Fantasy · Rezensionen

|Rezension| Brandon Sanderson „Der Rithmatist“

rithmatist

Heyne fliegt * 13.7.2015 * OT The Rithmatist * ISBN: 978-3-453-26986-6

 HC 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Wie wird man Magier, wenn man nicht zaubern kann? Mit diesem Problem kämpft Joel tagtäglich, denn nichts wünscht er sich sehnlicher, als ein Rithmatist, ein berühmter Kreidemagier, zu werden. Doch so sehr er sich auch bemüht, seine Kreidefiguren bleiben leblos – bis zu dem Tag, an dem plötzlich das Schicksal aller Rithmatisten auf Joels Schultern ruht. Einem Tag, an dem eine lange verborgene Gabe in ihm erwacht … (© randomhouse)

Meinung

Zur BuchSaiten Blogparade zum Ende des letzten Jahres hatte ich mir ja vorgenommen, unbedingt mal etwas von Brandon Sanderson zu lesen, weil er so unheimlich hoch gelobt wird von vielen Bloggern. Der Rithmatist klang ein wenig nach verkappter Superheld, der seine Kräfte erst später entdeckt und war damit doch super zum ersten Schnuppern.

Vielleicht ist es mal wieder dem großen Hype geschuldet – Der Rithmatist war gut, aber eben nicht überragend. Die Idee war völlig neu für mich – nur bewaffnet mit Kreide können sich die Magiebegabten dieser Welt duellieren, indem sie Kreidekreise zeichnen. Auch die Kreidefiguren, die sie erschaffen, bewegen sich im zweidimensionalen Raum. Dafür benötigt es sehr viel Sorgfalt und Strategiefähigkeit, die ausgewählte Kinder in besonderen Unterrichtsstunden lernen.

Joel wäre so gerne ein Rithmatist, wurde aber nicht erwählt. Das hindert ihn nicht daran, seinem Umfeld ein Ohr darüber abzukauen, wie toll es ist, ein Rithmatist zu sein, sich in die Kurse zu schmuggeln und bald auch als Helfer eines Rithmatikprofessors zu arbeiten. Ich kann durchaus verstehen, dass – vor allem wenn man jung ist – die Begeisterung heftig von einem Besitz ergreifen kann, vor allem, wenn es sich um etwas so Exklusives handelt wie eine magische Gabe (ach, was wären wir alle doch gerne nach Hogwarts gegangen). Andererseits war ich streckenweise etwas genervt von seiner Besessenheit, weil er einfach nicht akzeptieren kann, dass es sein kann, dass jemand dieses Schicksal eben nicht haben möchte.

Denn genauso geht es Melody – sie will gar keine Rithmatistin sein, erkennt ihre Begabung darin gar nicht und wünscht sich nichts sehnlicher als ein stinknormales Leben. Auch ihre Sicht der Dinge fand ich verständlich, da die Rithmatik das Leben der Begabten so in Beschlag nimmt, dass es für jemanden, der sich darin nicht verlieren kann, der pure Albtraum sein muss. Aber auch Melody hat einfach eine unheimlich nervtötende Ader. Vor allem ihre Paranoia, dass Joel es in irgendeiner Hinsicht auf sie abgesehen haben könnte, wirkt so aus der Luft gegriffen, dass es sie nur ins Lächerliche zieht, was ich sehr schade finde. Dabei entwickelt sie sich im Laufe des Buches noch zu einem sehr interessanten Charakter mit unerwarteten Facetten.

Für meinen Geschmack kommt die Geschichte nur sehr schwer ins Rollen. Auch wenn schon zu Beginn durch das Verschwinden der Rithmatikschülerin angedeutet wird, dass in dieser magischen Gemeinde nicht alles Gold ist was glänzt, eiert man erst einmal eine halbe Ewigkeit damit herum, dass Joel jammert, dass Melody jammert, dass Fitch sie Kreise zeichnen lässt pipapo. Sanderson haut hier nicht nur die Bremse im Erzähltempo rein, nein, er ruht sich mächtig drauf aus. Schade. Im Endeffekt wirkt die Geschichte wie ein Kriminalroman in einer unserer ähnlichen, fantastischen Welt. Und wie es dort oft so ist, entwickelt sich die Spannung auch hier erst auf den letzten 50 Seiten.

Etwas entschädigt hat mich die liebevolle Gestaltung der Kapitelanfänge, die eingeschobenen Lehrbuchseiten zur Rithmatik (auch wenn ich davon nur sehr wenig wirklich verstanden habe. Ich wäre wohl eine miese Rithmatistin.) und die Zeichnungen, die die Kapitel ergänzen. Man merkt einfach, dass sich der Autor um die Rithmatik und ihre Gesetze sehr genau Gedanken gemacht hat – so komplizierte Taktiken zaubert man sich nicht einfach aus dem Ärmel.

Fazit

Mit seinem langsamen Tempo und den anstrengenden Charakteren blieb Der Rithmatist hinter meinen Erwartungen zurück, trotz der interessanten Grundidee und der durchdachten Aufmachung.

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2 Kommentare zu „|Rezension| Brandon Sanderson „Der Rithmatist“

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