sich nicht heimisch, hat niemanden außer seiner Mutter, die nur an ihm herummeckert. Dass er sich in Zoe verknallt – geschenkt. Die ist hübsch, cool und auch noch älter als er. Welchem Siebzehnjährigen würde es da anders gehen? Bis dahin verstand ich Paul wirklich.

Danach erinnerte mich das Buch streckenweise ein wenig an eine deutsche Version von John Greens „Papertowns“ (Und eher bekannt als Margos Spuren) und „Looking for Alaska“ – das überwältigend schöne Mädchen, das unheimlich geheimnisvoll und deswegen der Traum des jugendlichen Protagonisten ist, verschwindet und er geht sie suchen, angelt sich von Hinweis zu Hinweis, stolpert in eine absurde Situation in die nächste und stößt dabei auf Personen, die ihn zum Nachdenken anregen könnten, wenn er sich nur einmal hinsetzen und fünf Minuten Bedenkzeit gönnen würde.

Leider entwickeln manche von Pauls Ideen schon fast Stalkerqualitäten – nicht nur, dass er kaum schläft und jeden verfolgt, der auch nur den Anschein erweckt, dass er Zoe kennen würde. Er lässt sogar Suchzettel drucken. Wäre ich Zoe, ich hätte spätestens dann die Beine in die Hand genommen und die Stadt verlassen. Immerhin macht dieses Buch deutlich, dass nicht immer die Frauen die sind, die nach einer gemeinsamen Nacht den Kopf verlieren, wenn der andere sich nicht mehr meldet.

Irgendwann nimmt das Buch dann doch noch eine ernste Wende – aus verliebtem Tralala wird Ernst, als Paul erfährt, wieso sich Zoe nicht mehr gemeldet hat. Wie mit diesem Thema umgegangen wird, fand ich gut. Dass das Ende in diesem Punkt offen bleibt, auch. Da bleibt die Moralkeule einfach mal da, wo sie hingehört – weit hinten im Schrank. Auch mit dem allgemeinen Ende des Buches war ich sehr zufrieden, aber wie es endet, das müsst ihr schon selbst lesen.

Fazit

Ein überraschend gelungenes Jugendbuch ohne Moralkeule und einem Protagonisten, der trotz Hormonüberschuss doch einen Weg ins Leserherz findet.

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